CAR-T-Zell-Therapie: Versorgungspotenziale oft ungenutzt

Die CAR-T-Zell-Therapie eröffnet neue Optionen in der Behandlung hämatologischer Malignome. Doch der Zugang zur Therapie ist jedoch häufig noch eingeschränkt. Eine internationale Analyse zeigt strukturelle Defizite und ungenutzte Potenziale auf.

Fallkonferenz

Die CAR-T-Zell-Therapie gilt als Meilenstein in der Behandlung bestimmter hämatologischer Malignome. Sie eröffnet Patienten mit refraktärem oder rezidiviertem großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) oder anderen therapieresistenten hämatologischen Erkrankungen neue Überlebenschancen. Doch trotz wachsender klinischer Erfahrung und steigender Zulassungszahlen bleibt der Zugang zur Therapie vielerorts eingeschränkt.

CAR-T-Therapie: Fortschritt trifft Versorgungslücke

Das IQVIA-Institut analysierte das Gesundheitssystem und die Versorgungskapazitäten in Australien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und dem Vereinigten Königreich. Im Fokus stand der Weg der Patienten von der Diagnose über die Überweisung bis hin zur Therapie und Nachsorge. Dabei wurde deutlich, dass trotz des medizinischen Fortschritts das Potenzial der CAR-T-Zell-Therapie noch nicht ausgeschöpft ist.

In Frankreich erhielten im Jahr 2023 30 % der geeigneten DLBCL-Patienten nach mindestens zwei Vortherapien eine CAR-T-Zell-Therapie. In Deutschland waren es lediglich 17 % und in Italien sogar nur 11 %. Diese Unterschiede lassen sich nicht vollständig durch medizinische Faktoren wie Komorbiditäten oder Alter erklären. Vielmehr weisen sie auf strukturelle Defizite im Zugang zur Therapie hin.

Barrieren beim Zugang zur Therapie

Obwohl Deutschland mit 46 zugelassenen CAR-T-Zentren über eine vergleichsweise gute geografische Abdeckung verfügt, bestehen gravierende Defizite in der Überweisung und Koordination. Laut IQVIA-Report empfinden 37 % der befragten überweisenden Ärzte den Überweisungsprozess als unklar. Es fehlt an standardisierten Abläufen und einer strukturierten Kommunikation zwischen zuweisenden Onkologen und spezialisierten Behandlungszentren.

Hinzu kommt ein Informationsdefizit: 65 % der Befragten gaben an, mehr Wissen über die CAR-T-Zell-Therapie zu benötigen, um Patienten sicher identifizieren und gezielt überweisen zu können. Diese Unsicherheit kann dazu führen, dass potenziell geeignete Patienten nicht rechtzeitig oder überhaupt nicht an ein Behandlungszentrum überwiesen werden.

Bürokratie und Kapazitätsengpässe verzögern die Behandlung

Eine weitere zentrale Herausforderung ist die Erstattungsfähigkeit. Ärzte berichten von langwierigen Einzelfallprüfungen durch die Krankenkassen, obwohl CAR-T-Produkte zugelassene Arzneimittel sind. Dies führt zu vermeidbaren Verzögerungen.

In der klinischen Praxis bedeutet dies beispielsweise, dass zwischen Indikationsstellung und Infusion in manchen Kliniken bis zu drei Monate vergehen - wertvolle Zeit, die den Behandlungserfolg schmälern kann.

Auch auf der Ebene der Infrastruktur gibt es Herausforderungen. Zwar hat die Zahl der Behandlungszentren zugenommen, aber Engpässe bei Intensivbetten und geschultem Personal sind nach wie vor weit verbreitet. Die Therapie erfordert ein spezialisiertes Team und eine intensive Nachsorge, was jeweils mit hohen personellen und organisatorischen Anforderungen einhergeht.

Internationaler Vergleich: Bessere Versorgung durch strukturierte Prozesse

Der Bericht zeigt auch, dass Länder wie Frankreich und Australien von strukturierten Überweisungswegen und klar definierten Versorgungsmodellen profitieren. Diese Systeme sorgen dafür, dass geeignete Patienten schneller behandelt werden. In Kanada beispielsweise beträgt die „vein-to-vein“-Zeit - also die Zeit von der Zellentnahme bis zur Reinfusion - durchschnittlich 24 Tage, in Spanien 36 Tage. Im Vergleich dazu dauert der Prozess in vielen deutschen Zentren deutlich länger.

Ein weiteres positives Beispiel ist die Einführung CAR-T-spezifischer Fortbildungsprogramme für Onkologen und Hämatologen in einigen Ländern. In Frankreich ist der Wissensstand der zuweisenden Ärzte über CAR-T signifikant höher als in Deutschland - ein Schlüsselfaktor für die frühzeitige Identifikation geeigneter Fälle.

Systematische Verbesserungen notwendig

Der Bericht nennt konkrete Ansatzpunkte, um den Zugang zu CAR-T-Zell-Therapien zu verbessern:

  • Standardisierung der Überweisungsprozesse: Etablierung klarer Protokolle zwischen zuweisenden Praxen und Behandlungszentren.
  • Aufbau nationaler Register: Um Indikationsstellung, Behandlung und Ergebnisse besser erfassen und auswerten zu können.
  • Schulungsangebote: Gezielte Informationskampagnen für Ärzte, um Unsicherheiten bei der Patientenselektion abzubauen.
  • Optimierung der Erstattungsprozesse: Verkürzung der Zulassungszeiten durch zentralisierte und vereinfachte Prüfverfahren.
  • Ausbau der Kapazitäten: Investitionen in qualifiziertes Personal und strukturelle Ressourcen in den CAR-T-Zentren.

Versorgungssystem entscheidet über Therapieerfolg

CAR-T-Zell-Therapien stehen beispielhaft für den Wandel in der Onkologie hin zu personalisierten Immuntherapien. Doch medizinischer Fortschritt allein reicht nicht aus, denn nur ein anpassungsfähiges und gut organisiertes Gesundheitssystem kann das volle Potenzial solcher Therapien nutzen. Deutschland steht vor der Herausforderung, bestehende Versorgungsengpässe konsequent abzubauen. Nur so kann sichergestellt werden, dass alle geeigneten Patienten eine faire Chance auf diese lebensrettende Therapie erhalten.

Autor:
Stand:
05.05.2025
Quelle:

IQVIA, Pressemitteilung vom 20.03.2025: „Achieving CAR T-cell Therapy Health System Readiness

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