Personalisierte Krebsimpfung: Impfstoff-Adjuvantien beeinflussen Wirksamkeit

Tumorimpfstoffe gewinnen in der onkologischen Therapie zunehmend an Bedeutung. Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass die Wahl des Impfstoffadjuvanz die Bildung hochwirksamer nicht-fukolysierter IgG-Antikörper maßgeblich beeinflusst.

Antikörperbildung

Impf-Adjuvantien steuern Wirksamkeit der Impfstoffe

Personalisierte Tumorimpfstoffe wie mRNA- oder Peptid-basierte Vakzinen sollen das Immunsystem so aktivieren, dass es Tumorzellen erkennt und gezielt eliminiert. Besonders vorteilhaft sind Impfstoffe, die auf die individuellen Tumormutationen zugeschnitten sind. Für eine wirksame Immunantwort sind Adjuvantien erforderlich, da sie die Aktivierung des Immunsystems fördern. Da unterschiedliche Adjuvantien unterschiedliche Immunzellen und Antikörperantworten induzieren, ist es herausfordernd, die für die jeweilige Impfung optimalen Adjuvantien zu wählen. 

Nicht-fukolysierte Antikörper besonders effektiv bei Tumorimpfung 

Um von den Abwehrzellen erkannt zu werden, markieren Antikörper die Tumorzellen. Hier beeinflusst insbesondere die Unterklassenzuordnung der Immunglobuline die Effektorfunktion. Antikörper des IgG Typs sind besonders effektiv, wenn ihnen der Zuckerbaustein Fukose fehlt. Dadurch aktivieren sie Effektorzellen wie natürliche Killerzellen besonders stark und fördern die Eliminierung von Tumorzellen. Studien untersuchen derzeit, wie herkömmliche (fukolysierte) IgG Antikörper gegen Krebs durch die effektiveren nicht-fukolysierten ersetzt werden können. 

Studie untersuchte, welche Adjuvantien zur Bildung nicht-fukolysierter IgGs führen

Die vorliegende Studie um Prof. Dr. Marc Ehlers, Arbeitsgruppenleiter Immunologie und Glykoanalytik vom Institut für Ernährungsmedizin der Universität zu Lübeck und des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, greift diese Fragestellung auf: Sie untersucht in einem Mausmodell, welche Adjuvantien zur Bildung hochwirksamer nicht-fukolysierter IgG Antikörper führen. 

Adjuvantien beeinflussten Effektivität der Impfung 

Die Forscher beobachteten signifikante Unterschiede Nur bestimmte Adjuvantien wie Poly(I:C) und eCFA, induzierten Gedächtnis B-Zellen, die bei erneutem Tumorantigenkontakt nicht-fukolysierte IgG Antikörper produzierten. Auch die Effektivität im Schutz gegen das Tumorwachstum und Metastasenbildung differierte in Abhängigkeit der verwendeten Adjuvantien. So sahen die Forscher, dass die Adjuvantien Poly(I:C), Alum-Poly(I:C), CFA und eCFA signifikant vor dem Tumorwachstum schützten. 

Bestimmte Adjuvantien könnten spezifische schützende Mechanismen auslösen

Die Induktion aktivierender IgG2 und nicht-fukosyliertem IgG1 korrelierte mit verbessertem Tumorschutz. Bezüglich der schützenden Mechanismen, vermuten die Studienautoren, dass die unterschiedlichen Adjuvantien neben den üblichen Mechanismen besondere schützende Mechanismen wie beispielsweise über NK-Zellen über eine hohe IGG2/IgG1 Subklassen Ratio, di-galatosylierten IgGs oder über Neutrophile mit galaktosylierten IgGs auslösen könnten.

Bedeutung für Impfwirkung und zukünftige klinische Ansätze

Die Studie legt nahe, dass Impfstoff-Adjuvantien so ausgewählt werden sollten, dass sie eine qualitativ hochwertige Antikörperantwort fördern. Für die klinische Praxis bedeutet dies, dass zukünftig bei Impfstoffdesign und -entwicklung diese Parameter berücksichtigt werden sollten. Weitere Studien sind erforderlich, um diese Ergebnisse zu validieren und klinisch nutzbar zu machen.

Autor:
Stand:
10.11.2025
Quelle:
  1. Lehrian et al. (2025): Anti-tumor vaccine efficacy depends on adjuvant type and associates with induced IgG subclass and glycosylation profiles. Exp Hematol Oncol. doi:10.1186/s40164-025-00708-6.
  2. Pressemitteilung Universitätsklinikum Schleswig-Holstein vom 13 Okt 2025:“ Neuer Ansatz zur personalisierten Impfung gegen Krebs“
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