Review: Präventive Immuntherapie bei Kindern mit Inhalationsallergenen

Eine aktuelle Übersichtsarbeit zeigte, dass eine spezifische Immuntherapie mit Inhalationsallergenen neue Sensibilisierungen, das Einsetzen allergischer Erkrankungen und deren Progression bei Kindern verhindern kann.

Allergische Reaktion Kind

Sensibilisierung-mögliche Progredienz zu allergischen Erkrankungen

Allergische Erkrankungen stellen ein großes Gesundheitsproblem dar. Sie manifestieren sich bereits in jungen Jahren, beispielsweise als atopische Dermatitis, Lebensmittelallergie, allergische Rhinitis/Konjunktivitis und allergisches Asthma.

Sensibilisierungen treten vor dem Einsetzen von Immunglobulin (Ig)-E-vermittelten allergischen Erkrankungen auf. Eine Sensibilisierung auf inhalative Allergene, wie Hausstaubmilben, Haustiere, Pollen und Schimmelpilze entwickelt sich vor allem in den ersten Lebensjahren. Sensibilisierungen können zu allergischen Erkrankungen übergehen und treten oft in einer bestimmten Reihenfolge auf, dem allergischen Marsch.

Präventionsstrategien bei Allergien

Es gibt drei Präventionsstrategien: Das Ziel der primären Prävention ist es, das Auftreten von Sensibilisierungen und in Konsequenz allergischen Erkrankungen zu vermeiden.

Bei der sekundären Prävention sollen neue Sensibilisierungen und allergische Erkrankungen verhindert werden und bei der tertiären Prävention geht es um Vermeidung der Progression der Erkrankung und weiterer neuer Sensibilisierungen.

Kindheit optimaler Zeitpunkt für Prävention

Da das Immunsystem besonders in den ersten Lebensjahren plastisch ist, wird die Kindheit als idealer Zeitpunkt für die Prävention angesehen. Ein aktuelles Review gibt einen Überblick über die Wirksamkeit und Sicherheit einer präventiven spezifischen Immuntherapie (SIT) gegenüber respiratorischen Allergenen bei Kindern.

Die Studienautoren evaluierten insbesondere immunmodulatorische Effekte sowie die Prävention von neuen Sensibilisierungen, neu einsetzenden allergischen Erkrankungen und der Progression der Allergie. Es wurden 33 Publikationen mit insgesamt 2.952 Kindern untersucht.

Primäre Prävention

Der Ansatz der primären Prävention scheint sicher zu sein. In den Studien zeigte sich aber nur eine vorübergehende nicht-allergenspezifische Prävention neuer Sensibilisierungen. 

Sekundäre Prävention-Induktion von Immuntoleranz?

Nur eine Studie befasste sich mit der sekundären Prävention. Darin fand sich kein schützender Effekt auf neue Sensibilisierungen. Aber es konnte damit eine regulatorische T-Zell vermittelte Immuntoleranz induziert werden. Die Autoren des Reviews empfehlen daher weitere Forschung auf diesem Gebiet.

Tertiäre Prävention kann vor Progression in Richtung Asthma schützen

Die tertiäre Prävention mit gras- und/oder baumpollenbasierter SIT zeigte präventive Wirksamkeit vor einer Progression der allergischen Rhinitis/Konjunktivitis in Richtung Asthma. Der Effekt der tertiären Prävention bei anderen Allergenen war nicht eindeutig.

Die Mehrheit der Studien zeigte, dass immunmodulatorische Mechanismen induziert wurden.

Subkutane versus sublinguale Applikation

Subkutane und sublinguale Ansätze scheinen ähnlich effektiv zu sein, aber direkte Vergleiche in pädiatrischen Studien sind rar. Die subkutane Applikation könnte im Vergleich zur sublingualen länger anhaltende humorale Effekte haben.

Die beiden Darreichungsformen unterscheiden sich wohl auch in der Induktion der Antikörpersubklasse. So induziert die subkutane SIT eher IgG-Antikörper, die sublinguale eher IgA-Antikörper.

Früher Start der SIT empfohlen

Wenn eine Sensibilisierung bereits im Schulalter vorhanden ist, steigt das Risiko für Asthma im Erwachsenenalter. Die SIT sollte im Idealfall zwischen fünf Monaten und dem Vorschulalter starten, da dies effektiver zu sein scheint und vermutlich mehr langanhaltende Vorteile bietet.

SIT-Dauer über drei Jahre optimal

Bezüglich der Therapiedauer fassten die Autoren zusammen, dass eine SIT über drei Jahre langanhaltende präventive Effekte gegenüber der Progression in Richtung Asthma zeigte. Therapieregime von weniger als zwei Jahren zeigten hingegen keine präventiven Effekte. Auf der anderen Seite boten aber auch Behandlungen, die länger als drei Jahre andauerten, keine zusätzlichen Vorteile.

Ausblick: in Zukunft personalisierte SIT?

Es werden in Studien vermehrt unterschiedliche Allergendarbietungen untersucht, wie rekombinante oder gereinigte natürliche Allergene. Die Studienautoren vermuten, dass es in der Zukunft möglich sein könnte, personalisierte SIT, die auf die individuellen Sensibilisierungsmuster abgestimmt sind, nutzen zu können.

Autor:
Stand:
25.06.2024
Quelle:

Dwivedi et al. (2024): Preventive allergen immunotherapy with inhalant allergens in children. Allergy. DOI: https://doi.org/10.1111/all.16115

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