
Hintergrund
Die Koloskopie stellt bei Darmkrebs das Mittel zur Wahl für Früherkennungsuntersuchungen bei gesetzlich Krankenversicherten mit einem Alter von über 50 Jahren dar. Aktuelle amerikanische und europäische Leitlinien empfehlen bei einer ersten negativen Koloskopie ein 10-Jahres-Intervall für die Wiederholung der Koloskopie als Früherkennungsuntersuchungen bei Personen mit durchschnittlichem Darmkrebsrisiko. Hierzu gehören alle Personen bei denen selbst kein Darmkrebs, keine Adenome oder entzündliche Darmerkrankungen bekannt sind, und auch keine Form des erblichen Darmkrebses in der Familie vorkommt.
Die wissenschaftliche Grundlage für die Vorgabe des Zeitintervalls der Koloskopie ist jedoch sehr limitiert und basiert auf Verwaltungsdaten und Krebsregistern sowie auf dem Wissen des Zeitraums der Progression von Adenomen zu Karzinomen.
Zielsetzung
Das Ziel dieser Metaanalyse war es herauszufinden, ob das Zeitintervall von zehn Jahren für die Darmkrebs-Früherkennungsuntersuchung wirklich geeignet ist oder eine Anpassung empfohlen werden muss.
Methodik
Für die Metaanalyse wurden Studien herangezogen, die Personen mit einem durchschnittlichen Darmkrebsrisiko und einer negativen Koloskopie zu Beginn nachverfolgten. Die Personen hatten wiederholte Koloskopien zu unterschiedlichen Zeitpunkten und die Entdeckungsrate relevanter Befunde musste dokumentiert sein. Drei Kategorien von Zeitintervallen zwischen Index und Follow-Up-Koloskopien wurden für die Analyse definiert: 1-5 Jahre, 5-10 Jahre und > 10 Jahre.
Ergebnisse
Insgesamt waren 28 publizierte Einzelstudien (22 Kohortenstudien, 5 Querschnittsstudien und eine Fall-Kontroll-Studie) für die Metaanalyse geeignet. Diese teilten sich den Kategorien entsprechend wie folgt auf:
- 1-5 Jahre: 17 Studien
- 5-10 Jahre: 16 Studien
- > 10 Jahre: 3 Studien
Auftreten von Darmläsionen aller Art:
Kategorie 1-5 Jahre:
- Das mediane Vorkommen von Neoplasien lag bei 21,4% und war in den einzelnen Studien mit einer Breite 4,9%-40,4% sehr heterogen.
- Die Entdeckung von fortgeschrittenen Neoplasien war hingegen mit 0,7-7,0% Entdeckungsrate in den einzelnen Studien sehr homogen und lag im Median bei 2,8%.
- Die Schätzungen lagen somit bei 20,7% (95%-Konfidenzintervall (KI) 15,8%-25,5%) bei allen aufgetretenen Darmläsionen und bei 2,8% (95%-KI 2,0%-3,7%) bei den fortgeschrittenen Läsionen.
Kategorie 5-10 Jahre:
- Das mediane Vorkommen von Neoplasien lag bei 22,4% und die Spannbreite reichte von 7,4%-41,4% in den einzelnen Studien.
- Die mediane Rate von fortgeschrittenen Neoplasien lag bei 3,6% und schwankte zwischen 0,6%-9,4% in den einzelnen Studien.
- Die Schätzungen lagen somit bei 23,0% (95%-KI 18,0%-28,0%) bzw. 3,2% (95%-KI 2,2%-4,1%) entsprechend und waren mit der Kategorie 1-5 Jahre vergleichbar.
- Die Diagnose Krebs war in dieser Kategorie sehr gering. 10 Studien zeigten keine Darmkrebsentstehung in diesem Zeitintervall und drei Studien hatten eine Prävalenz von bis zu 0,5%.
Kategorie: > 10 Jahre:
- Die drei Studien zeigten eine Prävalenz von 15,8%, 27,8% und 22,2% für Neoplasien.
- Entsprechend lag die Prävalenz für fortgeschrittene Neoplasien bei 7,5%, 8,0% und 5,6% und im Mittel bei 7,0%.
- Die Schätzungen lagen somit bei 21,9% (95%-KI 14,9%-29,0%) für alle Neoplasien bzw. 7,0% (95%-KI 5,3%-8,71%) bei den fortgeschrittenen Neoplasien.
- Lediglich in einer der drei Studien wurde Darmkrebs in 2,4% der Patienten detektiert.
Die Entdeckungsrate von Darmkrebsläsionen ist in allen drei Kategorien vergleichbar und liegt zwischen 21 und 23%. Die Prävalenz von fortgeschrittenen Neoplasien ist im Zeitintervall von 1-5 Jahren und 5-10 Jahren vergleichbar, steigt jedoch nach mehr als zehn Jahren um mehr als das Doppelte auf 7,0% an.
Fazit
Zusammenfassend zeigt diese Metaanalyse, dass das von den aktuellen Leitlinien gewählte Zeitintervall von zehn Jahren für die Wiederholung der Koloskopie als Früherkennungsuntersuchung bei Darmkrebs nach einem ersten negativen Befund geeignet ist. Die Entdeckungsrate von fortgeschrittenen Neoplasien innerhalb von zehn Jahren bei der wiederholten Koloskopie ist gering. Nur bei Personen mit einem erhöhten Darmkrebsrisiko aufgrund familiärer Vorbelastung kann eine frühere Folgeuntersuchung sinnvoll sein. Eine Aussage, ob der Zeitraum weiter verlängert werden kann, ist aufgrund der dünnen Datenlage aktuell nicht möglich.