HNSCC: prognostischer Faktor FFMI

Viele Patienten mit Plattenepithelkarzinomen des Kopfes und des Halses (HNSCC; Head and Neck Squamous Cell Carcinoma) sind zum Diagnosezeitpunkt mangelernährt. Eine aktuelle Studie untersuchte, wie der prätherapeutische Body-Mass-Index und der Fettfreie-Masse-Index (FFMI) mit frühen Todesfällen korrelierte und ob diese Parameter sinnvolle Prognosemarker sind.

Analyse Lupe

Malnutrition - ein Problem bei Kopf-Hals-Tumorpatienten

Kopf-Hals-Tumore sind ein globales Gesundheitsproblem und für etwa 330.000 Todesfälle weltweit jährlich verantwortlich. Die frühen Todesfälle nach der Diagnosestellung sind bei den Kopf-Hals-Tumoren ein signifikantes Problem. So versterben etwa 10% der Patienten innerhalb der ersten sechs Monate. Ursächlich sind hierfür patienten-, krebs- und behandlungsbezogene Faktoren, wie beispielsweise eine Malnutrition.

Eine hohe Anzahl der Kopf-Hals-Tumorpatienten hat bereits zum Diagnosezeitpunkt ein erhöhtes Risiko für eine Malnutrition. Ein schlechter Ernährungsstatus führt zu einem Verlust an Skelettmuskulatur und kann in Kombination mit low-grade Entzündungen zu einer krebsbezogenen Kachexie und erhöhter Mortalität führen.

Messung der Körpermassezusammensetzung durch BIA

Anhalte für den Ernährungsstatus können über die Messung der Zusammensetzung der Körpermasse mittels der nichtinvasiven bioelektrischen Impedanzanalyse (BIA) gewonnen werden. Hierdurch kann der Fettfreie-Masse-Index (FFMI) ermittelt werden.

Bekannte Risikofaktoren für einen niedrigen FFMI sind unter anderem eine geringe Nährstoffaufnahmeaufnahme, ein sitzender Lebensstil und Alkoholabusus.

Welche Ernährungsparameter korrelieren mit Prognose bei HNSCC?

Eine Studie untersuchte kürzlich, ob der prätherapeutische Body-Mass-Index (BMI) sowie der FFMI mit frühen Todesfällen nach dem Behandlungsbeginn bei Kopf-Hals-Tumoren korrelierte. In die prospektive Studie wurden 404 Patienten mit einem neu diagnostizierten HNSCC eingeschlossen. Das durchschnittliche Alter der Patienten betrug 63 Jahre. 71% der Patienten waren männlich und 29% weiblich.

BMI-Verlust vor Diagnosestellung höher bei fortgeschrittenen Tumoren

Patienten mit fortgeschritteneren Tumoren zeigten einen höheren Gewichts- und BMI-Verlust im Vergleich zu denen der Stadien I und II (2,7 kg versus 1,4 kg [p=0,006] und 0,89kg/m2 versus 0,48kg/m2 [p=0,005]).

Gewichtsverlust vor Diagnosestellung korrelierte mit Therapieversagen

Der Gewichtsverlust während der sechs Monate vor der Diagnosestellung war mit einem Therapieversagen, jedoch nicht mit dem Überleben assoziiert. Die Studienautoren vermuten daher, dass ein Gewichtsverlust während des Follow-Ups ein frühes Warnzeichen für ein Rezidiv sein könnte.

Malnutrition zum Diagnosezeitpunkt korrelierte mit Nichtansprechen auf Therapie

19,6% der Patienten sprachen innerhalb des ersten Jahres nicht auf die Behandlung an. Von diesen befanden sich 73% im Stadium III-IV bzw. 27% in den Stadien I-II. Sowohl der Gewichtsverlust als auch die BMI-Abnahme während der sechs Monate vor der Diagnose waren bei den Patienten, die nicht auf die Behandlung ansprachen, höher (p=0,005; p=0,004). Das Nichtansprechen auf die Behandlung korrelierte mit dem Vorhandensein einer Malnutrition entsprechend der Global Leadership Initiative on Malnutrition (GLIM) zum Diagnosezeitpunkt (p=0,002).

Prätherapeutischer FFMI-Prädiktor für Versterben

Der FFMI zum Diagnosezeitpunkt war niedriger bei den Patienten, die innerhalb von sechs bis zwölf Monaten nach Behandlungsbeginn starben im Vergleich zu den Patienten, die während dieser Zeitpunkte überlebten (p=0,035; p=0,005).

Weitere Analysen zeigten, dass ein niedriger FFMI ein unabhängiger prognostischer Faktor für ein frühes Versterben nach der Beendigung der Therapie war (p<0,001). Interessanterweise war der prätherapeutische BMI kein unabhängiger Risikofaktor.

Der FFMI könnte also genutzt werden, HNSCC-Patienten zu identifizieren, die ein erhöhtes Risiko für einen frühzeitigen Tod haben.

Geschlecht, Alter und Gewichtsverlust als Risikofaktoren für FFMI

In der Studie wurden als signifikante unabhängige Risikofaktoren für einen niedrigen FFMI zum Diagnosezeitpunkt das weibliche Geschlecht, ein höheres Lebensalter sowie der Gewichtsverlust während den sechs Monaten vor Diagnose gefunden (p<0,001; p<0,001; p=0,018).

Empfehlung: BIA als Standardprozedere bei HNSCC

Die Studienautoren empfehlen auf Grund der Studienergebnisse die Durchführung einer BIA zur Ermittlung des Ernährungsstatus als Standardprozedere bei HNSCC-Patienten. Die Patienten, die hierdurch als mangelernährt auffallen, sollten für eine aktive physikalische Therapie und Ernährungsberatung in Erwägung gezogen werden.

Die Studie ist bei ClinicalTrials.gov unter der Nummer NCT03343236 registriert.

Autor:
Stand:
05.05.2024
Quelle:

Talani et al. (2023): Pretreatment fat-free mass index correlates with earlydeath in patients with head and neck squamous cellcarcinoma. Head&Neck, DOI: https://doi.org/10.1002/hed.27628

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