Drahtlose OLED-Kontaktlinsen ermöglichen neue Wege in der Netzhautdiagnostik

Ein koreanisches Forschungsteam hat die weltweit erste drahtlose OLED-Kontaktlinse entwickelt, die eine sichere und effiziente Elektroretinografie ermöglicht – ohne Dunkelraum oder stationäre Apparaturen. Die Technologie vereinfacht die Diagnostik und könnte ophthalmologische Standards nachhaltig verändern.

Auge

Die Elektroretinografie (ERG) ist ein etabliertes Verfahren zur objektiven Beurteilung der Netzhautfunktion. Sie wird insbesondere bei erblichen Netzhauterkrankungen sowie bei degenerativen Prozessen eingesetzt. Konventionell kommen Ganzfeld-Lichtquellen in abgedunkelten Räumen zum Einsatz. Diese Bedingungen stellen für Patienten eine Belastung dar und schränken die klinische Anwendung ein. Im Mai 2025 präsentierte ein interdisziplinäres Forschungsteam des Korea Advanced Institute of Science and Technology (KAIST) in 'ACS Nano' eine technologische Innovation: In Kontaktlinsen integrierte organische Leuchtdioden (OLED) als on-eye-Lichtquelle.

Technische Eigenschaften der OLED-Kontaktlinse

Die in die Linse integrierte OLED-Schicht ist mit einer Dicke von rund 12,5 µm sechs- bis achtmal dünner als ein menschliches Haar. Zusätzlich wurden eine Empfangsantenne für die drahtlose Energieübertragung und ein Steuerchip integriert. Damit ist ein autonomer Betrieb möglich. Für die Energieversorgung nutzte das Team eine 433-MHz-Resonanzfrequenz, die eine stabile kabellose Kommunikation gewährleistet.

Demonstriert wurde das System unter anderem in Verbindung mit einer Schlafmaske, die die Energieübertragung und Steuerung ermöglicht und zusätzlich mit einem Smartphone verbunden werden kann, um die praktische Anwendung zu erweitern.

Flächige OLED-Lichtquelle erzielt diagnostische Ergebnisse auf Ganzfeld-Niveau

Während bisherige smarte Kontaktlinsen auf anorganische LEDs setzten, die punktförmig emittieren und dadurch Wärme akkumulieren können, erzeugen OLEDs eine flächige Lichtquelle. In präklinischen Tests wurden stabile ERG-Signale bereits bei einer Leuchtdichte von 126 Nits ausgelöst. Die diagnostische Qualität war vergleichbar mit konventionell eingesetzten Ganzfeld-Lichtquellen.

Konstante Temperatur und Biokompatibilität sichern klinische Verträglichkeit

In Tierversuchen mit Kaninchen bestätigte sich die Sicherheit der Technologie: Die Oberflächentemperatur des Auges blieb bei unter 27 °C im unkritischen Bereich. Die verwendeten biokompatiblen Materialien sorgen dafür, dass keine unerwünschten Gewebereaktionen auftreten und die Linse auch unter unterschiedlichen Umgebungsbedingungen zuverlässig funktioniert.

Neuartige Technologie eröffnet Perspektiven in der Augenheilkunde

Die vorgestellte OLED-Kontaktlinse stellt eine neuartige, kabellose Plattform für die Netzhautdiagnostik dar, mit der die Elektroretinografie ohne stationäre Geräte und ohne Dunkelkammer durchgeführt werden kann. Das System vereinfacht die diagnostische Umgebung erheblich und eröffnet neue Perspektiven für eine komfortablere Patientenversorgung sowie für die Weiterentwicklung tragbarer ophthalmologischer Technologien. Vielfältige Einsatzfelder sind denkbar, darunter die Therapie der Myopie, die Analyse okulärer Biosignale, die Einbindung visueller Informationen im Kontext von Augmented Reality (AR) sowie die Anwendung lichtbasierter neurostimulativer Verfahren.

Autor:
Stand:
30.09.2025
Quelle:

Sim, J. E. et al. (2025): Wireless Organic Light-Emitting Diode Contact Lenses for On-Eye Wearable Light Sources and Their Application to Personalized Health Monitoring. ACS Nano, DOI: 10.1021/acsnano.4c18563.

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