Myopie steigert Risiko für visusbedrohende Erkrankungen
Die Myopie ist eine chronisch progressive Erkrankung, bei der ferne Objektive vor der Retina fokussiert werden. Die Ursache ist ein exzessives Wachstum der Augen. Die Kurzsichtigkeit ist die häufigste Sehstörung bei Kindern und hat die höchste Inzidenz von allen refraktären Fehlern weltweit.
Die Erkrankung manifestiert sich typischerweise um die Pubertät herum. Sie prädisponiert die Augen gegenüber vielen visusbedrohenden Erkrankungen, wie beispielsweise Retinaablösung, myope Makuladegeneration und Glaukom im Erwachsenenalter.
Augenwachstumspathologien durch Störungen im Schlaf-Wach-Rhythmus?
Zirkadiane Rhythmen sind intrinsische Rhythmen, die einem annähernd 24-Stunden-Zyklus folgen und diversen biologischen und behavioralen Funktionen des Körpers unterliegen. Dazu gehört auch die Regulation des Schlaf-Wach-Rhythmus. Die zirkadianen Rhythmen werden mit externen Umweltstimuli synchronisiert. Bei den meisten Organismen ist der stärkste Zeitgeber das Umgebungslicht. Tierstudien gaben Hinweise, dass Störungen im täglichen Hell-Dunkel-Zyklus zu verändertem Augenwachstum führen können.
Melatoninkonzentration scheint Augenwachstum zu beeinflussen
Melatonin ist ein Neurohormon, welches von der Epiphyse produziert wird und nachts sezerniert wird. Das Timing der systemischen Melatoninfreisetzung wird häufig als Marker für das Timing der endogenen zirkadianen Uhr genommen. Tierstudien gaben Hinweise, dass Veränderungen der systemischen Melatoninkonzentration das Augenwachstum beeinflussen könnten.
Studie untersuchte Korrelationen zwischen Myopie und Melatoninrhythmus
Aktuelle Forschungsarbeiten weisen zudem darauf hin, dass eine Myopie in der Kindheit mit verzögertem und inadäquatem Schlaf assoziiert ist. Über den zirkadianen Melatoninrhythmus und -produktion bei Kindern mit Myopie ist wenig bekannt.
Daher untersuchte eine Studie kürzlich die Unterschiede beim zirkadianen Rhythmus des Melatonins und seiner Produktion, Schlafcharakteristika und kognitiver Funktion bei Kindern mit Myopie versus emmetropen Kindern im Alter von 8-15 Jahren. Für die Studie wurden 26 Kinder mit Myopie und 19 emmetrope Kinder eingeschlossen. Durchschnittlich waren die Kinder 11,74 Jahre alt. 49% der Kinder waren weiblich.
Kinder mit Myopie mit späterem und schlechterem Schlaf
Die nächtlichen 6-Sulfatoxymelatonin-Level waren bei den myopen Kindern signifikant geringer im Vergleich zu den emmetropen Kindern (p=0,001). Zudem war das zirkadiane Melatonin-Timing bei den Kindern mit Myopie um eine Stunde und acht Minuten verzögert im Vergleich mit emmetropen Kindern. Die Verspätung korrelierte zudem mit dem Ausmaß der Myopie. So zeigten Kinder mit starker Myopie eine größere Verzögerung im Vergleich zu den Kindern mit geringer Myopie.
Passend zu dem verzögerten zirkadianen Timing des Melatonins zeigten myope Kinder eine signifikante Verzögerung ihrer Einschlafzeit um >70 Minuten sowie eine kürzere gesamte Schlafdauer im Vergleich zu den emmetropen Kindern (7,60 versus 8,13 Stunden). Die gesamte Zeit im Bett ähnelte sich allerdings in beiden Gruppen, was darauf schließen lässt, dass die Schlafeffizienz bei den myopen Kindern schlechter war. Die myopen Kinder wachten im Durchschnitt etwa 51 Minuten später auf. Sowohl der subjektive als auch der objektive Schlaf war bei ihnen gestört.
Myope haben häufig geringere Lichtexposition
Die durchschnittliche tägliche Lichtexposition war bei Myopen geringer im Vergleich zu den Emmetropen (p=0,046). Dies könnte zu einer Progression der Myopie führen. Zudem vermuten die Studienautoren, dass die geringere Tageslichtexposition zu einer zirkadianen Phasen-Verspätung bei myopen Kindern führen könnte.
Kognitive Defizite bei Kindern mit Myopie
Die myopen Kinder zeigten zudem größere Defizite in ihrer Kognition, insbesondere zeigten sie schlechtere Ergebnisse bei der nächtlichen Aufmerksamkeit und Daueraufmerksamkeit.
Ausblick in die Zukunft
Die Studienautoren schlussfolgern, dass morgendliche Lichttherapie und/oder abendliche exogene Melatoningabe die Schlafmuster bei myopen Kindern normalisieren könnten. Ob eine solche Behandlung kurz oder langfristige Effekte auf das Ausmaß der Myopie hat, sollte ihrer Meinung nach daher empirisch getestet werden.









