Deutsche Registerdaten zeigen bei verschiedenen Verfahren der endoskopischen Lungenvolumenreduktion erstaunliche Geschlechtsunterschiede. Das zeigen Ergebnisse aus Registern, die Professor Dr. Franziska Trudzinski von der Thoraxklinik des Universitätsklinikums Heidelberg anlässlich des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie in Leipzig vorgestellt hat.
Analyse zur Ventilimplantation
Eine retrospektive Analyse des deutschen Lungenemphysemregisters (LER) umfasste 778 Patienten mit chronisch obstruktiver Atemwegserkrankung (COPD) und Emphysem, die eine endoskopische Ventilimplantation erhalten hatten. Das mittlere Alter der Patienten lag bei 65,9 Jahren, 47,2 % der Patienten waren weiblich. Die Basischarakteristika zeigten für die Frauen im Mittel eine etwas bessere Einsekundenkapazität (FEV1) und etwas schlechtere Werte im COPD Assessment Test (CAT) als für die Männer, erläuterte Trudzinski. Symptome nach dem St. George‘s Respiratory Questionnaire (SGRQ), Emphysemindex und andere Charakteristika waren dagegen vergleichbar.
Frauen profitieren von Ventilen mehr
Für 574 Patienten standen Daten aus der Nachbeobachtung drei Monate nach der Ventilimplantation zur Verfügung. Zu diesem Zeitpunkt hatte der CAT-Wert in der Gesamtgruppe im Mittel um 3,04 Punkte abgenommen. Es zeigte sich laut Trudzinski ein deutlicher Unterschied zwischen der mittleren Abnahme des CAT-Werts bei Frauen und Männern (4,34 Punkte vs. 1,87 Punkte; p<0,001). Die Symptombelastung nach dem SGRQ war in der Gesamtgruppe um 9,26 Punkte gesunken und hatte ebenfalls bei Frauen im Mittel deutlich stärker nachgelassen als bei Männern (-13,24 vs. -5,52; p<0,001). Die SGQR-Ansprechrate (insgesamt 59,3 %) war bei Frauen signifikant höher als bei Männern (65,9 % vs. 53,1 %; p=0,02). Das weibliche Geschlecht war ein signifikanter Prädiktor für das subjektive Ansprechen, betonte Trudzinski. Weibliche Patienten zeigten drei Monate nach Ventilimplantation besonders deutlich eine Assoziation zwischen der Verbesserung des SGRQ und funktionellen Parametern wie der FEV1, dem Residualvolumen (RV) und der 6-Minuten-Gehstrecke. „Sie reagieren sensitiver auf die Veränderungen von Lungenfunktion und Gehstrecke“, meinte Trudzinski.
Registerauswertung nach Thermoablation
Eine retrospektive Analyse eines internationalen Registers beschäftigte sich mit Geschlechtsunterschieden von Patienten mit COPD und schwergradigem Emphysem nach bronchoskopischer thermischer Dampfablation (BTVA). Ausgewertet wurden Daten von 249 Patienten, die zwischen März 2017 und Juni 2024 mindestens einen BTVA-Eingriff erhalten hatten, berichtete Trudzinski. 116 waren weiblich, das mittlere Alter lag bei 64,7 Jahren. Die Patienten wurden drei, sechs und zwölf Monate nach der Intervention nachuntersucht.
Auch bei BTVA zeigen sich Geschlechtsunterschiede
Bei männlichen Patienten hatten sich FEV1, RV und SGRQ-Punktzahl nach drei, sechs und zwölf Monaten nicht signifikant verbessert. Dagegen profitierten Frauen im Mittel zu allen Zeitpunkten zumindest in einigen dieser Parameter. So hatte die Punktzahl im SGRQ nach drei Monaten im Mittel um 9,03 Punkte abgenommen (p<0,001), nach zwölf Monaten um 9,92 Punkte (p<0,001), erklärte Trudzinski. Das RV war bei den Frauen nach drei Monaten um 0,27 l reduziert (p=0,031), nach sechs Monaten um 0,37 l (p=0,009) und nach zwölf Monaten um 0,46 l (p=0,006).
Klinische Relevanz
Die Geschlechtsunterschiede der Ergebnisse von Lungenventilimplantation und BTVA sind erstaunlich und sollten in weiteren Kohorten überprüft werden. Sie werfen laut Trudzinski auch die Frage auf, ob die Definition der minimalen klinisch relevanten Unterschiede überdacht werden sollte. Möglicherweise sind hier bei Männern und Frauen unterschiedliche Grenzwerte anzusetzen.








