Ein Forscherteam aus den USA analysierte die psychosozialen Auswirkungen von Krebserkrankungen und deren Behandlungen auf Überlebende. Aus den gewonnenen Erkenntnissen lassen sich Interventionen ableiten, die darauf abzielen, positive Effekte zu verstärken und negative Auswirkungen zu mindern.
Studienaufbau
Die Wissenschaftler schlossen in ihre Querschnittsstudie 509 Krebsüberlebende ein, die den PROMIS-Fragebogen zu den positiven und negativen psychosozialen Auswirkungen ihrer Erkrankung einmalig ausfüllten. Der Fragebogen umfasste vier Bereiche: Selbstkonzept, soziale Auswirkungen, Stressreaktionen und Spiritualität.
Um die Auswirkungen der Krebsdiagnose und/oder -behandlung zu erfassen, gaben die Patienten auf jede Frage zwei Antworten. Die eine berücksichtigte die Zeit vor der Krebsdiagnose und/oder -behandlung und die zweite bezog sich auf die Gegenwart. Für die Bewertung ihrer Antworten nutzten sie eine fünfstufige Skala: 0 = überhaupt nicht, 1 = ein wenig, 2 = eher, 3 = ziemlich und 4 = sehr.
Als „Krankheitsauswirkungen“ wurden die veränderten Werte von „vorher“ zu „aktuell“ definiert.
Ergebnisse
Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass die meisten Überlebenden überwiegend von stärkeren positiven als negativen Auswirkungen berichteten. Zu den positiven Veränderungen zählten eine erhöhte soziale Unterstützung und ein verbessertes spirituelles Wohlbefinden. Auf der negativen Seite berichteten die Teilnehmer hingegen von vermehrten Stressproblemen und einer Verschlechterung ihres Selbstkonzepts.
Einfluss von Alter und Geschlecht
Die Studie offenbarte altersabhängige Unterschiede in den berichteten Auswirkungen. Jüngere Überlebende berichteten sowohl von stärkeren positiven und negativen Auswirkungen im Vergleich zu älteren Überlebenden. Zudem zeigten Frauen höhere Werte bei den positiven Auswirkungen als Männer.
Überlebende mit einem höheren Bildungsniveau hatten tendenziell höhere positive Impact-Scores im sozialen Bereich. Überlebende mit einem geringeren Familieneinkommen gaben höhere negative Werte im sozialen Bereich und bei Stressreaktionen an. Die ethnische Zugehörigkeit und der Beziehungsstatus blieben ohne Einfluss auf die Ergebnisse.
Die Ergebnisse variierten mitunter je nach Krebsart. So konnten Brustkrebsüberlebende mit einer Mastektomie und Darmkrebsüberlebende mit einem Stoma ein schlechteres Körperbild haben. Die körperlichen Veränderungen beeinflussten die intimen Beziehungen einiger Patienten.
Limitationen
Die Studie unterlag einigen Einschränkungen. Nach Angaben der Forscher war die Stichprobe nicht landesweit repräsentativ, da eine Überrepräsentation gut ausgebildeter und weißer Überlebender vorlag. Ein weiterer limitierender Faktor war die Verwendung von Selbstberichten. Die Überlebenden mussten sich an ihre Wahrnehmung vor der Diagnose erinnern, was durchschnittlich 4,7 Jahre zurücklag. Dies konnte zu Verzerrungen führen.
Zudem konnten kulturelle Einflüsse und das mögliche Bestreben der Patienten, den Erwartungen ihrer Umwelt gerecht zu werden, nicht ausgeschlossen werden, was ebenfalls die Ergebnisse beeinflussen könnte. Daher sind zukünftige Studien notwendig, um die Ergebnisse zu bestätigen und zu erweitern.
Ausblick
Die Ergebnisse können dazu beitragen, individuelle Interventionen zu entwickeln, die die positiven Auswirkungen der Krebsdiagnose und -behandlung verstärken und die negativen Auswirkungen minimieren. Wenn das gelingt, könnte das die Lebensqualität der Überlebenden verbessern.








