Perioperative Chemotherapie bei fortgeschrittenem Ösophaguskarzinom zu wenig genutzt

Eine umfangreiche Studie zeigte, dass Patienten mit Ösophaguskarzinom im Stadium II-III mit einer perioperativen Chemotherapie am längsten überlebten. Bisher wird diese Therapie jedoch seltener angewendet als andere Behandlungsoptionen.

Oesophaguskarzinom

Studien favorisieren unterschiedliche Therapieansätze beim lokal fortgeschrittenen Ösopahuskarzinom und beim Adenokarzinom 

Die Behandlung des Ösophaguskarzinoms stellt weltweit nach wie vor eine große Herausforderung dar. Histologisch finden sich überwiegend Plattenepithelkarzinome oder Adenokarzinome.

Studien belegten, dass eine perioperative Chemotherapie und eine trimodale Therapie aus Chemotherapie, Bestrahlung und Operation das Überleben verbessern. In der CROSS-Studie verbesserte die trimodale Therapie das Überleben von Patienten mit Ösophaguskarzinom im Vergleich zur alleinigen Operation signifikant. Die ESOPEC-Studie ergab, dass die perioperative Chemotherapie beim Adenokarzinom überlegen ist. Es ist jedoch unklar, ob sich diese Studienergebnisse in den Versorgungsmustern und Überlebensergebnissen der Patienten im klinischen Umfeld widerspiegeln.

Spiegeln sich die Studienbefunde in der klinischen Realität wider?

Wissenschaftler um Dr. Won Jin Jeon von der Division of Medical Oncology and Hematology an der Loma Linda University in den USA untersuchten in einer retrospektiven Kohortenstudie welche Behandlungsmodalitäten beim fortgeschrittenen Ösophaguskarzinom im klinischen Umfeld zum Einsatz kommen und mit welchen Überlebensraten diese korrelieren. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift JAMA Network Open publiziert.

Die Wissenschaftler identifizierten in der National Cancer Database über 57.000 Patienten mit Ösophaguskarzinom im klinischen Stadium II oder III, die zwischen Januar 2006 und Dezember 2020 behandelt worden waren. Das mediane Alter der Kohorte betrug 64 Jahre. 80% der Personen waren Männer. 37,9% der Patienten hatten sich einer trimodalen Therapie (neoadjuvante Radiochemotherapie [NCRT] mit anschließender Ösophagektomie), 57,1% einer definitiven Radiochemotherapie (DCRT), 4,7% einer alleinigen Strahlentherapie und 0,5% einer perioperativen Chemotherapie unterzogen.

Verbessertes Überleben durch perioperative Chemotherapie und trimodale Therapie

Sowohl die perioperative Chemotherapie als auch die trimodale Therapie verbesserten das Überleben von Patienten mit Ösophaguskarzinom im Vergleich zur alleinigen DCRT (adjustierte Hazard Ratio [AHR] 0,33; P < 0,001 bzw. 0,45; P < 0,001). Eine Strahlentherapie allein führte zu schlechteren Ergebnissen als die DCRT (AHR 1,37; P < 0,001).

Patienten, die eine perioperative Chemotherapie erhielten, hatten eine längere Überlebenszeit als Patienten, die eine DCRT erhielten (median 66,2 Monate vs. 18,1 Monate). Mit einer Überlebenszeit von 43,9 Monaten erzielten auch Patienten unter einer trimodalen Therapie einen Vorteil gegenüber der DCRT und gegenüber der alleinigen Strahlentherapie (13,5 Monate).

Auch bei Patienten über 65 Jahren zeigte die perioperative Chemotherapie die besten Ergebnisse (medianes Überleben 56,7 Monate vs. 40,1 Monate unter trimodaler Therapie). Unter alleiniger Strahlentherapie schnitten die älteren Patienten am schlechtesten ab (medianes Überleben 13,6 Monate).

Wirksamste Behandlung am wenigsten eingesetzt

„Bemerkenswert ist, dass die perioperative Chemotherapie zu wenig genutzt wurde und mit der größten Verbesserung des Überlebens verbunden war“, schrieben die Autoren. Sie vermuteten, dass dies darauf zurückzuführen sein könnte, dass Patienten mit Adenokarzinom in der Studienpopulation überrepräsentiert waren.

Autor:
Stand:
09.11.2024
Quelle:

Jeon et al. (2023): Survival and treatment patterns in stage II to III esophageal cancer. JAMA Network Open, DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2024.40568

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