Überlebende von malignen Tumoren in der Kindheit sind trotz überstandener Erkrankung einem erhöhten Risiko weiterer Komorbiditäten ausgesetzt. Sie zeigen in ihrem Leben eine höhere Rate an chronischen Erkrankungen (CE) und allgemein eine erhöhte Sterblichkeit, die eher der einer älteren Population entspricht. Dies legt die Theorie nahe, dass eine frühe Krebserkrankung mit einer Beschleunigung des Altersprozesses assoziiert sein könnte.
Epigenetische Altersbeschleunigung
Seit der Entdeckung der epigenetischen Uhr im Jahr 2013 besteht eine neue Methode das epigenetische Alter (EA) eines Patienten zu bestimmen. Diese Methode misst anhand des Methylierungsmusters der DNA das biologische Alter des Menschen. Das so berechnete Alter entspricht bei gesunden Menschen relativ genau dem chronologischen Alter.
Studien zeigten, dass die Beschleunigung des epigenetischen Alters (EAA) ein Prädiktor für Krebs- oder kardiovaskuläre Erkrankungen sein könnte. Andersherum könnten jedoch auch frühere Expositionen von Noxen zu einer EAA führen und dies kann wiederum ein Risikofaktor sein.
Wie verändert sich das epigenetische Alter bei jungen Krebspatienten?
Dem Zusammenhang zwischen einer früheren Krebserkrankung in der Kindheit und einer möglichen EAA bzw. daraus resultierenden Morbiditäten wollten Forscher des St. Jude Research Hospital in Tennesee, USA nach gehen. Sie untersuchten, inwiefern sich das EA und die EAA bei früheren Krebspatienten im Alter ändern, und wie dies mit einer frühen Übergewichtigkeit und chronischen Erkrankungen zusammenhängt.
Daten einer Lifetime Kohorte
Die Forscher verwendeten in dieser retrospektiven Studie Daten der St. Jude Lifetime Kohorte, einer seit 2007 bestehenden Datensammlung mit durchgehendem Follow-Up von Krebspatienten, deren Blut auf DNA-Methylierung untersucht wurde. Es wurde das epigenetische Alter und dessen Beschleunigung von jungen mit älteren Überlebenden verglichen.
Die Teilnehmer wurden in fünf Altersgruppen, basierend auf dem chronologischen Alter, eingeteilt. In dieser Studie wurden ausschließlich Patienten europäischer Herkunft eingeschlossen.
Das epigenetische Alter wurde meist anhand der Levine Clock bestimmt. Als primärer Endpunkt galt die daraus berechnete Altersbeschleunigung der Altersgruppen im Vergleich. Zudem wurde der Schweregrad der chronischen Erkrankungen anhand nationaler Richtlinien in Kategorien eingeteilt und ein früh einsetzendes Übergewicht als ein Grad zwei oder drei vor dem 20. Lebensjahr.
Ergebnisse
Insgesamt wurden 2.846 Patienten in die Studie aufgenommen, ungefähr gleich viele männlich wie weiblich, mit einem durchschnittlichen Alter von 30,3 Jahren.
Die jährliche EAA sank unter den Altersgruppen kontinuierlich, mit den höchsten Werten bei Kindern, die die Erkrankung erst kürzlich überstanden hatten. So lag diese Änderung bei Kindern (0 bis 9 Jahre) bei 1,63 EA-Jahren pro chronologischem Lebensjahr und im Vergleich dazu bei Erwachsenen mittleren Alters (35 bis 49 Jahre) bei 0,83 Jahren.
Frühe Übergewichtigkeit und chronische Erkrankungen
Von 530 Patienten, deren EAA vor dem 20. Lebensjahr gemessen wurde, litten 219 Patienten an Übergewicht. Hierbei erkannten die Forscher einen Zusammenhang mit der Levine-EAA. Pro Standardabweichung der EAA stieg das Risiko einer frühen Übergewichtigkeit um 46% (Odds Ratio: 1,46).
Insgesamt litten 1.652 Patienten an einer schweren chronischen Erkrankung und 658 an einer leichten. In diesem Endpunkt konnte ebenfalls ein positiver Zusammenhang zu der berechneten Levine-EAA erkannt werden. Pro Standardabweichung der EAA stieg das Risiko einer schweren chronischen Erkrankung um 13% (Odds Ratio: 1,13).
Insgesamt zeigten Patienten, mit einer erhöhten EAA eine gesteigerte Rate an Komorbiditäten.
Die epigenetische Altersbeschleunigung als Risikoindikator
Die Daten dieser Studie konnten zeigen, dass die Beschleunigung des epigenetischen Altersprozesses gerade bei Kindern, die kürzlich eine maligne Tumorerkrankung überstanden haben, erhöht sein kann. Diese erhöhte EAA ist wiederum mit der Entwicklung einer frühen Übergewichtigkeit und schwerwiegenden chronischen Erkrankungen assoziiert.
Somit könnte ein Screening des EAA bei dieser Patientengruppe dabei helfen, Patienten mit einem erhöhten Risiko zu identifizieren und eine geeignete Therapie bzw. Prävention einzuleiten.
Limitationen
Diese Studie weist jedoch Limitationen auf. Zum einen wurden die EA- und EAA-Werte als Querschnitt berechnet, also nicht mehrmals pro Individuum. Zum anderen wurden keine weiteren Risikofaktoren der Endpunkte mit einbezogen, wobei gerade bei der Übergewichtigkeit viele verschiedene Einflüsse entscheidend sind. Außerdem ist die ausschließlich europäische Herkunft der Studienpopulation nicht für die Gesamtbevölkerung repräsentativ.









