Die Serumkonzentration von 25-Hydroxyvitamin D (25(OH)D), dem besten Marker für den Vitamin-D-Status, sollte bei Säuglingen im Bereich von 40-50 nmol/L liegen, um eine optimale Unterstützung für einen gesunden Knochenaufbau sicherzustellen. Muttermilch enthält Vitamin D, allerdings nicht in ausreichenden Mengen. Daher empfiehlt die Gesundheitspolitik in Nordamerika, sowie auch in Deutschland, dass alle Säuglinge, die gestillt werden, kurz nach der Geburt mit einer Vitamin-D-Supplementierung mit 400 internationalen Einheiten (IE) pro Tag beginnen, um eine Rachitis zu verhindern. Noch mangelt es an Daten, ob der Knochenmineralgehalt bei Säuglingen, die mit einer Serum-25(OH)D-Konzentration von weniger als 50 nmol/L geboren wurden, beeinträchtigt ist und ob deswegen eine höhere Dosis einer Vitamin-D-Supplementierung erforderlich ist.
Ist eine höhere Dosis nötig?
Im Rahmen einer kanadischen, doppelblinden, randomisierten, klinischen Studie wurde die Wirkung von 1.000 IE pro Tag einer oralen Vitamin-D-Supplementierung mit 400 IE pro Tag in Bezug auf die Knochengesundheit im Alter von 1 bis 12 Monaten bei Säuglingen, die mindestens drei Monate planmäßig gestillt werden sollten und eine Serum-25(OH)D-Konzentration von weniger als 50 nmol/L aufwiesen, verglichen.
Stratifizierung in drei Gruppen und Bestimmung des Vitamin-D-Status
In dieser vordefinierten Sekundäranalyse von März 2016 bis März 2019 in einem einzigen Zentrum im Großraum Montreal (Quebec, Kanada) wurden 139 Säuglinge (58,3% männlich) in drei Gruppen stratifiziert und erhielten für ihr erstes Lebensjahr eine tägliche Vitamin-D-Supplementierung. Säuglinge mit einer Serum-25(OH)D-Konzentration von unter 50 nmol/L bekamen 1.000 IE bzw. 400 IE pro Tag (jeweils 49 Säuglinge pro Gruppe) und die Referenzgruppe (41 Säuglinge), die über 50 nmol/L aufwies, erhielt ebenfalls 400 IE pro Tag. Im Alter von 1, 3, 6 und 12 Monaten wurde der Vitamin-D-Status bestimmt. Dieser umfasste den Ganzkörpergehalt an Knochenmineralien, den Knochenmineralgehalt der Lendenwirbelsäule (LWS), die Knochenmineraldichte der LWS mittels Dual-Energy-Röntgenabsorptionsmessung und die Bestimmung einiger Vitamin-D-Metabolite, wie Serum-25(OH)D-Konzentration und Calcitriol, mittels Flüssigchromatographie-Tandem-Massenspektrometrie.
Knochenmineralgehalt in allen Studiengruppen ausreichend
In der Gruppe der Säuglinge, die 1.000 IE pro Tag zu sich nahmen, betrug der mittlere Knochenmineralgehalt nach 6 Monaten 193,96 g (SD 24,93), in der Gruppe mit 400 IE pro Tag 194,29 g (SD 32,03) und in der Referenzgruppe 197,33 g (SD 31,90). Es wurden auch keine Unterschiede im Mineralgehalt oder in der Knochendichte in der LWS beobachtet. Diese Ergebnisse deuten auf eine sättigende Wirkung bei der Knochenmineralakkretion hin, wenn Vitamin D mit 400 IE pro Tag ergänzt wird.
Vitamin-D-Metaboliten in der 1.000 IE-Gruppe signifikant höher
Die mittleren Serum-25(OH)D3-Konzentrationen betrugen bei der Gruppe, die 1.000 IE pro Tag einnahm, nach 6 Monaten 121,6 nmol/L (SD 34,4) im Vergleich zur Studiengruppe mit 400 IE pro Tag mit 85,1 nmol/L (SD 18,6) und der Referenzgruppe mit 90,1 nmol/L (SD 28,5). Die signifikant erhöhte Konzentration in der 1.000 IE-Gruppe bringt allerdings keinen zusätzlichen Vorteil für die Knochengesundheit.
Die Calcitriol-Konzentrationen waren im Laufe der Zeit zwischen den Studiengruppen sehr ähnlich und lagen nach 6 Monaten zwischen 179,3 pmol/L (Referenzgruppe) und 184,9 pmol/L (bei beiden Studiengruppen).
Empfehlung für eine Vitamin-D-Supplementierung mit 400 IE
Säuglinge mit erhöhtem Risiko für einen unzureichenden Vitamin-D-Status, die mit einer täglichen Supplementierung von 400 IE im Vergleich zu 1.000 IE pro Tag versorgt wurden, hatten keine beeinträchtigten Knochenergebnisse im ersten Lebensjahr. In beiden Gruppen konnte durch die Supplementierung eine Serum-25(OH)D-Konzentration normalisiert und aufrechterhalten werden, die mit einer gesunden Skelettentwicklung übereinstimmt. Somit deuten die Ergebnisse dieser Studie darauf hin, dass der Behandlungsstandard von 400 IE pro Tag ausreicht, um die Entwicklung von gesunden Knochen bei gestillten Säuglingen zu unterstützen, auch wenn diese mit einer Serum-25(OH)D-Konzentration von weniger als 50 nmol/L geboren wurden.










