Leberkrebs ist eine der häufigsten Krebsarten weltweit und die dritthäufigste Ursache für krebsbedingte Todesfälle weltweit. Das hepatozelluläre Karzinom (HCC) ist die primäre Form von Leberkrebs und für die meisten Diagnosen und Todesfälle im Zusammenhang mit der Erkrankung verantwortlich. HCC im sehr frühen Stadium (BCLC-Stadium 0) bezieht sich auf eine Patientenpopulation mit einer Leberfunktionsreserve der Child-Pugh-Klasse A, mit einem einzelnen Tumor von weniger als 2 cm Größe und ohne krebsbedingte Symptome, Gefäßinvasion oder extrahepatische Metastasen. Auch wenn die Prognose dieser Patienten gut ist, sind Vorhersagemodelle für die Ergebnisse von Patienten mit HCC im BCLC-Stadium 0 bisher nicht umfassend untersucht worden.
Serum-Biomarker als prognostische Hilfsmittel
Es gibt heute mehrere Scores auf der Grundlage von Serum-Biomarkern, um den Status der Leberentzündung, der Fibrose und der Leberfunktion zu untersuchen und die Ergebnisse von Patienten mit fortgeschrittener chronischer Lebererkrankung oder HCC vorherzusagen. So hat sich z. B. der Albumin-Bilirubin-Score (ALBI) als zuverlässig bei der Bewertung der Leberfunktionsreserve bewährt, der Fibrose (FIB)-4-Score für die Bewertung einer Leberfibrose und das Lymphozyten-Monozyten-Verhältnis (LMR), um systemische Entzündungen und die Prognose von Patienten mit verschiedenen Krebsarten, einschließlich HCC, vorherzusagen. Darüber hinaus dient der prognostische Ernährungsindex (PNI) der Einschätzung des Grundzustands des Patienten in Bezug auf Entzündungsprozesse und Nährstoffmangel.
Studie untersucht prognostisches Potenzial verschiedener Biomarker
In einer nicht-interventionellen, retrospektiven Kohortenstudie wurde der prognostische Wert verschiedener Serum-Biomarker in Bezug auf das Gesamtüberleben von 446 Patienten mit HCC im Frühstadium in einem realen Umfeld analysiert. Von den 446 Patienten wurden 431 kurativ behandelt, darunter 190 Patienten mit chirurgischer Resektion, 6 Patienten mit Lebertransplantation, 226 Patienten mit Radiofrequenzablation (RFA) und die restlichen 9 Patienten mit perkutaner Ethanolinjektionstherapie (PEIT). Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 41,0 Monaten waren 81 Patienten gestorben und die Fünf-Jahres-Überlebens-Rate betrug 71,0%.
Biomarker können Prognose bei sehr frühem HCC vorhersagen
Generell waren in der Studie ein Alter über 65 Jahre, niedrigeres Serumalbumin (<4 g/dL), höhere AST-Werte, eine längere Prothrombinzeit (PT/INR) und eine niedrigere Thrombozytenzahl (<100.000/mm3) mit einem schlechteren Gesamtüberleben verbunden. Darüber hinaus konnten alle untersuchten Serum-Biomarker-Scores, einschließlich ALBI-Grad, modifizierter ALBI-Grad, EZ-ALBI-Grad, AST to Platelet Ratio Index (APRI), LMR, PNI und FIB-4, die Ergebnisse von Patienten mit HCC in einem sehr frühen Stadium vorhersagen. Unter allen Werten hatte der PNI dabei am besten abgeschnitten.
Höhe des PNI prognostiziert Gesamtüberleben
Um das Potenzial des PNI noch näher zu untersuchen, wurden die Patienten in zwei Gruppen eingeteilt, und zwar in diejenigen mit hohem (PNI ≥45) und niedrigem (PNI <45) PNI. Es zeigte sich, dass Alter, Geschlecht, virale Ätiologie, Thrombozytenzahl, PT/INR, Serumalbumin, Gesamtbilirubin, AST-Spiegel, Behandlungsmodalitäten, ALBI-Grad, EZ-ALBI-Grad und modifizierter ALBI-Grad zwischen den beiden Patientengruppen signifikant unterschiedlich waren. Patienten mit einem niedrigeren PNI hatten dabei ein deutlich kürzeres Gesamtüberleben als Patienten mit einem höheren PNI (Fünf-Jahres-Überleben 60,8% vs. 83,4%) [1].
Fazit
Ein besserer Ernährungszustand und eine größere Anzahl von Lymphozyten sind mit einem günstigen Ergebnis bei Patienten mit HCC im Frühstadium verbunden. Der PNI übertraf in der Studie andere serumbasierte Scores und Biomarker hinsichtlich der Vorhersagbarkeit. Er könnte damit in Zukunft Ärzten helfen, Hochrisikopatienten in frühen Stadien zu identifizieren und eine personalisierte Behandlung zu entwickeln.







