Frauen mit Hormonrezeptor (HR)-positivem Brustkrebs haben noch Jahre nach Abschluss ihrer Behandlung ein erhöhtes Risiko für Rückfälle und ein Fortschreiten der Erkrankung. Für Männer, die an Brustkrebs erkranken, wurde das langfristige Rezidiv- und Mortalitätsrisiko bisher kaum untersucht. Nun hat eine bevölkerungsbasierte Studie das Ausmaß der brustkrebsbedingten Mortalität (BCSM) bei männlichen Patienten mit nicht metastasiertem HR-positivem Mammakarzinom über einen Zeitraum von 20 Jahren bewertet. Die in der Fachzeitschrift „JAMA Oncology“ veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass auch Männer, die an Brustkrebs erkranken, ein anhaltend erhöhtes Risiko für Rückfälle und Tod aufweisen [1].
Unterrepräsentation von Männern in Brustkrebsstudien
In der Vergangenheit waren Männer mit Brustkrebs in randomisierten Studien unterrepräsentiert, sei es durch explizite Ausschlüsse oder mangelnde Einschreibung in Studien, die technisch gesehen auch Männer erlaubten. Infolgedessen wurden Behandlungsrichtlinien und Beratungen für Männer mit Brustkrebs größtenteils aus klinischen Studien mit weiblichen Patienten abgeleitet, wenngleich unterstützende Daten durch Beobachtungs- und bevölkerungsbasierte Studien bei Männern generiert wurden. Dr. José P. Leone vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston, USA, und Kollegen haben nun explizit das Risiko der brustkrebsassoziierten Sterblichkeit bei Männern mit HR-positivem Brustkrebs untersucht.
Daten von mehr als 2.800 Männern ausgewertet
Die Forscher analysierten die Daten von 2.836 Männern, bei denen zwischen 1990 und 2008 Hormonrezeptor-positiver Brustkrebs im Stadium I bis III diagnostiziert wurde. Die durchschnittliche Beobachtungszeit betrug 15,41 Jahre (Interquartilbereich [IQR] 12,08–18,67 Jahre), das mittlere Alter bei der Diagnosestellung lag bei 67 Jahren (IQR 57–76 Jahre).
Rückfallrisiko mindestens 20 Jahre erhöht
Das kumulative 20-Jahres-Risiko für brustkrebsbedingte Sterblichkeit nahm mit dem Tumorstadium zu und betrug 12,4% für Stadium I, 26,2% für Stadium II und 46,0% für Stadium III. Bei den Patienten, die fünf Jahre nach der Diagnose überlebten, war das adjustierte BCSM-Risiko für Männer unter 50 Jahren höher als bei denen über 64 Jahre. Ebenso war es höher bei Tumoren mit Grad II oder III/IV im Vergleich zu Grad-I-Malignomen sowie bei Erkrankungen im Stadium II oder III im Vergleich zur Stadium I Erkrankung.
Insgesamt haben Männer mit Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs noch mindestens 20 Jahre lang ein erhöhtes Risiko für tödlich endende Rückfälle. Die Höhe des Risikos scheint von klassischen klinisch-pathologischen Faktoren wie dem Alter des Patienten, dem Tumorstadium und dem Malignitätsgrad abzuhängen. Diese Faktoren sollten bei der Nachsorge entsprechend berücksichtigt werden, so die Autoren der Studie.
Tumorbiologische Merkmale von Brustkrebs bei Männern
Mehr als 90% der männlichen Brustkrebs-Patienten werden mit HR-positiver Erkrankung diagnostiziert; ERBB2 (HER2)-positive Erkrankungen machen 8–12% der Fälle von Mammakarzinomen bei Männern aus, die meisten davon sind auch HR-positiv. HR-negativer/ERBB2-positiver und triple-negativer Brustkrebs sind bei Männern selten. Das invasive duktile Karzinom ist der am häufigsten vorkommende histologische Subtyp, während das invasive lobuläre Karzinom bei Männern einen kleineren Anteil der Fälle ausmacht als bei Frauen. Das mediane Alter bei der Brustkrebs-Diagnose ist bei Männern deutlich höher als bei Frauen, und Männer weisen häufiger regionale Lymphknotenbefälle auf.









