Schlafprobleme und Müdigkeit: Ein wachsendes Problem
Die Forscher Dr. Karin Mossberg und Dr. Per Möllborg von der Universität Göteborg analysierten die Veränderungen in der körperlichen und seelischen Gesundheit von Kindern.
Hierzu befragten sie Schüler der vierten und neunten Klasse in den Jahren 2011 (n = 254) und 2020 (n = 196).
Sie stellten fest, dass bei Kindern im Alter von 10/11 Jahren seit 2011 eine Zunahme von selbstberichteten Schlafproblemen, Müdigkeit und Unzufriedenheit sowohl mit dem Leben als auch mit der schulischen Leistung zu verzeichnen war. Insbesondere die Rate der Schulverweigerung stieg signifikant an und erreichte 2020 Werte, die 2011 bei 15/16-Jährigen verzeichnet wurden.
Für Neuntklässler waren die Unterschiede zwischen den beiden Jahren weniger ausgeprägt, da sie bereits 2011 häufig über körperliche und psychische Symptome berichteten, und diese Prävalenz bis 2020 hoch blieb.
Als möglichen Auslöser für diese Entwicklungen vermuten die Wissenschaftler eine erhöhte Nutzung sozialer Medien durch auch jüngere Kinder im Jahr 2020.
Zunahme von Unzufriedenheit und Schulverweigerung
Im Jahr 2020 äußerten weniger Schüler im Alter von 10/11 Jahren Zufriedenheit mit ihrem Leben, und ein Rückgang des Glücksempfindens war in beiden untersuchten Klassenstufen zu beobachten.
Die Anzahl der Schüler, die Wutanfälle erlebten, verzeichnete in beiden Klassenstufen einen zehnfachen Anstieg. Besonders auffällig war der deutliche Anstieg der Schulverweigerung bei den 10/11-Jährigen: 17,8% im Jahr 2020 gegenüber 2,7% im Jahr 2011. Konflikte mit den Eltern über Schulnoten und Probleme mit Freunden traten häufiger auf. Das Interesse an Hobbys und Sport sank bei den 10- bis 11-Jährigen, während die Zeit, die mit sozialen Medien verbracht wurde, zunahm.
Steigender Konsum sozialer Medien
Die Untersuchung offenbarte, dass im Jahr 2020 nahezu neun von zehn jüngeren Schülern soziale Medien nutzten, eine Quote, die der von 15/16-Jährigen im Jahr 2011 entsprach.
Kinder, die einen erheblichen Teil ihrer Zeit in sozialen Medien verbringen, haben weniger Zeit für andere Aktivitäten, ausreichenden Schlaf und familiäre Interaktion. Dies kann zu Schlafproblemen sowie zu psychischen und physischen Symptomen führen. Die Wissenschaftler raten daher dazu, die Zeit, die Kinder in sozialen Netzwerken verbringen, altersgerecht zu limitieren.
Stärken und Limitationen der Studie
Nach Aussage der beiden Wissenschaftler stellt die hohe Rücklaufquote einen Stärkepunkt der Studie dar: 89% im Jahr 2011 und 71% im Jahr 2020.
Die COVID-19-Pandemie könnte einen Einfluss auf die Studienergebnisse gehabt haben, da die Kinder weniger persönliche Kontakte hatten und verstärkt auf digitale Medien zurückgriffen. Dennoch fand in Schweden, als die Fragebögen von den Viert- und Neuntklässlern ausgefüllt wurden, regulärer Schulunterricht statt. Als einen weiteren möglichen Einflussfaktor auf die Ergebnisse identifizierten Mossberg und Möllborg die erhöhte Zuwanderung nach Schweden, vor allem zwischen 2015 und 2016.
Wie bei allen Querschnittsstudien kann auch diese Studie keine Kausalität zwischen den Ergebnissen und den potenziellen Ursachen herstellen. Zudem basierten die Daten auf den Selbstauskünften der Kinder.










