HPV: Impfraten durch Angebote an Schulen erhöht

Die Ergebnisse der randomisierten Clusterstudie PrevHPV legen nahe, dass die Impfung in der Schule ein nützliches Instrument ist, um die HPV-Impfrate zu erhöhen.

Arzt impft gegen HPV

HPV-Impfraten oft nicht zufriedenstellend

Die Infektion mit dem humanen Papillomavirus (HPV) ist die häufigste Virusinfektion des Fortpflanzungstrakts und von großer Bedeutung für das Gesundheitswesen. Je nach HPV-Genotyp können anhaltende HPV-Infektionen anogenitale Warzen, präkanzeröse Läsionen des Gebärmutterhalses, der Vagina, der Vulva, des Anus, des Penis sowie des Kopfes und Halses verursachen. Häufig entwickelt sich eine Krebserkrankung.

Der Impfstoff gegen HPV ist sicher und wirksam. Seit 2006 ist die HPV-Impfung in den meisten Ländern mit hohem Einkommen in die Impfpläne integriert. Dennoch bleibt die Durchimpfungsrate in vielen Ländern unter den gesetzten Zielen. In Frankreich war sie immer niedriger als in den meisten anderen Ländern mit hohem Einkommen.

PrevHPV: Aktionsprogramm mit drei Komponenten entwickelt

Um die Impfraten zu verbessern, initiierten die französischen Gesundheitsbehörden im Jahr 2018 das nationale PrevHPV-Forschungsprogramm. Darin wurden in Zusammenarbeit von Wissenschaftlern, Jugendlichen, Eltern, Schulpersonal und Angehörigen der Gesundheitsberufe folgende Komponenten identifiziert, die die Durchimpfungsrate verbessern sollten [1]:

(1) Die Bildung und Motivation von Jugendlichen und Eltern mithilfe von eHealth-Tools (Webkonferenzen, Videos und Videospielen) und partizipatives Lernen in der Schule

(2) E-Learning zu HPV für Allgemeinmediziner, einschließlich motivierender Gesprächstechniken und Bereitstellung eines Hilfsinstruments für die Entscheidungsfindung

(3) Leichterer Zugang zur Impfung durch Impftage, die in den Räumlichkeiten von Mittelschulen organisiert werden, um einen kostenlosen Beginn der HPV-Impfung anzubieten

Wie wirksam ist eine schul- und hausärztliche Mehrkomponenten-Intervention?

Wissenschaftler überprüften die Wirksamkeit dieser drei Interventionsoptionen auf die HPV-Durchimpfungsrate in einer multizentrischen randomisierten kontrollierten Clusterstudie mit einem unvollständigen faktoriellen Design (NCT 04945655). Dazu wurden zwischen dem 1. Juli 2021 und dem 30. April 2022 jede der oben beschriebenen Komponente allein oder in Kombination in französischen Gemeinden umgesetzt. Kürzlich erschien ein Artikel über die Ergebnisse der Studie im Fachblatt JAMA Network Open [2].

Teilnehmende Gemeinden, Ärzte und Jugendliche

Erstautorin Dr. Nathalie Thilly, die an der Université de Lorraine, in Nancy, und an der Université Paris Cité, in Paris arbeitet, und ihre Kollegen werteten Daten von insgesamt 91 teilnehmenden Gemeinden und 30.739 Jugendlichen im Alter von 11 bis 14 Jahren (15.876 Jungen und 14.863 Mädchen) aus.

Die Hälfte der Gemeinden war den beiden untersten sozioökonomischen Quintilen zugeordnet. Der Zugang zu Hausärzten war in mehr als zwei Dritteln der Gemeinden schlecht. 62,3% der Schulen führten Maßnahmen durch und 57,8% der Gemeinden hatten mindestens einen ausgebildeten Hausarzt.

Signifikante Steigerung der Durchimpfungsrate

Die mittlere Durchimpfungsrate war zwei Monate nach dem Ende der Interventionen um 4,0 Prozentpunkte auf 14,2 Prozentpunkte angestiegen. Die Impfung in der Schule erhöhte die Durchimpfungsrate signifikant um 5,50 Prozentpunkte.

Die Bildung und Motivation der Jugendlichen und die Ausbildung der Hausärzte zeigte jedoch keinen Effekt (-0,08 und -1,46 Prozentpunkte). Allerdings wiesen die Autoren darauf hin, dass in beiden Fällen finanzielle Aspekte die Ergebnisse verzerrt haben könnten. Die Impfung in der Schule war kostenlos, während Familien von Jugendlichen, die von Hausärzten geimpft wurden, eine Zuzahlung leisten mussten, wenn sie keine Zusatzkrankenversicherung hatten.

Subgruppenanalysen zeigten keine Unterschiede in der Wirksamkeit der Schulimpfung zwischen den Geschlechtern. Auch beeinflusste das sozioökonomische Niveau der Gemeinde den Effekt nicht. Allerdings war bei einem schlechten Zugang zur hausärztlichen Versorgung der Effekt der Impfung in der Schule höher (8,62 Prozentpunkte vs. 2,13 Prozentpunkte; P = 0,007).

Schulimpfung eingeführt

Im Februar 2023, nach dem Ende der PrevHPV-Studie, kündigte die französische Regierung an, dass ab Herbst 2023 allen Schülern der 7. Klasse beide Dosen des HPV-Impfstoffs in der Schule kostenlos angeboten werden. Vorläufigen Berichten zufolge sollen etwa 10% der Schüler die erste Dosis erhalten haben. Immer wieder sollen unbegründete Bedenken hinsichtlich der Impfstoffsicherheit geäußert werden.

Autor:
Stand:
01.07.2024
Quelle:
  1. Bocquier et al. (2023): Co-development of a school-based and primary care-based multicomponent intervention to improve HPV vaccine coverage amongst French adolescents (the PrevHPV study). Health Expectations, DOI: 10.1111/hex.13778
  2. Thilly et al. (2024): Effectiveness of a school- and primary care-based HPV vaccination intervention - the PrevHPV cluster randomized trial. JAMA Network Open, DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2024.11938
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