Erhöhte Mortalität bei Krebspatienten mit Ernährungsunsicherheit belegt

Eine aktuelle Kohortenstudie aus den USA zeigt: Eingeschränkter Zugang zu gesunder Ernährung ist bei Krebsüberlebenden insgesamt mit einer erhöhten Gesamtmortalität assoziiert – insbesondere bei Patienten ohne staatliche Unterstützung oder mit mittlerem bis hohem Einkommen.

Vegetarische Ernährung

Trotz erheblicher Fortschritte in der onkologischen Versorgung bleibt die Langzeitprognose vieler Krebspatienten durch sozioökonomische Determinanten stark beeinflusst. In den USA sind laut US-Landwirtschaftsministerium (USDA) rund 40 Millionen Menschen von Ernährungsunsicherheit (food insecurity) betroffen. Betroffene haben oft eingeschränkten Zugang zu gesunden, nährstoffreichen Lebensmitteln, was sich nachweislich negativ auf chronische Krankheiten auswirkt – darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und bestimmte Karzinome.

Ein bislang wenig beachteter Aspekt ist die Assoziation zwischen Ernährungsunsicherheit und Mortalität bei Krebsüberlebenden. Genau dieser Zusammenhang wurde nun in einer aktuellen, groß angelegten Kohortenstudie der Perelman School of Medicine an der University of Pennsylvania untersucht, deren Ergebnisse im JAMA Health Forum veröffentlicht wurden. Dabei wurde besonderes Augenmerk auf einkommensspezifische Unterschiede und die Rolle staatlicher Unterstützungsprogramme gelegt.

Nationale Kohortenanalyse und standardisierte Erhebung der Ernährungsunsicherheit

Die Analyse basierte auf Daten der US-amerikanischen National Health Interview Survey (NHIS) 2011–2012, die mit dem National Death Index bis Ende 2019 verknüpft wurden. Eingeschlossen wurden 5.603 Erwachsene ab 40 Jahren mit bestätigter Krebsvorgeschichte und vollständigen Angaben zur Ernährungsunsicherheit.

Diese wurde anhand einer validierten 10-Punkte-Skala bewertet. Als „ernährungsunsicher“ galt ein Score von ≥3, entsprechend den USDA-Richtlinien.

Primäre Endpunkte waren die krebsbedingte Mortalität (ICD-10: C00–C97) sowie die Gesamtmortalität. Zur Risikoabschätzung wurden Cox-Proportional-Hazards-Modelle verwendet, angepasst unter anderem an Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Einkommen, Body-Mass-Index (BMI), Komorbiditäten, Tabak- und Alkoholkonsum, geographische Region und Erhebungsjahr.

Wer keine Hilfe erhält, lebt gefährlicher – auch mit höherem Einkommen

10,3 % der untersuchten Patienten waren von Ernährungsunsicherheit betroffen. In der multivariaten Analyse zeigte sich eine deutliche Assoziation mit erhöhter Gesamtmortalität (HR: 1,28; 95 %-KI: 1,07–1,53), nicht jedoch mit der spezifischen Krebstodesrate.

In Subgruppenanalysen ergab sich jedoch ein differenzierteres Bild: Bei Personen mit einem Haushaltseinkommen von ≥200 % des US-Armutsgrenzwerts war ein eingeschränkter Zugang zu gesunder Ernährung sowohl mit einer erhöhten Gesamtmortalität (HR: 1,89; 95 %-KI: 1,34–2,68) als auch mit einer erhöhten krebsbedingten Mortalität (HR: 1,93; 95 %-KI: 1,18–3,15) assoziiert.

Besonders auffällig war der Unterschied bei Patienten, die keine staatliche Ernährungshilfe erhielten: Hier war Ernährungsunsicherheit ebenfalls mit einer erhöhten Gesamtmortalität (HR: 1,42; 95 %-KI: 1,14–1,76) und krebsbezogener Mortalität (HR: 1,42; 95 %-KI: 1,00–2,01) verbunden.

Für Patienten mit einem Einkommen unterhalb der Armutsgrenze oder mit Teilnahme an staatlichen Hilfsprogrammen ließ sich hingegen keine signifikante Assoziation zur Sterblichkeit feststellen.

Fazit: Eingeschränkter Zugang zu gesunder Ernährung beeinflusst onkologische Langzeitprognose

Die Studienergebnisse verdeutlichen, dass Ernährungsunsicherheit über verschiedene physiologische und psychosoziale Mechanismen mit einer erhöhten Mortalität bei Krebsüberlebenden assoziiert ist. Energie- und nährstoffarme Kost, Mikronährstoffmangel und die häufige Aufnahme billiger, potenziell karzinogener Lebensmittel gelten als relevante Risikofaktoren. Zusätzlich kann die finanzielle Belastung durch eine Krebserkrankung die Therapieadhärenz beeinträchtigen – ein häufiges Szenario bei betroffenen Patienten mit unzureichender Lebensmittelverfügbarkeit.

Auffällig ist, dass insbesondere einkommensstärkere Haushalte, die nicht für staatliche Programme wie SNAP (Supplemental Nutrition Assistance Program) oder WIC (Special Supplemental Nutrition Program for Women, Infants, and Children) infrage kommen, signifikant betroffen sind. In diesen Fällen existiert kein kompensierender sozialer Ausgleichsmechanismus.

Die Autoren sprechen sich daher für eine Erweiterung der Einkommensgrenzen bestehender Unterstützungsprogramme sowie für die systematische Implementierung von Screenings auf Ernährungsunsicherheit im Rahmen der onkologischen Versorgung aus.

Autor:
Stand:
04.08.2025
Quelle:

Lin, J. C. et al. (2025): Mortality Outcomes for Survivors of Cancer With Food Insecurity in the US. June 2025JAMA Health Forum, DOI: 10.1001/jamahealthforum.2025.1381.

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
Orphan Disease Finder
Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen: