Kontrastempfindlichkeit als neuer Indikator zur Bestimmung des Glaukom-Schweregrades

Eine Querschnittstudie untersuchte den Zusammenhang zwischen Kontrastempfindlichkeit und strukturellen Schäden, die typischerweise bei einem Glaukom auftreten, um einen neuen Endpunkt für die Beurteilung des Schweregrades eines Glaukoms zu etablieren.

Augenarzt ältere Dame

Das Fehlen von funktionellen Endpunkten bei Glaukom Patienten führt zu eingeschränkten Behandlungsoptionen.

Das primäre Offenwinkelglaukom ist die häufigste Form des Glaukoms. Gesichtsfeldausfälle sind ein klinisches Merkmal der Erkrankung, doch birgt die Messung besonders bei Patienten in fortgeschrittenen Stadien Schwierigkeiten, da eine Selbsteinschätzung der Sehbeeinträchtigung schwer möglich ist.

Kontrastempfindlichkeit bezeichnet die Kompetenz, kontrastreiche Grenzen wahrzunehmen. Eine Beeinträchtigung dieser Fähigkeit führt zu verschwommenem Sehen.

Fehlende Kenntnisse über die Assoziation zwischen Kontrastempfindlichkeit und strukturellen Veränderungen des Glaukoms verhinderten bisher den Einsatz dieses Parameters in der Glaukom Diagnostik.

Positiver Zusammenhang zwischen Kontrastempfindlichkeit und Glaukom-Indizes

Eine Querschnittsstudie untersuchte bei 103 Personen mit primären Offenwinkelglaukom, den Zusammenhang zwischen der Kontrastempfindlichkeit und klinischen Indizes des Glaukoms, wie der pRNFL (peripapillären retinalen Nervenfaserschicht), dem mGCC (makulären Ganglienzellkomplex), der RPC Dichte (peripapillären Kapillardichte) sowie der mVD (Makulagefäßdichte). Die Kontrastempfindlichkeit korrelierte positiv mit der mGCC-Dicke bei 1 und 1,5 cpd.

Dies stützt die These, dass eine Schädigung der Ganglienzellen der Makularegion für eine verminderte Kontrastsensitivität verantwortlich sein könnte.

Durchblutungsstörung der Netzhaut kann Kontrastempfindlichkeit beeinträchtigen

Bei 1 und 1,5 cpd war die RPC-Dichte, welche als Kapillarplexus maßgeblich verantwortlich für die Versorgung der Axone der retinalen Ganglienzellen ist, signifikant mit der Kontrastempfindlichkeit assoziiert. Je langsamer der okuläre Blutfluss war, desto stärker war die Beeinträchtigung der Kontrastempfindlichkeit.

Potenzielle Endpunkte für die Messung des Schweregrades eines Glaukoms.

Die Untersuchungen haben gezeigt, dass eine gestörte Kontrastempfindlichkeit bei Glaukom Patienten auftaucht und in adäquatem Zusammenhang mit charakteristischen Strukturveränderungen bei primären Offenwinkelglaukom steht.

Myopie-bedingte Veränderungen und deren Einfluss auf die Kontrastempfindlichkeit

Durch Myopie bedingte strukturelle Veränderungen des Auges sind ein häufiger Risikofaktor für ein primäres Offenwinkelglaukom. In den Untersuchungen ergab sich eine Assoziation zwischen Kontrastempfindlichkeit bei mittleren und hohen, jedoch nicht bei niedrigen Frequenzen.

Eine größere Achsenlänge kann mit einer tiefen mVD einhergehen, welche bei Glaukom Patienten eine stärkere Auswirkung auf die Kontrastempfindlichkeit bei höheren Frequenzen als bei niedrigeren aufweist.

Kontrastempfindlichkeit als Spiegelbild von Glaukom-spezifischen Schäden

Der Zusammenhang zwischen Kontrastempfindlichkeit und strukturellen Veränderungen wie der mGCC-Dicke, der RPC-Dichte und der oberflächlichen mVD, bei Glaukom ist bei niedrigen Frequenzen signifikanter.

Mittlere und hohe Frequenzen wurden durch das Bestehen einer Myopie beeinflusst, sollten jedoch nicht als Index für die Bewertung des Schweregrades verwendet werden. Hierzu seien die Kontrastempfindlichkeit bei niedrigen Frequenzen eher als funktionelle Endpunkte für die Beurteilung heranzuziehen, da diese unabhängig von den refraktiven Medien seien.

Autor:
Stand:
21.08.2023
Quelle:

Pang et al. (2023): Association between contrast sensitivity function and structural damage in primary open-angle glaucoma. BMJ, DOI: 10.1136/bjo-2023-323539

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