Berlin. Die regelmäßige Teilnahme am Mammographie-Screening für Frauen ab 50 Jahren senkt die Brustkrebssterblichkeit um bis zu 30 Prozent. Damit erweist sich das Vorsorgeprogramm als großer Erfolg. Das belegt eine vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) präsentierte Studie der Universität Münster.
Eindeutige Ergebnisse: 20–30 % weniger Brustkrebstodesfälle
Nach Angaben des BFS sind die Ergebnisse der Studie eindeutig: Demnach sterben Frauen, die regelmäßig an dem Programm teilgenommen haben, signifikant seltener an den Folgen der Erkrankung als Nicht-Teilnehmerinnen. Die Mortalität sank demnach um 20 bis 30 Prozent. Der Effekt zeige sich stabil über die untersuchten Bundesländer und Altersgruppen.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) bezeichnete die Ergebnisse als „sehr gute Nachricht für alle Frauen in Deutschland“. Sie appelliere an alle Frauen, Einladung zum Mammographie-Screening zu nutzen. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) sagte, die Studie mit ihren guten und belastbaren Daten belege, dass das Screening sein Ziel erreicht habe, nämlich Leben zu retten.
Nutzen-Risiko-Balance des Mammographie Screenings klar positiv
Trotz der Strahlenbelastung durch Röntgenaufnahmen übersteige der gesundheitliche Gewinn der Vorsorgeuntersuchung die potenziellen Risiken bei weitem, folgert das BFS. Damit genüge das Mammographie-Screening den rechtlichen Anforderungen, die eine Strahlenbelastung durch Früherkennungsmaßnahmen nur dann erlauben, wenn diese durch eine positive Risiko-Nutzen-Abwägung gerechtfertigt ist.
14,5 Millionen Frauen im Alter zwischen 50 und 75 Jahren haben Anspruch
Das deutsche Mammographie-Screening-Programm läuft seit zwei Jahrzehnten. Es wurde 2005 für Frauen zwischen 50 bis 69 Jahren eingeführt. Seit 2009 ist die Teilnahme flächendeckend möglich. Aktuell haben nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) etwa 14,5 Millionen Frauen im Alter zwischen 50 und 75 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf eine Teilnahme.
Seit Juli 2024 ist das Screening nun auch für gut 2,5 Millionen Frauen zwischen 70 und 75 Jahren zugänglich. Diese Personengruppe wurde einbezogen, weil Studien nahelegen, dass auch diese Altersgruppe ähnlich wie die jüngeren Frauen vom Screening profitiert.
Das deutsche Mammographie-Programm ist nach BFS-Angaben das größte organisierte Screening-Programm Europas. Mehr als 400 Screening-Einheiten gewährleisten die wohnortnahe Versorgung, darunter auch mobile Röntgeneinheiten, die sogenannten „Mammobile“.
Über die Studie: Die Studie „Evaluation der Brustkrebsmortalität im deutschen Mammographie-Screening-Programm“ kombinierte zwei methodische Ansätze: Ein kassenbasierter Ansatz nutzte Abrechnungsdaten bundesweit, während der bevölkerungsbasierte Ansatz alle anspruchsberechtigten Frauen in Nordrhein-Westfalen anhand von Daten des Landeskrebsregisters erfasste. Beide Ansätze belegten übereinstimmend, dass das Screening die Brustkrebssterblichkeit um 20 bis 30 Prozent senkt.
Die Studie bestand aus vier aufeinanderfolgenden Projekten und wurde vom Bundesamt für Strahlenschutz koordiniert. Die Forschungsarbeiten wurden von der Universität Münster, dem Landeskrebsregister Nordrhein-Westfalen, dem Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) in Bremen und dem Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik (SOCIUM) der Universität Bremen durchgeführt. Finanziert wurde das Vorhaben mit rund zehn Millionen Euro durch das Bundesumweltministerium, das Bundesgesundheitsministerium und die Kooperationsgemeinschaft Mammographie. Ein Steuerungsgremium, beraten von einem unabhängigen Wissenschaftlichen Beirat, entschied über die inhaltliche Ausrichtung.








