Experten forderten verpflichtende Sprachstandserhebungen, mehr Therapieplätze und eine bessere Verzahnung von Kitas, Logopädie und Sozialpädiatrie.
Allergien und Sprachstörungen gehören zu den häufigsten chronischen bzw. entwicklungsbedingten Problemen im Kindesalter – mit deutlichen Folgen für die Lebensqualität und die gesellschaftliche Teilhabe. Der Kongress für Kinder- und Jugendmedizin 2025 in Leipzig stellte hierzu neue Screeningansätze, Studien und politische Forderungen vor.
Allergien früher erkennen
Mehr als 20 % aller Kinder entwickeln im Laufe ihres Lebens eine allergische Erkrankung. Asthma, Heuschnupfen oder Nahrungsmittelallergien können nicht nur die Kindheit stark belasten, sondern auch Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Bislang spielen Allergien in den standardisierten Vorsorgeuntersuchungen jedoch kaum eine Rolle.
Kongresspräsident Prof. Dr. Eckard Hamelmann forderte deshalb, die Allergie-Früherkennung in das „Gelbe Heft“ aufzunehmen. Vorgestellt wurde ein Screening-Algorithmus, der Risikokinder zuverlässig identifizieren soll. Ziel ist, präventive Maßnahmen wie Beratung, Allergenvermeidung oder Immuntherapie rechtzeitig einzuleiten und den Übergang von einer frühen Manifestation (z. B. Neurodermitis) zu späteren Erkrankungen wie Asthma zu verhindern.
Eine bundesweite Initiative sowie die für Ende 2025 erwartete Aktualisierung der S3-Leitlinie Allergieprävention sollen die strukturelle Verankerung dieser Früherkennung vorantreiben. Für Pädiater bedeutet dies, dass künftig bereits in der Routineversorgung systematisch nach Allergierisiken gefragt werden könnte – mit erheblichen Vorteilen für Prävention und Versorgung.
Sprachstörungen: unterschätzt und unterversorgt
Etwa 10 % aller Kinder sind von Sprachentwicklungsstörungen betroffen – in einigen Regionen zeigen Schuleingangsuntersuchungen bereits bis zu 17 % auffällige Befunde. Sprachstörungen zählen damit zu den häufigsten Entwicklungsproblemen, die zugleich große Auswirkungen auf Bildungschancen und soziale Teilhabe haben.
Experten wie Dr. Stephan Springer (DGSPJ) betonten die Notwendigkeit früher Diagnostik und flächendeckender Therapieangebote. Gefordert wurden:
- verpflichtende Sprachstandserhebungen im Alter von 2–3 Jahren
- mehr Logopädie- und Therapieplätze
- Unterstützung der Kinderärzten durch digitale Hilfen
- Ausbau von Pädaudiologie und interdisziplinärer Vernetzung
Besonders kritisiert wurde, dass viele Familien monatelang auf Diagnostik- und Therapieplätze warten müssen – mit dem Risiko, dass wertvolle Entwicklungszeit verloren geht.
Fazit
Die Botschaft aus Leipzig ist klar: Sowohl Allergien als auch Sprachstörungen müssen in der Primärversorgung von Kindern ernster genommen werden. Pädiater sind gefordert, frühzeitig hinzuschauen und sich für strukturierte Screening- und Förderkonzepte stark zu machen.










