Diagnose Darmkrebs
Die Diagnose Darmkrebs gehört zu den häufigsten Tumordiagnosen in Deutschland; jede achte Krebserkrankung betrifft den Dick- oder Mastdarm. Das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, steigt mit dem Alter und ist bei Männern insgesamt erhöht. Meist entstehen die Tumoren aus ehemals gutartigen Vorstufen, den sogenannten Darmpolypen bzw. Adenomen. Diese zu entdecken und möglichst früh entfernen zu können, ist ein Ziel der Früherkennungsuntersuchungen.
In den letzten Jahren freute man sich über die positiven Effekte der Screening-Untersuchungen: Auch ohne Risikofaktoren oder Beschwerden wird Männern ab 50 und Frauen ab 55 Jahren eine regelmäßige Darmspieglung empfohlen; bereits ab 50 Jahren sollten Patienten einen Test auf verstecktes Blut im Stuhl durchführen lassen. Seit Einführung der Vorsorgeuntersuchungen ist die Zahl der Darmkrebserkrankungen ab 55 Jahren zurückgegangen.
Neue Studie liefert aktuelle Zahlen
Eine neue österreichische Studie hat es sich zum Ziel gesetzt, alte und neue Daten zu den Inzidenzraten des kolorektalen Karzinoms und seiner Vorstufen zu analysieren.
Das Forschungsteam um Daniela Penz wertete die Daten zur Inzidenz von Adenomen, fortgeschrittenen Adenomen und serratierten Polypen von 296.170 asymptomatischen Personen in Österreich aus, die sich zwischen 2012 und 2018 einer Vorsorgekoloskopie unterzogen hatten. 11.103 Mitglieder der Studienkohorte waren dabei jünger als 50 Jahre alt. Zudem analysierte die Forschungsgruppe die Inzidenz tatsächlicher kolorektaler Karzinome anhand von statistischen Daten aus der „Statistik Austria“.
Trendwende bei jungen Männern?
Die Inzidenz kolorektaler Karzinome zeigte bei Frauen und Männern unterschiedliche Ergebnisse: Während bei Frauen unter 50 Jahren ein Rückgang der Inzidenz von Kolonkarzinomen zu beobachten war, stieg die Inzidenz bei Männern in diesem jungen Alter an.
Ab einem Alter von 50 Jahren konnte erfreulicherweise sowohl bei Männern als auch bei Frauen ein Rückgang der Darmkrebsinzidenz beobachtet werden.
Bei der Inzidenz von Adenomen war in allen Geschlechts- und Altersgruppen eine steigende Tendenz zu beobachten: Zwischen 2008 und 2018 stieg der Anteil der Personen, bei denen Adenome festgestellt wurden, in der Altersgruppe der unter 50-Jährigen von 12,4% auf 14,1%, bei den älteren Patienten ab 50 Jahren sogar von 21,8% auf 28,2%.
Während bei den fortgeschrittenen Adenomen („advanced adenomas (AA)“) bei den Patienten unter 50 Jahren ein ähnlicher Aufwärtstrend zu beobachten war (Anstieg von 4,0% im Jahr 2008 auf 5,2% im Jahr 2018), nahm die Inzidenz der fortgeschrittenen Adenome bei Patienten ab 50 Jahren ab (Rückgang von 7,3% im Jahr 2008 auf 6,8% im Jahr 2018).
Bereits in ihrer Publikation diskutieren die Autoren der Studie ihr Ergebnis und vermuten, dass der Anstieg der Adenom-Inzidenz zumindest teilweise mit der steigenden Qualität der Vorsorgeuntersuchungen zusammenhängen könnte.
Anpassung der Screening-Empfehlungen?
Auf der Grundlage ihrer Daten empfehlen die Autoren eine Senkung des Screening-Alters bei Männern auf 40 Jahre, während sie für Frauen einen Screening-Start im Alter von ca. 55 Jahren empfehlen.
Zudem ist es wichtig, die Hintergründe der sich verändernden Trends aufzuklären. Die Unterschiede der Zahlen zwischen Männern und Frauen sind bemerkenswert. Es ist bekannt, dass neben erblichen Erkrankungen Faktoren wie Tabak- und Alkoholkonsum, Übergewicht sowie fleischreiche und ballaststoffarme Ernährung eindeutige Risikofaktoren für das kolorektale Karzinom darstellen. Was jedoch fehlt, sind gezielte Aufklärungskampagnen und Lebensstilinterventionen, um vor allem der Zunahme von Darmkrebs bei jungen Männern entgegenzuwirken [1].








