Wesentliche Neuerungen der Leitlinie zur Psychoonkologie

Was ist neu und was hat sich geändert in der Leitlinie Psychoonkologie? Hier ein kurzer Überblick über die Neuheiten und Änderungen der im Mai 2023 herausgebrachten Leitlinie für psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung von erwachsenen Krebspatienten.

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Psychoonkologische Interventionen

Im Bereich der psychoonkologischen Interventionen wurden drei Elemente in die Leitlinie Psychoonkologie neu aufgenommen. Demnach sollen psychoonkologische E-Health-Interventionen, also digitale Gesundheitsinterventionen, zusätzlich zu persönlichen psychoonkologischen Angeboten empfohlen werden, da diese sich positiv auf die Lebensqualität auswirken können. Darüber hinaus können E-Health-Interventionen zur Reduktion psychischer Belastung, Depressivität, Angst und Fatigue beitragen.

Palliativphase und Krisenintervention

Eine weitere Neuerung stellt der Punkt spezifische psychoonkologische Interventionen in der Palliativphase dar. Dieses Angebot soll v.a. Patienten mit einer subsyndromalen Belastung oder einer Anpassungsstörung bei der Reduktion von psychischer Belastung, Angst, Depression und Fatigue helfen.

Bei dem letzten neuen Punkt in diesem Bereich handelt es sich um die Hinzunahme von psychoonkologischen Kriseninterventionen. Dieses Element umfasst sowohl die psychologische als auch die soziale und sozialrechtliche Beratung der Patienten in allen Phasen der Erkrankung.

Psychopharmakotherapie

Neu im Bereich der Psychopharmakotherapie der Leitlinie ist die Empfehlung zur Psychopharmakotherapie bei Schlafstörungen, die als Folge der psychischen Belastungen, der Nebenwirkungen der Behandlung oder als Folge der Erkrankung von Krebspatienten gehäuft vorkommen können.

Eine weitere Neuerung ist die Betrachtung besonderer Risiken von Neben- und Wechselwirkungen der Psychopharmaka mit der Krebstherapie. Auch im Hinblick auf die Psychopharmakotherapie bei Patienten mit erhöhtem Risiko für epileptische Anfälle durch ZNS-Tumore oder Metastasen wurde die Leitlinie erweitert.

Der letzte neue Punkt in diesem Bereich konzentriert sich auf das Blutungsrisiko unter zusätzlicher Gabe von Antidepressiva. Obwohl in diesem Bereich noch keine Studien vorliegen, wird empfohlen, Antidepressiva mit einer geringen Affinität zum Serotonin-Transporter einzusetzen, um das Blutungsrisiko zu minimieren.

Besonderheiten einzelner Zielgruppen

Auch der Bereich für die Besonderheiten einzelner Zielgruppen wurde um einige Empfehlungen ergänzt. Bei diesen Empfehlungen handelt es sich um die Betrachtung der spezifischen Belastung von Patienten mit Hirntumoren, von jungen erwachsenen sowie älteren Krebspatienten und darüber hinaus um die spezifische Belastung von Menschen, die mit einer Krebsdiagnose leben müssen. Auf diese Weise soll die diagnostische Abklärung der spezifischen Beeinträchtigungen hinsichtlich der individuellen psychosozialen Belastungen gewährleistet werden.

Inhaltliche Überarbeitung

Das Kapitel der künstlerischen Therapien wurde dahingehend überarbeitet, dass in der neuen Leitlinie die verschiedenen Therapieformen der Kunst-, Musik-, Tanz- und Bewegungstherapie evidenzbasiert einzeln beschrieben und voneinander getrennt aufgefasst werden. Weiterhin wurde das Kapitel der patientenzentrierten Kommunikation in dieser Ausgabe komplett neu überarbeitet.

Autor:
Stand:
18.07.2023
Quelle:

Leitlinienprogramm Onkologie: Psychoonkologie

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