Einfluss der Beikosteinführung auf das Allergierisiko bei Kindern

Eine französische Studie analysierte kürzlich den Zusammenhang zwischen der Art der Beikosteinführung und dem Risiko von allergischen Erkrankungen. Es zeigte sich, dass die späte Einführung von Hauptallergenen nach dem achten oder zehnten Lebensmonat das Risiko für Nahrungsmittelallergien bis zum Alter von 5,5 Jahren erhöhen könnte.

Beikost Kind

Ernährung als Risikofaktor für die Allergieentstehung

Einige Risikofaktoren für die Entstehung von Allergien, wie zum Beispiel Geschlecht oder vorbestehende atopische Erkrankungen, sind nicht veränderbar. Im Gegensatz dazu kann die Ernährung als Risikofaktor modifiziert werden.

Beikosteinführung: Früh vs. Spät

Aktuelle europäische Leitlinien definieren die Beikosteinführung als früh, wenn sie vor dem vierten und als spät, wenn sie nach dem sechsten Lebensmonat stattfindet.

Bei den meisten Studien war die späte Beikosteinführung mit einem höheren Risiko für Lebensmittelallergien bis zum fünften Lebensjahr assoziiert. Das Risiko für Asthma, atopische Dermatitis oder allergische Rhinitis war in den meisten Studien dadurch nicht erhöht.

Abwechslungsreiche Ernährung wird empfohlen

Einige Studien zeigen, dass eine erhöhte Diversität der im ersten Lebensjahr zugeführten Lebensmittel mit einem niedrigeren Risiko für Lebensmittelallergien, Asthma, atopischer Dermatitis oder allergischer Rhinitis verbunden ist.

Die Einführung von Hauptallergenen

Es konnte gezeigt werden, dass die frühe Einführung bestimmter Lebensmittelallergene, wie zum Beispiel Erdnüsse, in die Ernährung von Hochrisikokindern das Risiko einer Allergieentwicklung gegenüber diesen Allergenen verringert. Bei anderen Allergenen, wie Eiern, Milchprodukten und Weizen, ist die Studienlage jedoch nicht eindeutig.

Assoziationen zwischen Beikosteinführung, Lebensmittelvielfalt und allergischen Erkrankungen

Eine aktuelle Studie untersuchte die Assoziationen zwischen der Art der Beikosteinführung, der Vielfalt an Lebensmitteln im ersten Lebensjahr und dem Zeitpunkt der Einführung von Hauptallergenen in die Ernährung mit dem Auftreten von allergischen Erkrankungen in der frühen Kindheit.

In die Studie wurden 6.662 Kinder eingeschlossen. Als Hauptallergene wurden Eier, Fisch, Weizen und Milchprodukte untersucht.

Die Follow ups fanden über Telefongespräche statt, sobald die Kinder das Alter von zwei Monaten, einem, zwei, dreieinhalb und fünfeinhalb Jahren erreicht hatten.

Mehrzahl der Kinder litt im Alter von 5,5 Jahren an einer allergischen Erkrankung

Bei der Mehrzahl der Kinder erfolgte die Beikosteinführung zwischen dem vierten und sechsten Lebensmonat (77,6%). 14,9% der Kinder erhielten ihre Beikost jedoch erst nach dem sechsten Lebensmonat und 7,5% der Kinder vor dem vierten Lebensmonat.

Insgesamt wiesen 64,2% der Studienteilnehmer eine allergische Erkrankung bis zum Alter von 5,5 Jahren auf. 33,5% litten an einem Ekzem, 5,8% an einer Lebensmittelallergie, 26,6% an Asthma und 39% an einer Rhinokonjunktivitis.

Späte Beikosteinführung mit höherem Lebensmitteallergierisiko assoziiert

Bei der Mehrzahl der Kinder war eines der Hauptallergene noch nicht bis zum zehnten Lebensmonat in die Ernährung eingeführt. Die späte Beikosteinführung war mit einem 1,35-fach höheren Risiko für eine Lebensmittelallergie assoziiert. Diese Assoziation war abgeschwächt und nicht mehr signifikant, nachdem frühe Fälle von Allergien, die zwischen dem zweiten Lebensmonat und dem ersten bzw. zweiten Lebensjahr aufgetreten sind, ausgeschlossen wurden. Die Exklusion erfolgte, da bei diesen Kindern nicht sicher war, ob die Allergie vor oder nach der Beikosteinführung aufgetreten war.

Die Studienautoren bemerkten, dass der fehlenden Signifikanz eine umgekehrte kausale Bias zugrunde liegen könnte, bei der Eltern der Kinder mit frühen allergischen Erkrankungen die Einführung der Beikost verzögert haben.

Wenig abwechslungsreiche Ernährung mit Asthma assoziiert

Eine wenig abwechslungsreiche Ernährung mit acht Monaten, bei der nur null bis zwei Lebensmittelgruppen konsumiert wurden, war mit einem 1,22-fach höheren Risiko für Asthma assoziiert. Auch hier war die Assoziation abgeschwächt und nicht mehr signifikant, nachdem frühe Fälle von Allergien ausgeschlossen wurden.

Die Studienautoren geben zu bedenken, dass hier die Frequenz der Zufuhr der jeweiligen Nahrungsmittel eine Rolle spielen könnte.

Späte Einführung der Hauptallergene steigerte Risiko für Lebensmittelallergien

Wenn mindestens zwei Hauptallergene nicht bis zum zehnten Lebensmonat in die Ernährung eingeführt wurden, zeigten die Kinder ein 1,2-fach erhöhtes Risiko eine Rhinokonjunktivitis und ein 2,46-fach erhöhtes Risiko eine Lebensmittelallergie zu entwickeln. Auch nach Ausschluss der früh auftretenden allergischen Fälle blieb die Assoziation zwischen der Anzahl der eingeführten Hauptnahrungsmittelallergene und dem Lebensmittelallergierisiko signifikant.

Autor:
Stand:
23.08.2023
Quelle:

Adam et al. (2023):  Complementary feeding practices are related to the risk of food allergy in the ELFE cohort. Allergy; DOI: 10.1111/all.15828

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