Offene Thorakotomie vs. VATS beim Bronchialkarzinom
Lungenkrebs zählt weltweit zu den häufigsten und tödlichsten Krebserkrankungen. Dieser maligne Tumor ist aggressiv und metastasiert frühzeitig. Die chirurgische Resektion bleibt eine zentrale Therapieoption beim nicht-metastasierten Bronchialkarzinom. Sie bietet oft die höchste Chance für ein kuratives Outcome. Der Goldstandard ist hierbei die traditionelle offene Thorakotomie. Hierdurch kann Tumorgewebe umfassend entfernt werden. Allerdings sind postoperative Komplikationen, insbesondere Wundinfektionen, ein bedeutendes Problem. Hierbei kann es beispielsweise zu einer erhöhten Morbidität und längeren Krankenhausaufenthalten kommen. Dies kann die Heilung verzögern und auch das Langzeitüberleben negativ beeinflussen. Gegenüber der offenen Thorakotomie steht die video-assistierte Thorakoskopie (VATS). Durch diese minimalinvasive Operationstechnik konnte die chirurgische Invasivität reduziert werden. Die Patienten haben in der Regel weniger postoperative Schmerzen, einen kürzeren Krankenhausaufenthalt und kehren schneller zu normalen Aktivitäten zurück. Die Wahl der chirurgischen Technik könnte einen entscheidenden Einfluss auf das postoperative Outcome, insbesondere im Hinblick auf Wundinfektionen, haben.
Patienten mit VATS wiesen niedrigeres Risiko für Wundinfektionen auf
Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse untersuchte, ob die VATS im Vergleich zur offenen Thorakotomie das Risiko für Wundinfektionen senkt. Die Autoren führten hierfür eine umfassende Literaturrecherche in den Datenbanken PubMed, Embase, Web of Science und der Cochrane Library durch. Am Ende schlossen die Wissenschaftler sechs Studien in ihre Analyse ein.
Die gepoolten Ergebnisse zeigten, dass Patienten, die sich einer offenen Thorakotomie unterzogen, ein doppelt so hohes Risiko für eine postoperative Wundinfektion hatten wie Patienten, die mittels VATS operiert wurden.
Mögliche Erklärungen für erhöhtes Infektionsrisiko bei Thorakotomie sind vielschichtig
Die Studienautoren erklären das Ergebnis damit, dass bei der offenen Thorakotomie eine größere Wundfläche und damit Angriffsfläche für Pathogene vorhanden ist. Zudem kann die höhere Invasivität eine Kaskade von systemischen Entzündungsreaktionen auslösen. Diese könnten die Fähigkeit des Körpers, Infektionen zu bekämpfen, beeinträchtigen. So zeigten Studien, dass chirurgischer Stress die Funktion von natürlichen Killerzellen und anderen Immunkomponenten zeitweise reduzieren kann. Zudem sind Schmerzen und verlängerte Immobilität, wie sie bei der offenen Thorakotomie im Vergleich zur VATS auftreten, ihrerseits Risikofaktoren für eine Infektion. Auch der verlängerte Krankenhausaufenthalt birgt ein erhöhtes Risiko für nosokomiale Infektionen.
Ergebnisse der Analyse könnten zukünftig bei Entscheidung der Operationsmethode berücksichtigt werden
Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass die minimalinvasive VATS mit einem geringeren Risiko für postoperative Wundinfektionen einhergeht als bei der offenen Thorakotomie. Die Wahl der minimalinvasiven Technik könnte also nicht nur die postoperative Erholung verbessern, sondern auch das Risiko infektiöser Komplikationen reduzieren.








