HPV-Selbsttests erhöhen Bereitschaft zum Zervixkarzinom-Screening

Der Versand von HPV-Selbstprobenahme-Kits förderte die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs. Die Strategie war wirksam für Frauen, bei denen ein Screening fällig oder überfällig war.

Weibliche Geschlechtsorgane

Die herkömmliche Früherkennung von Zervixkarzinomen erfolgt durch einen Zellabstrich vom Gebärmutterhals, der anschließend durch den Papanicolaou-Test (kurz Pap-Test) ausgewertet wird. Diese Methode ist ausschließlich in der gynäkologischen Praxis durchführbar. Mittlerweile können onkogene humane Papillomviren (HPV) schon durch einen einfachen Vaginalabstrich nachgewiesen werden, den jede Frau selbständig zuhause durchführen kann. Studien belegen, dass die Ergebnisse des Selbsttests genauso zuverlässig sind wie der Pap-Test bei einer ärztlichen Untersuchung.

Eine kürzlich im 'Journal of the American Medical Association' veröffentlichte Studie zeigte nun, dass die Zusendung eines Kits zur Selbstentnahme von humanen Papillomaviren die Bereitschaft zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs bei fälligen und überfälligen Screening-Untersuchungen steigert [1].

Globale Anwendung des HPV-Selbsttests

Aktuell kommen HPV-Selbsttests nur in wenigen Ländern zur Anwendung. Laut einer 2022 in der Zeitschrift 'Preventive Medicine' veröffentlichten Studie ist er in lediglich 17 von weltweit 139 Ländern (12%), die ein Screening-Programm anbieten, als etablierte Methode gelistet [2]. In neun dieser Länder ist der Selbsttest bereits die bevorzugte Screening-Methode. In der Regel handelt es sich um ressourcenbeschränkte Länder, in denen der Selbsttest aufgrund seiner Effizienz verstärkt genutzt wird.

Die Niederlande sind das einzige reichere Land, das den Selbsttest flächendeckend eingeführt hat. In elf weiteren europäischen Ländern laufen derzeit Pilotstudien (inklusive einer Studie der Medizinischen Hochschule Hannover und oncgnostics). Damit ist zu rechnen, dass Selbstprobenentnahmen zukünftig in weiteren Ländern zumindest als Screening-Option angeboten werden.

Ein potenzieller Vorteil des Selbsttests besteht darin, dass er auch Frauen erreicht, die ärztliche Untersuchungen meiden oder einem Zervixabstrich beim Arzt zurückhaltend gegenüberstehen.

HPV-Selbsttests steigern Screening-Bereitschaft vor geplantem Vorsorgetermin

Eine Forschungsgruppe um Rachel Winer von der University of Washington School of Public Health haben gemeinsam mit dem Krankenversicherer Kaiser Permanente die Akzeptanz der HPV-Selbst-Tests untersucht. An der STEP-Studie nahmen 13.356 Frauen mit einem Durchschnittsalter von 45,9 Jahren teil, die kurz vor ihrem geplanten Vorsorgetermin standen. Diese Frauen wurden zufällig in vier Gruppen aufgeteilt.

  • In der ersten Gruppe erhielten die Frauen die übliche Versorgung ohne spezielle Benachrichtigung: Hier entschieden sich 47% für die Teilnahme am Screening beim Frauenarzt.
  • Gruppe zwei wurde Informationsmaterial zugesandt, um ihre Motivation zum Screening zu steigern. Dieses Vorgehen war nahezu wirkungslos: Die Teilnahmerate stieg nur geringfügig auf 47,6% an.
  • In der dritten Gruppe bekamen die Frauen den Selbsttest unaufgefordert per Post zugeschickt: Hier nahmen 61,7% am Screening teil, einschließlich einer ggf. erforderlichen Nachuntersuchung beim Frauenarzt. Die Differenz zur ersten Gruppe betrug signifikante 14,7 Prozentpunkte (95%-Konfidenzintervall [95%-KI]: 11,9 bis 17,5)
  • In Gruppe vier erhielten die Frauen einen Hinweis auf den Selbsttest, mussten diesen jedoch selbst anfordern ('Opt-in'). In dieser Kohorte beteiligten sich 51,1% am Screening. Obwohl diese Option mit einer Differenz von 4,1 Prozentpunkten (95%-KI: 1,7 bis 6,4) effektiv war, lag die Screeningbereitschaft unter der Gruppe mit der unaufgeforderten Zusendung der Tests.

Erhöhte Teilnahmerate bei verpasstem Gebärmutterhals-Screening

In einer zweiten Randomisierung wurden 8.862 Frauen, die ihren letzten Gebärmutterhalskrebs-Vorsorgetermin nicht wahrgenommen hatten, in drei Gruppen eingeteilt.

  • In der ersten Gruppe, ohne weitere Benachrichtigung, nahmen 18,9% am Screening teil.
  • In der zweiten Gruppe, in der Frauen Informationsmaterial per Post zugeschickt bekamen, blieb die Teilnahmerate mit 18,8% ungefähr gleich.
  • In Gruppe drei erhöhte die Zusendung des Test-Kits die Teilnahmerate auf 35,7%, was eine signifikante Differenz von 16,7 Prozentpunkten (95%-KI: 14,2 bis 19,3) im Vergleich zur Normalversorgung ohne Benachrichtigung darstellte.

Eine 'Opt-in'-Option wurde nicht angeboten.

Bei insgesamt 10.733 Frauen war die Screening-Anamnese unbekannt. Hier wurde die Zusendung von Informationen und eine 'Opt-in'-Gruppe mit der Normalversorgung verglichen. Keine der beiden Optionen führte zu einer Erhöhung der Teilnahmerate

Selbstständige Vaginalabstriche als effektive Maßnahme zur Steigerung der Vorsorgebereitschaft bei Gebärmutterhalskrebs

Die Ergebnisse der STEP-Studie deuten darauf hin, dass die unaufgeforderte Zusendung von Kits zur selbständigen Vaginalabstrich-Entnahme die Bereitschaft von Frauen steigert, Vorsorgetermine zur Erkennung von Zervixkarzinomen wahrzunehmen.

Autor:
Stand:
15.12.2023
Quelle:
  1. Winer, R. L. et al. (2023): Strategies to Increase Cervical Cancer Screening With Mailed Human Papillomavirus Self-Sampling Kits – A Randomized Clinical Trial. Journal of the American Medical Association, DOI: 10.1001/jama.2023.21471
  2. Serrano, B. et al. (2022): Worldwide use of HPV self-sampling for cervical cancer screening. Preventive Medicine, DOI: 10.1016/j.ypmed.2021.106900


 

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
Orphan Disease Finder
Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen: