Genmutationen beim Reninom: Neue Therapiechancen?

Die Entschlüsselung des genetischen Codes zweier Patienten zeigt: Verantwortlich für die Entstehung von Reninomen sind vermutlich Genmutationen im NOTCH1-Signalweg. Falls eine Operation des Tumors nicht möglich ist, ergeben sich hieraus neue Angriffspunkte für Arzneimittel.

Genmutation

Was ist ein Reninom?

Extrem hoher Blutdruck, Hypokaliämie und sekundärer Hyperaldosteronismus – so kann die Befundkonstellation bei einem Reninom aussehen. Das Reninom ist ein sehr seltener Nierentumor der juxtaglomerulären Zellen, der unkontrolliert große Mengen Renin freisetzt.

Bisher sind etwa hundert Fälle von Reninomen bekannt, die bisher vor allem chirurgisch behandelt wurden. Schwierig sind vor allem Situationen, in denen der Tumor bereits metastasiert und eine vollständige Resektion nicht mehr möglich ist, denn der hohe Blutdruck lässt sich medikamentös kaum noch kontrollieren [1]. Forschende aus Hinxton bei Cambridge haben nun nach der Ursache der Krebsentstehung gesucht – und Genmutationen gefunden.

Genomsequenzierung zweier Patienten

In einer aktuellen, im Fachmagazin »Nature« entschiedenen Studie, untersuchte ein Forschungsteam zwei Patienten, bei denen der Krebs im Kindesalter bzw. jungen Erwachsenenalter entdeckt worden war. Der etwas ältere Patient hatte zum Studienzeitpunkt bereits Lungenmetastasen. Gewebeproben aus dem Primärtumor, Proben aus gesundem Nierenzellgewebe sowie DNA aus Blutzellen wurden per Gesamtgenom- und Einzelkern-Sequenzierung untersucht und verglichen [2].

Studienergebnisse: Genmutationen im NOTCH1-Signalweg

Finanziert vom Little Princess Trust gelang es den Forschenden, die Ursache für die Entstehung des Nierentumors zu identifizieren: Fehler im genetischen Code der Krebsgene NRARP und NOTCH1 sollen für die Tumorgenese verantwortlich sein. NRARP („NOTCH regulated ankyrin repeat protein gene“) ist der negative Regulator des NOTCH1-Signalweges, der zur Ausschüttung von Renin führt. Fehlt die Hemmung des NOTCH1-Signalweges durch NRARP, kommt es zu einer unkontrollierten Freisetzung von Renin. Zudem war das NOTCH1-Gen durch Rearrangement so verändert, dass mehr Renin pro Zelle produziert wurde.

Grundlage für die Forschung des Wellcome Trust Sanger Institutes waren Vorstudien, die bereits wichtige Hinweise dafür geliefert hatten, dass der NOTCH1-Signalweg bei der Entstehung von Reninomen eine entscheidende Rolle spielen könnte. Ein alleiniger Fehler im NOTCH1-Signalweg, der zu einer Reninom-Entstehung führt, hätte jedoch eine seltene „Gain-of-function“-Mutation vorausgesetzt und wurde daher schon vorab als unwahrscheinlich abgetan. Die Kombination aus leichter Veränderung des NOTCH1-Signalwegs und vor allem fehlender Hemmung desselben kann die Entstehung des Krebses jedoch plausibel erklären [2].

Neue Möglichkeiten in der Reninom-Therapie

Für zukünftige Therapien ist das Wissen um die Veränderungen im NOTCH1-Signalweg eine sehr gute Nachricht – denn NOTCH1-Inhibitoren existieren schon lange. Obwohl die aktuelle Nature-Studie nur auf zwei Probanden basierte, sind die Genomanalysen so konsistent mit den vorherigen Annahmen, dass Expertinnen und Experten zuversichtlich sind, bald eine nicht-operative Therapieoption für Reninome testen zu können.

Autor:
Stand:
20.11.2023
Quelle:
  1. Haag, M. et al. (2000): Juxtaglomerulärer Zelltumor (Reninom) als Ursache einer schweren juvenilen Hypertonie. Medizinische Klinik München, DOI: 10.1007/pl00002068
  2. Treger, T. D. et al. (2023): Targetable NOTCH1 rearrangements in reninoma. Nature communications, DOI: 10.1038/s41467-023-41118-8
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