Das nicht-muskelinvasive Harnblasenkarzinom (NMIBC) macht einen großen Teil aller Harnblasenkrebserkrankungen aus. Insbesondere hochgradige Tumoren erfordern engmaschige Kontrollen, um Rezidive oder Progression rechtzeitig zu erkennen. Standardmäßig erfolgen diese Nachsorgen mittels Zystoskopie – ein invasives, kostenintensives und für viele Patienten belastendes Verfahren.
Vor diesem Hintergrund prüfte eine dänische Forschungsgruppe, ob ein Wechsel zwischen Zystoskopie und einem Urin-Biomarkertest die Zahl der Eingriffe verringern kann, ohne die Erkennungsrate relevanter Tumoren zu verschlechtern.
Funktionsweise des Xpert Bladder Cancer Monitor (XBCM)
Der XBCM-Test ist ein CE-gekennzeichnetes In-vitro-Diagnostikum, das mRNA-Level spezifischer Biomarker im Urin misst: ABL1, CRH, IGF2, ANXA10 und UPK1B, die häufig in hochgradigem NMIBC exprimiert werden. Dabei handelt es sich um ein nicht-invasives molekulares Verfahren, das Tumorzellen im Urin erkennt, bevor sie möglicherweise über Zystoskopie sichtbar werden.
Ein positiver Testwert führt zu einer zeitnahen diagnostischen Abklärung, z. B. mittels Zystoskopie oder CT-Urographie, um Rezidive oder obere Harntrakt-Erkrankungen frühzeitig zu identifizieren. Der Test zeigte in früheren Studien eine hohe Sensitivität (83–91 %), eine moderate Spezifität (65–76 %) und einen sehr hohen negativen prädiktiven Wert (97–99 %) für hochgradige Tumoren.
Randomisierte Nicht-Unterlegenheitsstudie mit 392 Hochrisiko-NMIBC-Patienten
Die Untersuchung erfolgte als prospektive, multizentrische, randomisierte Nicht-Unterlegenheitsstudie und wurde an vier urologischen Zentren in Dänemark durchgeführt.
Insgesamt wurden 392 Patienten mit hochgradigem NMIBC ohne Nachweis eines Rezidivs nach initialer Therapie in zwei Gruppen randomisiert:
- Interventionsgruppe (n = 196): Wechsel zwischen Zystoskopie und Xpert® Bladder Cancer Monitor (XBCM) alle vier Monate über zwei Jahre.
- Kontrollgruppe (n = 196): Zystoskopie alle vier Monate über denselben Zeitraum.
Das mediane Alter lag bei etwa 72 Jahren; rund 83 % der Teilnehmer waren männlich. Primärer Endpunkt war das rezidivfreie Überleben in Bezug auf hochgradiges NMIBC, muskelinvasives Harnblasenkarzinom (MIBC) oder metastasiertes Urothelkarzinom. Die Studienergebnisse wurden im Fachjournal European Urology veröffentlicht.
Halbierung der Zystoskopien bei gleicher Sicherheit
Nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 24 Monaten wurden in der Kontrollgruppe 1.029 Zystoskopien und in der Interventionsgruppe 445 durchgeführt – eine Reduktion um 55 %.
Die Rezidivraten waren nahezu identisch: 12 % in der Interventionsgruppe und 11 % in der Kontrollgruppe. Hochgradige Rezidive traten bei 22 Patienten in der Interventions- und bei 21 Patienten in der Kontrollgruppe auf (Risikodifferenz: 0,08 %).
Zwei pTa-Hochrisiko-Rezidive (oberflächliche, nicht-invasive Blasentumoren in der Hochrisikokategorie) in der Interventionsgruppe wurden vom XBCM nicht erkannt.
Früherkennung teils Monate vor Zystoskopiebefund
Bei 13 von 22 Patienten mit histologisch gesichertem Hochrisiko-Rezidiv zeigte der XBCM-Test eine Positivität deutlich vor der histologischen Bestätigung – im Median 8,3 Monate früher als die Zystoskopie.
Die Sensitivität des Tests für hochgradige Tumoren betrug 91 %, die Spezifität 65 %, der positive prädiktive Wert 16 % und der negative prädiktive Wert 99 %.
Bemerkenswert ist zudem, dass in vier Fällen eine Erkrankung des oberen Harntrakts mittels CT-Urographie entdeckt wurde, nachdem der XBCM-Test positiv und die Zystoskopie sowie Urinzytologie unauffällig waren.
Fazit: Biomarker-gestützte Nachsorge reduziert Eingriffe bei gleichbleibender Tumorerkennung
Die Studie zeigt, dass der Einsatz des XBCM-Tests im Wechsel mit der Zystoskopie bei Hochrisiko-NMIBC die Zahl der Zystoskopien verringert, ohne die Detektion relevanter Rezidive zu verschlechtern.
Diese Strategie könnte perspektivisch sowohl die Belastung der Patienten als auch die Kosten der Nachsorge senken. Für eine abschließende Bewertung ist jedoch eine längere Nachbeobachtung erforderlich, um die onkologische Sicherheit dieser Vorgehensweise über einen längeren Zeitraum zu bestätigen.
Hinweis: Da in der Studie ausschließlich der XBCM untersucht wurde, lassen sich keine Aussagen zu anderen Urin-Biomarkertests ableiten.







