Laut WHO erkranken weltweit jährlich mehr als 400.000 Menschen an einem Nierenzellkarzinom (RCC), wobei die klarzellige Variante (ccRCC) mit rund 90 % die häufigste Form bei Erwachsenen darstellt. Trotz vollständiger Resektion entwickelt etwa ein Fünftel der Patienten innerhalb von fünf Jahren ein Rezidiv.
Die derzeitige Nachsorge stützt sich auf bildgebende Verfahren wie kontrastverstärkte CT-Untersuchungen. Diese sind mit Strahlenexposition, hohen Kosten und erheblicher psychischer Belastung für die Patienten verbunden. Validierte Biomarker für eine nichtinvasive Früherkennung von Rezidiven standen bislang nicht zur Verfügung.
Prospektive multizentrische Studie untersucht Urin-Biomarker zur Rezidiverkennung
Ein internationales Forscherteam unter Leitung der Lund University in Schweden führte eine prospektive, multizentrische Kohortenstudie durch, um die Aussagekraft von Urin-Glycosaminoglykan-Profilen (GAGomes) bei der Überwachung von Patienten mit nichtmetastasiertem ccRCC nach kurativer Operation zu evaluieren. Die Ergebnisse wurden in der 'European Urology Oncology' veröffentlicht.
Die Studie schloss 134 Patienten mit einem Leibovich-Score ≥ 5 ein, rekrutiert Januar 2020 bis November 2021 in 23 Kliniken in zehn Ländern. Das Follow-up umfasste bis zu 18 Monate. Urinproben wurden vierteljährlich analysiert (GAGome-Score als Index-Test); die radiologische Bildgebung diente als Referenzstandard.
Hohe Sensitivität, starker negativer prädiktiver Wert
Zum Ende des Beobachtungszeitraums waren 16 % der Patienten rezidiviert. Der GAGome-Score erreichte eine Sensitivität von 90 % (95 %-KI: 62 – 100 %) und eine Spezifität von 51 % (95 %-KI: 30 – 71 %) gegenüber radiologisch bestätigten Rezidiven.
Der positive prädiktive Wert lag bei 26 %, der negative prädiktive Wert bei 97 %. Damit konnte ein negativer Test ein Wiederauftreten des Tumors mit sehr hoher Zuverlässigkeit ausschließen. Im Mittel wurde ein Rezidiv 4,2 Monate früher durch den GAGome-Score erkannt als mit bildgebenden Verfahren (interquartiler Bereich: 1,6–6,4 Monate). Ein Anstieg des GAGome-Scores um 10 Punkte war mit einem 1,62-fach höheren Rezidivrisiko verbunden (95 %-HDI: 1,11–2,30).
Potenzial zur Reduktion radiologischer Untersuchungen
Den Studienautoren zufolge könnte ein negativer GAGome-Score für etwa die Hälfte der Patienten eine Verlängerung der Bildgebungsintervalle ermöglichen. Nach aktuellen Leitlinien der European Association of Urology (EAU) und der American Urological Association (AUA) werden zwischen sechs und zehn CT-Untersuchungen innerhalb von fünf Jahren empfohlen. Bei Patienten mit durchgängig negativen Scores könnte die Zahl der Scans halbiert werden, was Strahlenexposition und Kosten spürbar reduzieren würde.
Ein positiver GAGome-Score bestätigte ein Rezidiv nicht zwingend (PPV 26 %), erhöhte jedoch die Wahrscheinlichkeit gegenüber der Standardrate (16 %). Für diese Patienten sollten die leitliniengerechten Bildgebungsintervalle beibehalten werden.
Bedeutung für zukünftige Forschung und klinische Anwendung
Die Urin-basierte GAGome-Analyse stellt einen vielversprechenden Ansatz zur individualisierten Nachsorge nach Resektion eines ccRCC dar. Angesichts begrenzter Spezifität und kurzer Nachbeobachtung ist die klinische Anwendbarkeit erst nach geplanter externer Validierung zu bewerten. Diese ist im Studienprogramm vorgesehen (Cohort 2 der AURORAX-0087A-Studie, NCT04006405).
Bestätigen sich die Ergebnisse, könnte der GAGome-Score eine nicht-invasive Ergänzung zur bisher bildgebungsbasierten Rezidivüberwachung darstellen und die Nachsorge von Patienten mit ccRCC nachhaltig verändern.








