Refraktive Chirurgie zur Therapie der Myopie
Die Myopie stellt weltweit eine bedeutende Ursache für Sehkorrekturbedarf dar und kann zu einem erhöhten Risiko für Hornhautveränderungen oder Netzhautkomplikationen führen. Die refraktive Chirurgie bietet eine Möglichkeit zur Korrektur, doch die Stabilität über Dekaden bleibt eine Herausforderung. Bekannte Verfahren sind Laser-in-situ-Keratomileusis (LASIK) oder Small Incision Lenticule Extraction (SMILE).
Keratorefraktive Lentikelextraktion als neues Verfahren
2011 wurde erstmal die keratorefraktive Lentikelextraktion (KLEx) beschrieben. Diese Methode nutzt einen Femtosekundenlaser, um eine präzise scheibenförmige Linse aus Hornhautgewebe durch eine kleine Inzision (2-4 mm) zu entfernen. Hierdurch wird die Kornea umgeformt und die Myopie korrigiert. Vorteile dieses Verfahrens sind die schnellere visuelle Rehabilitation und die Verbesserung der Korneastabilität. Zudem konnte die Inzidenz der trockenen Augen sowie das Risiko für Flap-bezogene Komplikationen, die beispielsweise während dem LASIK-Verfahren auftreten können, gesenkt werden.
Studie untersucht Langzeitergebnisse von KLEx
Es liegen zahlreiche Studien vor, die die kurzfristige Wirksamkeit und Sicherheit des KLEx-Verfahrens demonstriert haben. Allerdings fehlten bisher Langzeitdaten. Hier setzt die vorliegende Studie an, indem sie erstmals ein 13-Jahres-Follow-Up für die keratorefraktive Lentikelextraktion bei Myopie bis –10 Dioptrien (dpt) vorstellt. Die Autoren der prospektiven Fallserie untersuchten hierfür 29 Patienten (29 Augen), um die Wirksamkeit und Sicherheit der KLEx zu dokumentieren.
Visuelle Ergebnisse und Vorhersagbarkeit
Die Operationen verliefen alle komplikationslos. Bei allen 29 Augen erreichte die unkorrigierte Sehschärfe (uncorrected distance visual acuity [UDVA]) mindestens 20/25. Zehn Augen (43,4 %) zeigten keine Änderung der korrigierten Fernsichtschärfe (corrected distance visual acuity [CDVA]). Kein Auge verlor Snellen-Linien bei der Messung der CDVA. 34 % blieben unverändert, 48 % gewannen eine Linie hinzu und 17 % hatten einen Zugewinn von zwei Linien.
Bezüglich der Vorhersagbarkeit lagen nach 13 Jahren 21 Augen (72 %) innerhalb ± 0,5 dpt und 28 Augen (97 %) innerhalb ± 1,0 dpt des Zielrefraktionswertes.
Langfristige refraktive Stabilität
Bei der Untersuchung der Stabilität zeigte sich, dass die durchschnittliche refraktive Regression von einem Monat bis 13 Jahre postoperativ –0,26 ± 0,41 dpt betrug. Dies spricht laut den Autoren für eine gute langfristige refraktive Stabilität.
Hornhaut blieb über die Zeit stabil – Keratektasien traten nicht auf
Die Messung der posterioren zentralen die Differenz der posterioren zentralen Hornhauterhebung ist ein wichtiger Messwert zur Bestimmung der Stabilität der Kornea. Die hierfür während den Nachuntersuchungen ermittelten Werte waren im Vergleich zu den präoperativen Werten signifikant geringer (p<0,001). Auch zeigten sich über die Zeit keine signifikanten Veränderungen oder Anstiege – auch der Differenzwert der posterioren zentralen Erhebung blieb über die gesamte Dauer des Follow Ups konstant (p > 0,05). Keratektasien traten nicht auf.
Optische Aberrationen nahmen zu
Abbildungsfehler höherer Ordnung (HOA), die durch refraktive Chirurgie induziert werden, werden mit visuellen Beschwerden, wie beispielsweise Halos, beeinträchtigter Nachtsicht und monokularer Diplopie in Verbindung gebracht. Die Studienautoren sahen, dass optische Abbildungsfehler im Auge und verikale Comas postoperativ signifikant anstiegen. Andere Aberrationen waren während des Follow-Up Zeitraums stabil. Die Studienautoren bemerkten hierzu, dass intraoperative Manipulation an der Kornea deren Form verändern kann, was zu einem Anstieg postoperativer vertikaler Komas führen kann. Zudem beeinflussen beispielsweise Wundheilungsprozesse und die Zeit, die seit der Operation vergangen ist, optische Aberrationen.
KLEx als Alternative zu LASIK oder SMILE
Die 13-Jahres-Daten dieser Studie belegen, dass die keratorefraktive Lentikelextraktion bei Myopie bis –10 dpt sicher, wirksam und vorhersagbar mit stabilen Ergebnissen ist. Für die klinische Praxis bedeutet dies, dass KLEx als valide Alternative zu etablierten Methoden in Betracht gezogen werden könnte.









