Risiko für nekrotisierende Enterokolitis bei Frühchen: Muttermilch-Alternativen im Vergleich

Eine im Jahr 2024 publizierte Metaanalyse zeigt eine Überlegenheit von Spenderinnenmilch gegenüber künstlicher Säuglingsnahrung bei der Prävention von nekrotisierender Enterokolitis bei Frühgeborenen.

Muttermilch Spende

Eine schwerwiegende Krankheit bei Frühgeborenen und sehr kleinen Säuglingen stellt die nekrotisierende Enterokolitis dar (NEK). Hierbei handelt es sich um eine mit nachfolgenden invasiven Infektionen sowie Wachstums- und Entwicklungsstörungen assoziierte Erkrankung, von der etwa eines von 20 Frühgeborenen betroffen ist und deren Mortalitätsrate bei 20% liegt.

Zur Prävention dieses Krankheitsbildes wird die enterale Ernährung mit Muttermilch empfohlen. Falls jedoch keine oder nicht ausreichend Muttermilch produziert wird, stellen Spenderinnenmilch oder künstliche Säuglingsnahrung Alternativen dar. Spenderinnenmilch wird vor Verwendung pasteurisiert und gelagert, was im Vergleich zur Säuglingsnahrung zu einem reduzierten Nährstoffgehalt führt. Allerdings enthält sie, ähnlich der Muttermilch, immunologische und Wachstumsfaktoren, welche eine metabolische Adaptation der unreifen intestinalen Mukosa fördern. Diese immunologischen Nährstoffe fehlen der künstlichen Säuglingsnahrung. 

Im Rahmen einer Metaanalyse verglich eine britische Forschungsgruppe die Effektivität von Spenderinnenmilch und künstlicher Säuglingsnahrung zur Prävention der NEK bei Frühgeborenen, für die nicht ausreichend Muttermilch zur Verfügung stand.

Metaanalyse von 12 Studien

In die Metaanalyse wurden 12 randomisierte und quasi-randomisierte Studien aufgenommen. Die Interventionsgruppen erhielten Spenderinnenmilch mit oder ohne Nährstoffanreicherung, während in den Kontrollgruppen Standard-Säuglingsnahrung oder mit Nährstoffen ergänzte Säuglingsnahrung verwendet wurde. Diese waren entweder die jeweils einzigen Ernährungsformen der Säuglinge oder wurden zusätzlich zur Muttermilch für mindestens eine Woche verabreicht.

Studienteilnehmer waren vor der 32. Schwangerschaftswoche geborene Säuglinge mit einem Geburtsgewicht unter 1500 Gramm. Das Bias-Risiko wurde für jede Studie einzeln evaluiert und die Evidenz der Ergebnisse darauf basierend beurteilt.

Primäre Endpunkte waren eine intraoperative, klinisch-radiologische oder im Rahmen einer Obduktion stattgefundene NEK-Diagnose, eine frühestens 48 Stunden nach Geburt einsetzende invasive, durch Blutkulturen oder Liquoranalysen bestätigte Infektion sowie der Tod vor Krankenhausentlassung.

Zu den sekundären Endpunkten zählten die Gewichts- und Kopfumfangszunahme während des Krankenhausaufenthaltes und nach 12 Monaten sowie die neuro-psychomotorische und kognitive Entwicklung nach 12 Monaten und ab fünf Jahren.

Weniger NEK-Fälle bei Ernährung mit Spenderinnenmilch

Insgesamt zählten die Studien eine Teilnehmerzahl von 2.296 Säuglingen. Alle Studien fanden an neonatologischen Zentren in Europa und Nordamerika statt, wobei nur sieben davon nach dem Jahr 2000 publiziert wurden. Ein als niedrig eingeschätztes Bias-Risiko in jeder Domäne lag bei einem Drittel der Studien vor.

Die Metaanalyse zeigt ein reduziertes NEK-Risiko bei der Ernährung mit Spenderinnenmilch im Vergleich zur Säuglingsnahrung (Risk Ratio [RR] 0,53, 95%-Konfidenzintervall [KI] 0,37-0,76). Die Evidenz wurde diesbezüglich als hoch eingestuft.

Keine Reduktion des Infektions- und Mortalitätsrisikos

Es zeigte sich keine Überlegenheit der Spenderinnenmilch gegenüber der künstlichen Säuglingsnahrung hinsichtlich des Risikos für spät einsetzende, invasive Infektionen (RR 1,12; 95%-KI 0,95-1,31) sowie des Mortalitätsrisikos (RR 1,16; 95%-KI 0,93-1,47). Hier wurde die Evidenz als moderat eingestuft.

Die Ernährung mit Spenderinnenmilch war mit einer langsameren Zunahme des Gewichts und des Kopfumfanges während des Krankenhausaufenthaltes assoziiert, wobei die Autoren diesbezüglich auf eine Heterogenität der Studienergebnisse hinweisen. Hinsichtlich der weiteren sekundären Endpunkte zeigten sich keine wesentlichen Outcome-Unterschiede zwischen Spenderinnenmilch und Säuglingsnahrung.

Studienheterogenität stellt Limitation dar

Der große zeitliche Abstand zwischen den in die Metaanalyse aufgenommenen Studien schränkt die Vergleichbarkeit der Ergebnisse ein. Des Weiteren wurden die sekundären Endpunkte nicht in allen der aufgenommen Studien erhoben. Die Ergebnisse in Bezug auf die Gewichts- und Kopfumfangszunahme während des Krankenhausaufenthaltes zeigten sich zudem als heterogen, sodass unklar bleibt, inwieweit diese auf die Realität übertragbar sind.

Fazit: Ernährung mit Spenderinnenmilch reduziert NEK-Risiko

Die Ergebnisse der Metaanalyse zeigen, dass Frühgeborene, für die nicht genügend oder keine Muttermilch zur Verfügung steht, ein niedrigeres Risiko für das Entwickeln einer NEK haben, wenn sie mit Spenderinnenmilch ernährt werden, als wenn sie ausschließlich künstliche Säuglingsnahrung verabreicht bekommen. Somit deuten die Ergebnisse, trotz der Tatsache, dass kein Effekt auf das Infektions- und Mortalitätsrisiko festgestellt wurde, auf einen Nutzen der Ernährung mit Spenderinnenmilch hin.

Autor:
Stand:
13.11.2024
Quelle:

Quigley et al. (2024): Donor human milk for preventing necrotising enterocolitis in very preterm or very low-birthweight infants, DOI: 10.1002/14651858.CD002971.pub6

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