ASCO 2025: Strukturiertes Training verbessert das Überleben beim Kolonkarzinom

Beobachtungsstudien belegen, dass körperliche Aktivität Krebsinzidenz und Krebsmortalität senken kann. Für das resektable Kolonkarzinom zeigt ein RCT jetzt, dass ein regelmäßiges Training als Adjuvanz sogar ähnlich effektiv ist wie systemische adjuvante Therapien.

Aktive Senioren

Ein strukturiertes, drei Jahre lang begleitetes Training mit dem Ziel einer deutlichen Steigerung der körperlichen Aktivität kann das krankheitsfreie Überleben (engl. disease-free survival, DFS) und das Gesamtüberleben (engl. overall survival, OS) von Patienten mit reseziertem Kolonkarzinom im Stadium III oder im Stadium II mit hohem Rezidivrisiko signifikant verbessern, berichtete Professor Dr. Christopher M. Booth von der Queen’s Universität in Kingston, Kanada. Die sogenannte Number Needed to Treat (NNT) um einen Rückfall, ein Zweitkarzinom oder einen Todesfall innerhalb von fünf Jahren zu verhindern, liegt bei 16 Patienten, die adjuvant mit dem strukturierten Trainingsprogramm behandelt werden. Um einen Todesfall innerhalb von acht Jahren zu vermeiden, liegt die NNT bei 14.

CHALLENGE-Studie

Basis für diese Effektivitätsdaten ist die randomisiert-kontrollierte Studie (engl. randomized controlled trial, RCT) CHALLENGE. In die Studie eingeschlossen wurden Patienten mit reseziertem Kolonkarzinom im Stadium III oder im Stadium II mit hohem Rezidivrisiko, die eine adjuvante Chemotherapie in den letzten zwei bis sechs Monaten abgeschlossen hatten. Nach einem Basistest zur Fitness wurden sie in zwei Gruppen randomisiert. In der Kontrollgruppe erhielten die Patienten eine Broschüre mit Hinweisen zu einem gesundheitsförderlichen Lebensstil. Der Interventionsgruppe wurde zusätzlich ein strukturiertes Trainingsprogramm mit einem persönlichen und App-gestützten Coaching über drei Jahre angeboten. Ziel war, die körperliche Aktivität gegenüber dem Ausgangswert um 10 MET/Stunde in der Woche zu erhöhen. Das entspricht etwa drei- bis viermal wöchentlichem schnellen Gehen über 45 bis 60 Minuten, erläuterte Booth. Das Übungsangebot wurde den persönlichen Vorlieben angepasst und es gab regelmäßige Kontakte zum persönlichen Coach. Primärer Endpunkt war das DFS als gut belegtes Surrogat für das OS beim Kolonkarzinom. Als Ereignisse wurden ein Lokal- oder Fernrezidiv des Kolonkarzinoms, ein neues kolorektales Karzinom, ein anderes Zweitmalignom oder der Tod gewertet.

Programm führt zur Steigerung der Aktivität

Das persönlich und virtuell angeleitete Übungsprogramm führte zu einer deutlichen Steigerung der wöchentlichen körperlichen Aktivität im Vergleich zur alleinigen Information über einen gesunden Lebensstil, berichtete Booth. Das galt bezüglich der selbst berichteten Aktivität, dem 6-Minuten-Gehtest, der maximalen Sauerstoffaufnahme unter Belastung und der körperlichen Funktion nach dem Fragebogen Short-Form-36. Dabei hatten nicht alle Patienten die Übungen wie geplant durchgeführt. Die Adhärenz mit dem strukturierten Trainingsprogramm lag zu Beginn bei 83 % und im letzten Jahr bei 63 %. In der Coachinggruppe kam es etwas häufiger zu muskuloskelettalen unerwünschten Ereignissen (19 % vs. 12 % in der Kontrollgruppe), ansonsten war das Training eine insgesamt sichere adjuvante Maßnahme.

DFS um 6,4 % verbessert

Der primäre Endpunkt wurde nach einer medianen Beobachtungsdauer von 95 Monaten ausgewertet. Ein DFS-Ereignis war bei 93 Patienten der Gruppe mit strukturiertem Übungsprogramm und bei 131 Patienten der Kontrollgruppe aufgetreten. Damit senkte die dreijährige Trainingsintervention das Risiko für Rezidiv, Zweitmalignom oder Tod signifikant um 28 % (Hazard Ratio [HR] 0,72; 95 % Konfidenzintervall [KI] 0,55–0,94; p=0,017). Die 5-Jahres-DFS-Rate lag in der Interventionsgruppe bei 80,3 %, in der Kontrollgruppe bei 73,9 %. Insbesondere traten bei weniger Patienten Lebermetastasen auf (16 vs. 29 Patienten der Kontrollgruppe) und die Rate der Diagnosen neuer Karzinome war verringert (5 % vs. 10 %).

Gut 7 % mehr Patienten überleben fünf Jahre

Für das OS ergab sich eine Risikoreduktion für die Interventionsgruppe von 37 % (HR 0,63; 95 % KI 0,43–0,94; p=0,022). Die 5-Jahres-OS-Rate betrug im Interventionsarm 90,3 %, im Kontrollarm 83,2 %. Der Unterschied war nicht durch eine Reduktion der kardiovaskulären Todesfälle entstanden, sondern mehrheitlich auf Todesfälle aufgrund der Darmkrebserkrankung zurückzuführen, betonte Booth. Der OS-Unterschied von 7 % nach fünf Jahren entspricht dem, wie es in vielen Zulassungsstudien mit einer neuen systemischen Therapie erreicht wurde, sagte er und nannte das angeleitete strukturierte Training mit dem Ziel einer deutlichen Steigerung der wöchentlichen körperlichen Aktivität eine First-in-Class-Adjuvanz mit klar belegtem Antikrebseffekt.

Echte adjuvante Therapie

Mit dieser Studie ist Bewegung und Sport bei Krebs nicht mehr nur eine Frage der Lebensqualität, betonte er. Die Steigerung der körperlichen Aktivität ist eine wirksame adjuvante Therapie. Die Betroffenen dürfen aber nicht mit guten Ratschlägen alleine gelassen werden. Sie benötigen ein vom Gesundheitswesen finanziertes strukturiertes, individuelles Programm und einen Coach. Das sei immer noch günstiger als viele neue medikamentöse Therapien, meinte Booth und forderte alle medizinischen Berufe auf, solche Programme zur Verhaltensänderung und Aktivitätssteigerung zu unterstützen.

Die Studie ist auf ClinicalTrials.gov unter der Nummer NCT00819208 registriert. Sie wurde von der Canadian Cancer Society, vom National Medical and Health Research Council in Australien und von Cancer Research UK finanziert. Die Studie wurde zeitgleich mit der Präsentation beim 2025 ASCO Annual Meeting im New England Journal of Medicine publiziert.

Autor:
Stand:
16.06.2025
Quelle:
  1. Prof. Dr. Christopher M. Booth: „A randomized phase III trial of the impact of a structured exercise program on disease–free survival (DFS) in stage 3 or high-risk stage 2 colon cancer: Canadian Cancer Trials Group (CCTG) CO.21 (CHALLENGE).“ LBA3510, 2025 ASCO Annual Meeting, Chicago/online, 30. Mai – 3. Juni 2025
  2. Courneya KS et al. Structured Exercise after Adjuvant Chemotherapy für Colon Cancer.  New England Journal of Medicine, DOI: 10.1056/NEJMoa2502760
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