Eigentlich liegt es auf der Hand: Wenn in der Stillzeit ein Mammakarzinom besteht, müssten sich die Krebszellen in der Muttermilch nachweisen lassen. Nun denkt kaum jemand bei jungen Müttern an Brustkrebs, doch dieser ist gar nicht so selten: Schätzungsweise sind 40 bis 45% der Brustkrebsfälle, die vor dem 45. Lebensjahr diagnostiziert werden, mit einer Entbindung assoziiert, sagt Dr. Cristina Saura vom Onkologischen Institut Vall d'Hebron (VHIO) in Barcelona (Spanien).
Aggressiv: Brustkrebs nach der Entbindung
Ein Mammakarzinom während der Schwangerschaft (PrBC) oder nach der Entbindung (PPBC) wird in der Regel in einem fortgeschritteneren Stadium als andere Brustkrebs-Formen diagnostiziert. Außerdem können die als normal angesehenen physiologischen Veränderungen der Brüste während der Schwangerschaft und Stillzeit einen sich entwickelnden Tumor verbergen. PPBC ist besonders aggressiv und mit erhöhtem Metastasierungsrisiko und erhöhter Sterblichkeit verbunden.
PrBC-Marker fehlen bisher
Allerdings gibt es derzeit kein System oder Instrument, das die Früherkennung von Brusttumoren bei schwangeren Frauen ermöglicht. Um bei dieser Patientinnen-Gruppe einem Mammakarzinom-Verdacht auf den Grund gehen zu können, haben Saura und ihre Kollegen nach Markern gesucht, die eine Früherkennung ermöglichen. Da bietet sich die Muttermilch als Flüssigbiopsie an. Diese Bioflüssigkeit steht schließlich in direkterem Kontakt mit den Tumorzellen.
ctDNA-Nachweis mit Tröpfchen-PCR ...
Doch bisher war es technisch schwierig, Tumorzellen bzw. deren Bestandteile in der Muttermilch nachzuweisen. Den spanischen Wissenschaftlern ist es nun gelungen, zellfreie Tumor-DNA (ctDNA) in dieser physiologischen Flüssigbiopsie festzustellen. Bei der Analyse werden in 87 % der Fälle mittels digitaler Tröpfchen-PCR Tumorvarianten aus der Muttermilch nachgewiesen. In den Plasmaproben der gleichen Patientinnen können diese ctDNA- Varianten hingegen nur bei 8% entdeckt werden. Für die andere Analyse-Methode, das Next-Generation-Sequencing, mit der ctDNA in der Muttermilch bestimmt wird, ergab sich eine klinische Gesamtsensitivität von 71,4 % und eine Spezifität von 100 %.
... und Next-Generation-Sequencing
Um diese Erkenntnis klinisch zu nutzen, hat das Forscherteam ein Genompanel entwickelt, das die Next Generation Sequenzierung als potenzielle Methode zur Früherkennung von Brustkrebs nutzt. Dabei werden Hybrid-Capture-Chemie und molekulare Identifikatoren verwendet, die eine bessere Sensitivität bei der Next Generation Sequenzierung gewährleisten. Das Panel wurde auf der Grundlage der vorhandenen Literatur kalibriert, um die Gene zu erkennen, die bei Brustkrebs bei jungen Frauen unter 45 Jahren am häufigsten mutiert sind. Die Sensitivität dieses Panels liegt nach den neusten Ergebnissen bei über 70%.
Künftig Brustkrebs-Screening für Wöchnerinnen?
Die spanischen Forscher halten dieses Panel für geeignet, um als Instrument für ein generelles Brustkrebs-Screening zu dienen. Genau wie im Blut von Neugeborenen in Spanien auf Stoffwechselkrankheiten gescreent wird, sollten auch Milchproben von Wöchnerinnen entnommen werden, um Brustkrebs auszuschließen oder zu diagnostizieren. Doch bis dies zur Früherkennungsroutine wird, müssen zunächst die Ergebnisse in einer klinischen Studie mit einer größeren Gruppe von Frauen validiert werden.







