Krebs ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache weltweit. Trotz erheblicher Fortschritte in der Therapie bleiben präventive Maßnahmen unzureichend genutzt. Rund 68 % der vorzeitigen Krebstodesfälle sind vermeidbar, wenn Risikofaktoren wie Rauchen, ungesunde Ernährung, übermäßige UV-Exposition, Alkoholkonsum und HPV-Infektionen reduziert werden.
Eine Herausforderung besteht insbesondere darin, wirksame Präventionsbotschaften an schwer erreichbare Zielgruppen zu vermitteln. Besonders junge Erwachsene konsumieren Gesundheitsinformationen bevorzugt über digitale Kanäle, insbesondere Social Media. Traditionelle Kampagnen stoßen hier an ihre Grenzen, während Influencer eine nachweislich hohe Reichweite und Glaubwürdigkeit in diesen Zielgruppen besitzen.
Virtuelle Influencer als Alternative zu herkömmlichen Gesundheitskampagnen
Influencer-Marketing wird zunehmend zur Gesundheitskommunikation genutzt. Allerdings sind Kooperationen mit etablierten Influencern teuer: Selbst mittlere Reichweiten von 10.000 bis 100.000 Followern kosten oft mehrere Tausend Euro pro Post. Die Studie von Winterstein et al. untersucht, ob KI-generierte virtuelle Influencer eine kosteneffiziente Alternative sein könnten.
Die Forschenden entwickelten die virtuelle Influencerin "Wanda" mithilfe der generativer KI Midjourney. Wanda verbreitete über Instagram Aufklärungsposts zu den fünf wichtigsten beeinflussbaren Krebsrisikofaktoren. Um die Reichweite zu maximieren, wurde ein Werbebudget von 100 € genutzt, verteilt auf zwei Strategien. Verwendet wurden zum einen zielgerichtete sowie den Instagram-Algorithmus nutzende automatisierte Werbeanzeigen.
Ergebnisse: Hohe Reichweite mit minimalem Budget
Die Kampagne erreichte innerhalb von 10 Tagen 9.902 Nutzer. Die Kosten pro erreichte Person lagen im Schnitt bei 0,013 €, mit einem Minimum von 0,006 € pro Nutzer.
Unterschiede in der Zielgruppenansprache:
- Gezieltes Targeting erreichte verstärkt junge Erwachsene (18–34 Jahre), was für die Prävention besonders relevant ist.
- Der Instagram-Algorithmus führte zu einer breiteren Altersverteilung, erreichte aber auch ältere Nutzer (35+ Jahre).
- Die beste Performance erzielte der Post zur HPV-Prävention mit 2.518 Nutzern.
Die Studie zeigt, dass KI-basierte Influencer vergleichbare Reichweiten wie klassische Influencer-Kampagnen erzielen können, jedoch zu einem Bruchteil der Kosten.
Auswirkungen auf die klinische Praxis und Forschung
Die Ergebnisse verdeutlichen das Potenzial von KI in der Prävention. Digitale Kampagnen könnten gezielt an Risikogruppen angepasst werden, um die Verbreitung evidenzbasierter Gesundheitsinformationen zu optimieren.
Dennoch sind offene Fragen zu klären:
- Langfristige Effektivität: Beeinflussen KI-Influencer tatsächlich das Verhalten der Nutzer nachhaltig?
- Interaktionsraten: Welche Art von Inhalten führt zu höherem Engagement?
- Zielgruppenorientierung: Wie werden möglichst viele relevanten Nutzer erreicht?
- Ethik und Transparenz: Müssen KI-generierte Charaktere als solche gekennzeichnet werden, um Vertrauen zu gewährleisten?
Fazit
Virtuelle Influencer könnten eine skalierbare, kosteneffiziente Ergänzung zur klassischen Krebsprävention darstellen. Die Studie zeigt, dass mit geringem finanziellem Aufwand eine beachtliche Reichweite erzielt werden kann. Zukünftige Forschung sollte untersuchen, ob solche Kampagnen langfristig zu Verhaltensänderungen führen und wie sie weiter optimiert werden können.







