Tastuntersuchung ungeeignet für das Screening auf Prostatakrebs

Forscher des DKFZ raten von der Verwendung der digitalen rektalen Untersuchung zur Früherkennung von Prostatakrebs ab. Der Test hatte sich in der PROBASE-Studie als wenig empfindlich erwiesen. Die Falsch-Positiv-Rate war hoch.

Flop

Stand der Vorsorge beim Prostatakarzinom

Prostatakrebs ist bei Männern die häufigste Krebserkrankung und die zweithäufigste Krebstodesursache. Wirksame Vorsorgestrategie für die Erkrankung werden nach wie vor diskutiert.

Seit 1971 enthält das „Deutsche Gesetzliche Früherkennungsprogramm“ für Prostatakrebs die jährliche Durchführung einer digitalen rektalen Untersuchung (DRE) als eigenständigen Screening-Test auf Prostatakrebs bei über 45-Jährigen. Außerhalb Deutschlands ist die DRE Teil klinischer Risikobewertungstests wie dem Risikorechner der European Randomized Study of Screening for Prostate Cancer (ERSPC) oder wird als ergänzender Screening-Test verwendet, beispielsweise zusätzlich zum Test auf das prostataspezifische Antigen (PSA).

Die diagnostische Leistung der DRE zum Nachweis von Prostatakrebs gilt im Allgemeinen als schlecht, es liegen jedoch nur wenige Daten zur DRE-Leistung bei jüngeren Männern vor.

PROBASE-Studie: Vorsorge verbessern

Mithilfe der bevölkerungsbasierten, randomisierten PROBASE-Studie (ISRCTN37591328), die an mehreren deutschen Zentren durchgeführt wird, wollen Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) eine Prostatakrebs-Vorsorgestrategie entwerfen, mit der aggressive, behandlungspflichtige Prostatakarzinome rechtzeitig entdeckt werden und das Problem der Überdiagnostik bei populationsbezogenen Screenings deutlich reduziert wird [1,2,3].

In die Studie wurden seit 2014 mehr als >46.000 Männer im Alter von 45 Jahren aufgenommen. Im Studienarm A durchlaufen die Männer ein risikoadaptiertes PSA-basiertes Screeningprogramm. Im Studienarm B erhalten die Probanden eine Tastuntersuchung und erst ab dem 50. Lebensjahr wird der PSA-Wert bestimmt.

Bestimmung der diagnostischen Leistung der DRE

Im Studienarm B bewerteten die Wissenschaftler die Leistung der DRE bei der Früherkennung oder Diagnose von Prostatakrebs bei jüngeren Männern und publizierten die Ergebnisse kürzlich im European Journal of Urology Oncology [4].

In diesem Studienarm hatten sich insgesamt 6.537 Männer im Alter von 45 Jahren einer DRE unterzogen. Bei Männern mit einem verdächtigen DRE-Befund wurden weitere diagnostische Maßnahmen durchgeführt. Prostatakrebs wurde anhand einer PSA-gesteuerten Biopsie (n=578) betätigt. Ein Großteil der DRE-negativ getesteten Männer nahm fünf Jahre später an einem ersten geplanten PSA-Screening-Test teil. Die DRE war auch Teil der diagnostischen Abklärung bei PSA-gesteuerten Biopsien.

Geringe Empfindlichkeit, hohe Falsch-Positiv-Rate

Bei 57 Männern (<1 % der getesteten Männer) fielen verdächtige Befunde auf. Drei Prostatakrebserkrankungen wurden bestätigt. Die Erkennungsrate durch DRE betrug 0,05% (3 von 6.537 Verdachtsfällen). Mittels PSA-Screening war die Erkennungsrate vierfach höher (48 von 23.301 Verdachtsfällen, 0,21%).

Die Richtig-Positiv-Erkennungsrate nach DRE im Vergleich zum Screening mittels PSA betrug 0,22. Die Falsch-Positiv-Erkennungsrate durch DRE betrug 2,2.
86% der beim PSA-Screening erfassten Verdachtsfälle hatten einen unauffälligen Tastbefund (Sensitivität im Vergleich zum PSA-Test: 14%). Dabei fand sich die Mehrzahl dieser Tumoren (86%) in potenziell zugänglichen Zonen der Prostata.

DRE durch PSA-Test und MRT ersetzen

Die Analyse zeigt die schlechte diagnostische Leistung der DRE bei der Früherkennung von Prostatakrebs bei jungen Männern. Daher sollte die DRE nicht mehr als Screening-Test zum Einsatz kommen, stellten die Studienautoren fest. Außerdem verbesserte die DRE in der Studie die Detektion von Prostatakrebsfällen im Rahmen des PSA-Screenings nicht.

Studienleiter Professor Peter Albers, Direktor der Urologischen Universitätsklinik Düsseldorf und Forschungsleiter am DKFZ, empfiehlt: „Der PSA-Test hat sich in großen randomisierten Studien als eindeutig überlegen erwiesen. Wir sollten mit großem Nachdruck eine risikoadaptierte, bevölkerungsweite Einführung vorbereiten, die bei abklärungsbedürftigen Befunden die Möglichkeit einer Untersuchung mit Magnetresonanztomographie (MRT) beinhaltet [5]."

Autor:
Stand:
24.10.2023
Quelle:
  1. Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), PROBASE Study
  2. Arsov et al. (2022): A randomized trial of risk-adapted screening for prostate cancer in young men—Results of the first screening round of the PROBASE trial. International Journal of Cancer, DOI: 10.1002/ijc.33940
  3. Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Pressemeldung, 31. März 2022
  4. Krilaviciute (2023): Digital rectal examination is not a useful screening test for prostate cancer. European Journal of Urology Oncology, DOI: 10.1016/j.euo.2023.09.008
  5. Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Pressemeldung, 09. Oktober 2023
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