Fotoscreenings zum Amblyopie-Screening

Obwohl Sehtests vor dem fünften Lebensjahr empfohlen sind, bleibt die Screening-Rate häufig wegen Zeitmangel gering. Eine Studie hat die Auswirkungen des Fotoscreenings auf Screening-Rate, Überweisungen und Diagnose von Amblyopie bei Kindern beleuchtet.

Sehtest Kind

Bedeutung der Früherkennung von Amblyopie

Amblyopie kann, wenn sie nicht vor dem 7. Lebensjahr behandelt wird, zu permanentem Sehverlust führen. Trotz der Empfehlung der US Preventive Services Task Force im Jahr 2017, Kinder zwischen drei und fünf Jahren mindestens einmal zu screenen, liegt die Screening-Rate nur bei rund 40%.

Zeitmangel, sozioökonomischer Status und Ethnie beeinträchtigen Screening

Zeitmangel in Praxen und Versorgungsungleichheiten, bedingt durch sozioökonomische und ethnische Faktoren, werden als Grund für das Ausbleiben der Sehtests bei Kindern genannt. Der Einsatz des benutzerfreundlichen Plusoptix-Fotoscreeners konnte die Screening-Rate jedoch von 10% auf 80% erhöhen. Eine Erweiterung des Fotoscreenings seit 2017 birgt das Potenzial, diese Ungleichheiten zu reduzieren.

Kohortenstudie untersucht Auswirkungen des Fotoscreenings

Eine Kohortenstudie analysierte die Daten von 57.527 dreijährigen Patienten zwischen 2015 bis 2022 hinsichtlich der Auswirkungen der Einführung des Fotoscreenings seit 2017 auf Screening-Rate, Überweisungen und Diagnosen von Amblyopie in Nordkalifornien.

Steigerung der Screening-Raten beobachtet

Es konnte ein signifikanter Anstieg der Screening-Raten für Amblyopie seit der Einführung von Fotoscreening beobachtet werden. Zwischen 2015 und 2017 wurden nur 5,7% der Kinder gescreent, während dieser Wert in den Jahren 2018 bis 2022 auf 72,1% anstieg. Diese Zahlen verdeutlichen die Effektivität der Technologie bei der Identifizierung von Sehproblemen bei Kindern.

Disparitäten in der Gesundheitsversorgung

Trotz der positiven Entwicklung im Screening-Prozess offenbaren die Daten auch bestehende Ungleichheiten. Kinder asiatischer, schwarzer und hispanischer Herkunft wurden seltener gescreent als weiße Kinder. Diese Disparitäten ziehen sich durch die gesamte Versorgungskette, von der Erstdiagnose bis zur Überweisung an Fachärzte.

Multiple Faktoren beeinflussen Screening-Wahrscheinlichkeit

Die Analyse zeigt, dass bestimmte Faktoren, wie die Anzahl der Vorsorgeuntersuchungen, der Impfstatus und das Einkommensniveau der Familie, einen Einfluss auf die Screening-Rate haben. Kinder, die umfassender vorsorglich betreut wurden, hatten eine höhere Wahrscheinlichkeit, gescreent zu werden. Ebenso führte die Betreuung durch Ärzte mit kürzerer Betriebszugehörigkeit zu höheren Screening-Raten.

Regionale Unterschiede im Zugang zur Versorgung aufgedeckt

Die geografische Lage erwies sich ebenfalls als entscheidender Faktor für die Wahrscheinlichkeit von Screenings und Überweisungen. Kinder aus bestimmten Gegenden hatten niedrigere Chancen, gescreent oder überwiesen zu werden, was regionale Diskrepanzen im Zugang zu medizinischen Dienstleistungen unterstreicht.

Rückgang bei Überweisungen und Diagnosen trotz erhöhter Screening-Raten

Der Zeitraum seit 2018 verzeichnete einen Rückgang sowohl bei den Überweisungsraten als auch bei den Diagnoseraten, obwohl die Screening-Raten generell anstiegen. Mögliche Erklärungen könnten Zugangsprobleme zu Fachärzten und eine zurückhaltende Überweisungspraxis der Kliniker bei begrenzten Ressourcen sein. Regionale Unterschiede und die Verfügbarkeit von pädiatrischen Ophthalmologen scheinen ebenfalls eine Rolle zu spielen, insbesondere in Gebieten mit geringerem mittleren Haushaltseinkommen.

Mehr Diversität unter Augenärzten gefordert

Die Ergebnisse zeigten ebenfalls, dass schwarze Kliniker eher dazu neigten, Screenings und Überweisungen durchzuführen. Dies unterstreicht die Forderung nach mehr Diversität unter Augenärzten, um die Versorgungsqualität für alle Bevölkerungsgruppen zu verbessern.

Bedarf an gezielten Interventionen

Angesichts der Prognose, dass die Raten von Sehbehinderungen in den USA bis 2050 erheblich steigen werden, betonen die Ergebnisse der Studie, dass über Massenfotoscreenings hinaus gezielte Interventionen gefragt sind, um bestehende Ungleichheiten zu verringern. Ein prädiktives Modell für das Risiko einer Amblyopie-Diagnose bei Dreijährigen, welches demografische, sozioökonomische und regionale Faktoren berücksichtigt sowie klinische Merkmale mit einbezieht, könnte die Versorgung der Patienten verbessern.

Autor:
Stand:
14.02.2024
Quelle:

Stults et al. (2024): Amblyopia Care Trends Following Widespread Photoscreener Adoption. JAMA Ophthalmology; DOI: 10.1001/jamaophthalmol.2023.6434

 

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
Orphan Disease Finder
Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen: