Elektrisch unterstützte Fahrräder (E-Bikes) werden zunehmend auch von Kindern und Jugendlichen genutzt. Parallel dazu berichten Pädiater in den USA von einer steigenden Zahl teils schwerer Verletzungen. Ein aktueller Beitrag in „AAP News” fasst lokale Polizeidaten, klinische Beobachtungen sowie nationale Überwachungsdaten zusammen und beschreibt eine relevante Zunahme E-Bike-assoziierter Unfälle.
E-Bikes verfügen über einen Elektromotor und eine wiederaufladbare Batterie. Sie sind schwerer als konventionelle Fahrräder und erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 48 km/h. Damit unterscheiden sie sich deutlich vom klassischen Fahrrad und bergen ein erhöhtes Verletzungspotenzial.
Verletzungsmuster und lokales Unfallgeschehen
Phyllis F. Agran von der University of California, Irvine, bezeichnete die zunehmende Nutzung von E-Bikes durch Jugendliche bei einer Stadtratssitzung in Irvine als relevantes Gesundheitsproblem. Ihrer Einschätzung nach ähneln die beobachteten Verletzungen eher denen bei Motorradunfällen als bei typischen Fahrradstürzen.
Polizeidaten aus Irvine zeigen, dass in den vergangenen drei Jahren nahezu 75 % aller registrierten Fahrradunfälle Jugendliche betrafen. Zwischen 60 und 65 % dieser Unfälle standen im Zusammenhang mit einem E-Bike. Am stärksten betroffen war die Altersgruppe der 13- bis 16-Jährigen mit 53 % aller Fahrradkollisionen.
Beobachtungen an einer örtlichen High School dokumentierten eine niedrige Helmtragequote, Doppelfahren, hohe Geschwindigkeit und Ablenkung während der Fahrt. Die Kombination aus motorisierter Technik und jugendtypischem Risikoverhalten erhöht das Risiko schwerer Verletzungen.
Schwere Kopfverletzungen und stationäre Aufnahmen
Sigrid K. Burruss, Associate Professorin für Chirurgie an der University of California, Irvine, berichtet, dass nur 27 % der wegen E-Bike-Verletzungen behandelten Patienten angaben, einen Helm getragen zu haben. Bei höheren Geschwindigkeiten wurde eine relevante Zahl schwerer Kopfverletzungen beobachtet. Auch die Intensivverweildauer und die stationären Aufnahmeraten liegen über denen bei konventionellen Fahrradunfällen.
Laut der American Academy of Pediatrics kann das Tragen eines Helms das Risiko tödlicher und nicht tödlicher Kopfverletzungen, einschließlich schwerer Schädel-Hirn-Traumata, signifikant reduzieren. Experten weisen jedoch darauf hin, dass herkömmliche Fahrradhelme bei den erreichbaren Geschwindigkeiten möglicherweise keinen ausreichenden Schutz bieten. Empfohlen werden Helme, die Standards für motorisierte Fahrzeuge erfüllen.
Deutlicher Anstieg der E-Bike-assoziierten Verletzungsrate
Eine Analyse des National Electronic Injury Surveillance Systems für den Zeitraum von 2013 bis 2022 dokumentiert einen deutlichen Anstieg E-Bike-assoziierter Verletzungen. In diesem Zeitraum wurden in US-amerikanischen Notaufnahmen schätzungsweise 45.845 entsprechende Verletzungen behandelt. Während die jährliche Rate bis 2019 relativ stabil blieb, stieg sie von 2019 bis 2022 um 90,9 %.
Bei Schülern der Mittel- und Oberstufe betrafen die Verletzungen am häufigsten den Kopfbereich. In der Gruppe junger Erwachsener dominierten Fingerverletzungen. Nahezu 11 % der Verletzten mussten stationär aufgenommen werden. Rund 30 % der Unfälle standen im Zusammenhang mit Kraftfahrzeugen.
Auch die US-amerikanische Behörde für Produktsicherheit (Consumer Product Safety Commission) berichtete für das Jahr 2022 über 24.400 Notaufnahmebehandlungen im Zusammenhang mit E-Bikes. Die Behörde empfiehlt, dass Kinder im Alter von 9 bis 12 Jahren keine Produkte nutzen sollten, die schneller als 10 mph (16 km/h) fahren.
Prävention und regulatorischer Handlungsbedarf
Einzelne Kommunen und Bundesstaaten haben regulatorische Maßnahmen eingeführt. In Wilmington, Delaware, besteht eine Helmpflicht für unter 18-Jährige beim Führen motorisierter Fahrzeuge niedriger Geschwindigkeit. Weitere Städte legen Mindestalter zwischen 14 und 18 Jahren fest, teilweise ist ein gültiger Führerschein erforderlich.
Für die pädiatrische Praxis ergibt sich ein relevanter Präventionsauftrag. Eltern sollten über die spezifischen Risiken von E-Bikes aufgeklärt werden. Vor Anschaffung sind Höchstgeschwindigkeit, Wartung und altersgerechte Nutzung zu prüfen. Manipulationen am Motor sollten unterbleiben, eine strukturierte Schulung des Jugendlichen ist sinnvoll.
Die vorliegenden Daten verdeutlichen, dass E-Bikes im Jugendalter kein harmloses Freizeitgerät darstellen, sondern ein relevantes unfallchirurgisches und präventivmedizinisches Thema. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Pädiatrie, Unfallchirurgie, Gesundheitsbehörden und Gesetzgebern erscheint erforderlich, um die Sicherheit junger Fahrer nachhaltig zu verbessern.









