Zuwartendes Verhalten bei Gebärmutterhalskrebsvorstufen erhöht Langzeitrisiko für Zervixkarzinome

Die aktive Überwachung von zervikalen intraepithelialen Neoplasien vom Schweregrad II kann langfristig das Risiko für Gebärmutterhalskrebs erhöhen. Im Vergleich zur sofortigen Entfernung der Läsionen war das Krebsrisiko 20 Jahre nach der CIN-Diagnose fast viermal so hoch.

Zervixkarzinom

Die aktive Überwachung von zervikalen intraepithelialen Neoplasien vom Schweregrad II (CIN II) ist mit einem erhöhten Langzeitrisiko für Gebärmutterhalskrebs verbunden. Zu diesem Ergebnis kam eine im 'The BMJ' veröffentlichte Studie [1].

Das absolute Risiko für Gebärmutterhalskrebs sei zwar gering, betont das Team um Kathrine Dyhr Lycke von der Abteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie am Krankenhaus Gødstrup in Herning, Dänemark. Die Ergebnisse ihrer Registerstudie zeigen aber, dass ein zuwartendes Vorgehen im Vergleich zur sofortigen Entfernung der Läsionen das Risiko für die Entwicklung eines Zervixkarzinoms über einen Zeitraum von 20 Jahren um nahezu das Vierfache erhöht.

Zervikale intraepitheliale Neoplasien: Die Rolle der aktiven Überwachung bei CIN II

Zervikale intraepitheliale Neoplasien werden in verschiedene Grade unterteilt: CIN I, II und III. Je höher die Zahl, desto schwerwiegender ist die Dysplasie und desto höher ist das Risiko einer Krebsentwicklung.

Für viele Jahre war CIN II die Schwelle für die Entfernung der betroffenen Areale. Mehrere Studien haben jedoch gezeigt, dass sich 50–60% der CIN-II-Dysplasien innerhalb von zwei Jahren spontan zurückbilden. Deshalb haben viele Länder die aktive Überwachung als Option für Frauen mit CIN II eingeführt. Die Forschergruppe aus Dänemark untersuchte, ob die zuwartende Strategie das Risiko für Gebärmutterhalskrebs im Vergleich zur sofortigen Entfernung der Läsionen beeinflusst.

Die aktive Überwachung ist in Dänemark seit 2013 für alle Frauen im gebärfähigen Alter verfügbar, in einigen Regionen sogar schon seit 1995. Sie umfasst regelmäßige Untersuchungen und Tests in den zwei Jahren nach Diagnosestellung der CIN, um die Entwicklung der abnormen Zellen zu kontrollieren.

LLETZ-Konisation vs. aktive Überwachung

Die Studie schloss 27.524 Frauen zwischen 18 und 40 Jahren ein, bei denen zwischen 1998–2020 zervikale intraepitheliale Neoplasien vom Typ II diagnostiziert wurden. 12.483 (45%) der Frauen wurden aktiv überwacht. 15.041 (55%) erhielten eine sofortige Behandlung, bei der die Läsionen per LLETZ-Konisation entfernt wurden. LLETZ steht für Large Loop Excision of the Transformation Zone, was die Entfernung der sogenannten Transformationszone mithilfe einer großen elektrischen Schlinge bedeutet.

Die Frauen wurden von der Entdeckung der CIN bis zur Diagnose eines Zervixkarzinoms, einer Hysterektomie, einer Emigration, dem Tod oder bis zum 31. Dezember 2020 nachbeobachtet – je nachdem, was zuerst eintrat.

Vierfach erhöhtes Gebärmutterhalskrebsrisiko nach 20 Jahren

Nach Berücksichtigung verschiedener Faktoren, einschließlich Alter, Kalenderjahr und Wohnregion, identifizierten die Forscher 104 Fälle von Gebärmutterhalskrebs: 56 (54%) in der Gruppe mit aktiver Überwachung und 48 (46%) in der LLETZ-Gruppe.

Das kumulative Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, war in beiden Gruppen während des zweijährigen aktiven Überwachungszeitraums vergleichbar (0,56% in der aktiven Überwachungsgruppe und 0,37% in der LLETZ-Gruppe). Danach veränderte sich das Krebsrisiko jedoch. Nach 20 Jahren war das Risiko für Gebärmutterhalskrebs in der Gruppe mit aktiver Überwachung fast viermal höher (2,65%), während es in der LLETZ-Gruppe relativ stabil blieb (0,76%). Diese erhöhte Risikotendenz zeigte sich besonders bei Frauen über 30 Jahren.

Langzeitrisiko für Zervixkarzinome: Die Rolle von HPV und aktiver Überwachung

Bei zuwartendem Verhalten wäre es denkbar, dass die zugrunde liegende HPV-Infektion, die Gebärmutterhalskrebs verursacht, in den Zellen schlummert. In Phasen geschwächter Immunabwehr oder mit zunehmendem Alter könnte sie reaktiviert werden und das Langzeitrisiko für Zervixkarzinome erhöhen, so der Erklärungsansatz der Wissenschaftler.

Aufgrund des Studiendesigns als Beobachtungsstudie kann keine Kausalität festgestellt werden. Die Forscher betonen jedoch, dass ihre Erkenntnisse für die klinische Beratung von Frauen mit CIN II wichtig sind und für einen erhöhten Follow-up-Bedarf bei Patientinnen sprechen, die die Strategie der aktiven Überwachung wählen.

Autor:
Stand:
10.01.2024
Quelle:

[1] Lycke, K. D. et al. (2023): Untreated cervical intraepithelial neoplasia grade 2 and subsequent risk of cervical cancer: population based cohort study. The BMJ, DOI: 10.1136/bmj-2023-075925

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