Vielen Kindern mit atopischer Dermatitis (AD) wird vom Schwimmen abgeraten. Es werden negative Auswirkungen auf die Hautkrankheit befürchtet. Wissenschaftler um den irischen Arzt Dr. Cathal O'Connor untersuchten anhand der verfügbaren Literatur, wie sich verschiedene Faktoren wie Wasser, Hautbarriere, Schwimmausrüstung und Bewegung auswirken. Das Ziel der Übersichtsarbeit war es, Dermatologen und Kinderärzte zu unterstützen, wenn diese zum Thema Schwimmen bei AD beraten.
Schwimmverzicht nicht notwendig?
Zu den betrachteten Schutzmaßnahmen gehörte, dass Kinder ein Hautpflegemittel, das der Haut Feuchtigkeit und Fette zuführt (Emolliens), vor oder nach dem Schwimmen auftragen. Die Autoren untersuchten ebenso, was bezüglich der Badekleidung und dem Abduschen nach dem Schwimmen zu beachten ist.
Schwimmen ist laut den Wissenschaftlern vorteilhaft bei Neurodermitis, da der Sport nicht mit starkem Schwitzen verbunden ist und die kardiorespiratorische Fitness fördert. Er trage zu einem gesunden Gewicht bei. Nachteilig sei, dass dabei ein günstiger Effekt auf die Knochenmineraldichte ausbleibe.
Die Autoren schlussfolgern, dass Kinder mit AD nicht aufgrund unbegründeter Bedenken auf Schwimmen verzichten sollten. Schwimmen diene der körperlichen und geistigen Gesundheit und sei wichtig, um ein Ertrinken zu verhindern. Für optimale Empfehlungen zum Schwimmen für Kinder mit AD fehlten jedoch noch belastbare Erkenntnisse. Künftige Forschungsarbeiten sollten untersuchen, wie sich Schwimmen auf AD-Schübe auswirke und welche Emollienzien am besten geeignet seien.
Merkmale des Wassers
Die Autoren untersuchten, wie sich Wasserhärte, pH-Wert, Wassertemperatur und enthaltene Chemikalien auf die Haut von Kindern mit AD auswirken. Sie stellten fest, dass Kalzium in hartem Wasser die Hautbarriere schädigen, die Hauttrockenheit und -reizung verstärken und sowohl Kinder für AD prädisponieren als auch das Aufflammen einer bereits bestehenden AD provozieren könnte. Die Übersichtsarbeit zeigte, dass eine übermäßige Alkalisierung der Haut durch Schwimmbadwasser die Haut austrocknen und reizen kann. Für Kinder mit Ekzemen waren niedrigere Beckentemperaturen geeignet.
Schwimmbadwasser enthält Chemikalien, die die ekzematöse Haut austrocknen oder reizen können. Die antiseptische Wirkung von gechlortem Wasser könnte laut den Forschern jedoch auch die mikrobielle Besiedlung reduzieren und den Schweregrad der AD verringern. Die Wissenschaftler fanden nur anekdotische Berichte, wie sich Salzwasser auf die Haut von Menschen mit AD auswirken kann.
Empfehlungen für Kinder
Die belegbaren Erkenntnisse fassten die Autoren in Form von konkreten Ratschlägen zusammen.
Hautpflege
Bei sichtbaren Ekzemen sollten Eltern ihre Kinder bestärken, sich nicht zu schämen. Eine optimierte Ekzembehandlung kann helfen, die Krankheitsaktivität zu reduzieren. Dazu sollten proaktiv topische antientzündliche Mittel an den Tagen vor dem Schwimmen verwendet werden. Während schweren oder infektiösen Schüben sollte eine Schwimmpause erwogen werden.
Schwimmkleidung
Bedeckende Schwimmkleidung mit UV-Schutz dient nicht nur als Sonnenschutz, sondern kann auch geeignet sein, wenn sich Kinder wegen ihrer Haut schämen. Die Kleidung könnte die Haut aber möglicherweise irritieren. Schwimmhüte und Schutzbrillen mit Silikonfutter sollten benutzt werden.
An Pool und Strand
Ein geeignetes Emolliens sollte angewendet werden, bevor das Kind ins Wasser steigt. Auf den Handflächen und Fußsohlen sollte das Produkt nur sparsam aufgetragen werden, um das Risiko auszugleiten zu reduzieren. Bei schlechten oder neuen Schwimmern ist laut der Autoren zu bedenken, dass die Anwendung von einem Emolliens die Lebensrettung erschweren könnte, da dadurch die Gliedmaßen glitschig werden. Im Freien sollte ein geeignetes Sonnenschutzmittel (LSF 50+, bevorzugt mit mineralischem UV-Filter und duftölfrei) anstelle eines Emolliens aufgetragen werden.
Nach dem Schwimmen
Freies Restchlor im Badewasser verringert die Wasserrückhalteeigenschaften des Stratum corneum bei AD. Kinder sollten daher so schnell wie möglich das Chlor- oder Salzwasser abduschen. Lange heiße Duschen sind zu meiden.
Nach dem Duschen sollte die Haut sanft trocken getupft werden. Das Handtuch sollte aus weicher reiner Baumwolle oder Mikrofaser bestehen und nicht draußen getrocknet worden sein, um die Übertragung von Pollen oder Allergenen zu vermeiden. Anschließend sollten Kinder ein topisches antientzündliches Mittel und ein Emolliens auftragen.