Die akute Appendizitis ist die häufigste chirurgische Notfallindikation im Kindesalter und die Appendektomie, insbesondere die laparoskopische, ist derzeit als Standardbehandlung etabliert. Obwohl dieser Eingriff eine hohe Erfolgsrate aufweist, handelt es sich um eine invasive Maßnahme, die mit Vollnarkose, postoperativen Schmerzen und möglichen Komplikationen einhergeht.
In den letzten Jahren wurde die antibiotische Therapie als Alternative verstärkt untersucht. Sie bietet das Potenzial, die Belastungen und Risiken einer Operation zu vermeiden, speziell bei unkomplizierter Appendizitis ohne Perforation oder Abszessbildung. Vorangegangene Studien zeigten vielversprechende Ergebnisse, jedoch fehlte bisher eine großangelegte randomisierte Untersuchung bei Kindern. Diese Forschungslücke wurde nun durch die internationale APPY-Studie geschlossen.
APPY-Studie: Antibiotika vs. Appendektomie
Zwischen Januar 2016 und Dezember 2021 wurden 936 Kinder im Alter von fünf bis 16 Jahren mit unkomplizierter Appendizitis in elf Kinderkliniken weltweit in die APPY-Studie eingeschlossen. Die Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip einer antibiotischen Therapie oder einer Appendektomie zugeteilt (1:1).
Die primären Endpunkte der Studie waren Therapieversagen, definiert als eine im Verlauf notwendige Appendektomie in der Antibiotikagruppe, die Entfernung eines im Nachhinein unauffälligen Blinddarms in der Operationsgruppe sowie zusätzliche Eingriffe unter Vollnarkose. Sekundäre Endpunkte umfassten die Dauer des Krankenhausaufenthaltes, die Zeit bis zur Wiederaufnahme normaler Aktivitäten und das Auftreten von Nebenwirkungen.
Antibiotika führten häufiger zu Behandlungsversagen
Die Ergebnisse zeigten eine deutliche Unterlegenheit der antibiotischen Therapie. In der Antibiotikagruppe musste bei 34 % der Kinder innerhalb eines Jahres eine Appendektomie durchgeführt werden, während in der Operationsgruppe nur 7 % der entfernten Appendizes pathologisch unauffällig waren. Dieser Unterschied von fast 27 Prozentpunkten unterstreicht die langfristig geringere Zuverlässigkeit der antibiotischen Therapie im Vergleich zur Appendektomie.
Längerer Krankenhausaufenthalt durch Rückfälle unter Antibiotikatherapie
Kinder in der Antibiotikagruppe verbrachten über den gesamten Studienzeitraum hinweg letztlich mehr Zeit im Krankenhaus. Dies war vor allem durch Rückfälle und erneute Aufnahmen bzw. im Endeffekt doch notwendige Operationen bedingt.
Ein Vorteil der Antibiotikatherapie war jedoch, dass die Kinder nach einer antibiotischen Behandlung schneller zu normalen Aktivitäten und in die Schule zurückkehrten als Kinder nach einer Operation. Auch der Bedarf an Schmerzmitteln war in der Antibiotikagruppe deutlich geringer.
Mehr Nebenwirkungen durch Antibiotika
Die Rate der schwerwiegenden Nebenwirkungen war in beiden Gruppen gering, und es gab keine Todesfälle. Unerwünschte Ereignisse traten jedoch in der Antibiotikagruppe häufiger auf (8 % vs. 2 %), wobei gastrointestinale Beschwerden wie Durchfall und Übelkeit die häufigsten Nebenwirkungen waren. In der chirurgischen Gruppe wurden vor allem Wundinfektionen beobachtet, insbesondere bei perforiertem Blinddarm.
Ähnliche Zufriedenheitsraten trotz vermehrter Notaufnahmebesuche
Kinder in der Antibiotikagruppe hatten ein höheres Risiko, innerhalb der ersten sechs Wochen nach Entlassung erneut die Notaufnahme aufzusuchen. Dennoch gaben 73 % der Familien in dieser Gruppe an, mit der Behandlung zufrieden zu sein, da primär eine Operation vermieden werden konnten. In der Operationsgruppe war die Zufriedenheit ebenfalls hoch (73 %), was vor allem auf die Effektivität des Eingriffs und die Vermeidung eines Rückfalls zurückgeführt wurde.
Die Appendektomie bleibt der Antibiotikatherapie überlegen
Die APPY-Studie bestätigt, dass die Appendektomie nach wie vor die zuverlässigste und robusteste Behandlungsmethode der unkomplizierten Appendizitis im Kindesalter ist. Die Antibiotikatherapie bietet zwar Vorteile, wie eine schnellere Genesung und einen geringeren Bedarf an Schmerzmitteln, ist aber mit einer deutlich höheren Rate an Therapieversagen und häufigeren Besuchen in der Notaufnahme verbunden. Somit könnte die Antibiotikatherapie in bestimmten Fällen eine sinnvolle Alternative darstellen, insbesondere bei Patienten, die eine Operation ablehnen oder ein erhöhtes Operationsrisiko aufweisen.
Zukünftige Studien sollten sich darauf konzentrieren, spezifische Prädiktoren für den Erfolg einer antibiotischen Therapie zu identifizieren. Solche Erkenntnisse könnten dazu beitragen, die antibiotische Behandlung gezielt bei den Patienten einzusetzen, die am meisten davon profitieren.
Die APPY-Studie ist bei ClinicalTrials.gov registriert unter NCT02687464.










