Lebensrettende Soforthilfe bei Atemwegsverlegungen durch Fremdkörper

Fremdkörper-Atemwegsverlegungen sind mit einer hohen Mortalität und Morbidität verbunden. Tritt eine Atemwegsverlegung auf, so kann es rasch zu Bewusstlosigkeit und Atemstillstand kommen – bis hin zum Tod. Die optimale Strategie für Interventionen durch Laien ist jedoch noch nicht bekannt.

Ersticken erste Hilfe

Atemwegsverlegungen durch Fremdkörper (engl.: Foreign body airway obstructions (FBAO)) führen schnell zu Bewusstlosigkeit, Atemstillstand und Tod. Weltweit sind Mortalität und Morbidität erheblich. Wird der Fremdkörper nicht entfernt, bevor Sanitäter eintreffen, erhöht sich das Mortalitätsrisiko um 16% gegenüber 0%. Aus diesem Grund ist es essenziell, dass auch Laien eingreifen.

Zu den lebensrettenden Maßnahmen der Basis-Lebensrettung zählen Abdominalstöße, Schläge auf den Rücken sowie Brustkompressionen. Vorhandene Belege für die Wirksamkeit derartiger Maßnahmen sind weitgehend beschränkt. Bisher unbekannt ist auch die optimale Strategie für Laieninterventionen, da es keine qualitativ hochwertigen Studien gibt. So ist es schwierig, Richtlinien für die Wiederbelebung bei diesem lebensbedrohlichen Zustand zu verfassen.

Studie will Evidenzlücke schließen

Eine Beobachtungs-Kohortenstudie setze sich zum Ziel, die Evidenzlücke bezüglich der Wirksamkeit der lebensrettenden Maßnahmen bei durch fremdkörperbedingten Atemwegsverlegungen zu schließen und qualitativ hochwertige Daten zu liefern. Dafür wollten die Forscher untersuchen, wie verschiedene lebensrettende Basismaßnahmen und die Beseitigung der Atemwegsverlegung mit dem Überleben und letztlich der Entlassung aus dem Krankenhaus zusammenhängen.

Anhand administrativer Gesundheitsdaten und medizinischer Aufzeichnungen des Rettungsdienstes identifizierten die Autoren zwischen dem 1. Januar 2018 und dem 31. Dezember 2021 präklinische FBAO-Patientenbegegnungen in Alberta, Kanada. Eingeschlossen waren Patienten aller Altersgruppen, bei denen es im Studienzeitraum zu einer außerklinischen Atemwegsverlegung durch Fremdkörper gekommen ist und der Rettungsdienst gerufen wurde.  

FBAO war dabei definiert als das Einführen eines Fremdkörpers oder einer nicht in die Atemwege gehörenden Substanz, mit der Folge von klinischen Anzeichen einer Verlegung, wie etwa Stridor, Zyanose oder Hypoxämie.

Beim primären Endpunkt handelte es sich um die Beseitigung der Fremdkörper-Atemwegsverlegung, sodass keine weitere FBAO-Intervention erforderlich war. Sekundäre Endpunkte stellten das Überleben bis hin zur Entlassung und interventionsbedingte Verletzungen dar. Als lebensrettende Maßnahmen wurden festgelegt: Abdominalstöße, Brustkompressionen bzw. -stöße oder Kombinationen im Vergleich zu Rückenschlägen.

Meist Säuglinge oder ältere Menschen betroffen

Die Forscher identifizierten 3.677 Patientenfälle. Unter diesen befanden sich 709 (19,3%) FBAO-Fälle, bei denen eine Intervention erforderlich wurde. Bei den meisten Patienten handelte es sich um Säuglinge von einem Jahr oder jünger (n=191; 26,9%) oder Personen über 65 Jahren (n=260; 36,7%). Häufigste Ursache war feste Nahrung (n=554; 80,8%).

In vielen Fällen wurde die erste Intervention von Laien durchgeführt.  Als häufigste erste Maßnahme kamen dabei Abdominalstöße, gefolgt von Rückenschlägen und Brustkompressionen, zum Einsatz. Oftmals konnte die Verlegung so beseitigt werden, aber teilweise mussten auch die Sanitäter eingreifen, wenn die Laienmaßnahmen keinen Erfolg zeigten. Ebenfalls kamen Fälle vor, in denen weder Laien noch Sanitäter die FBAO beseitigen konnten.

Ergebnisse: FBAO-Beseitigung und interventionsbedingte Verletzungen

Es zeigte sich, dass Personen, bei denen die FBAO nicht vor dem Eintreffen der Sanitäter beseitigt werden konnte, eine höhere Sterblichkeitsrate aufwiesen (n=4 [0,4%] gegenüber n=92 [42,4%], p<0,001). Auch Betroffene, die vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes keine Maßnahmen erhalten hatten, hatten eine geringere Überlebenswahrscheinlichkeit in der Zeit bis zur Entlassung (24,6% gegenüber 12,8%).

Um die Atemwegsverlegung zu lösen, erwiesen sich Rückenschläge wirksamer als Abdominalstöße und Brustkompressionen. So waren diese beiden Maßnahmen verglichen mit Rückenschlägen mit einer geringeren Chance verbunden, die FBAO beseitigen zu können. Patienten, bei denen Brustkompressionen bzw. – stöße durchgeführt wurden, hatten zudem eine geringere Überlebenswahrscheinlichkeit verglichen mit Patienten, die Rückenschläge erhielten. Auch in diesem Punkt erzielten Rückenschläge die besten Ergebnisse.

Das Durchführen von Brustkompressionen führte mit neun Fällen am häufigsten zu interventionsbedingten Verletzungen, während Abdominalstöße zu vier und Rückenschläge zu keiner Verletzung führten.

Beste Ergebnisse für Rückenschläge

Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Rückenschläge im Gegensatz zu anderen Basismaßnahmen mit besseren Ergebnissen verbunden waren. Die Studie zeigte zusätzlich, dass Rückenstöße keine interventionsbedingten Verletzungen verursacht haben. Diese Daten können für zukünftige Studien zur Verbesserung der Reaktionen auf Erstickungsnotfälle nützlich sein.

Autor:
Stand:
30.10.2024
Quelle:

Dunne, C., et al. (2024): Evaluation of basic life support interventions for foreign body airway obstructions: A population-based cohort study. Resuscitation, Volume 201, 110258. DOI: 10.1016/j.resuscitation.2024.110258

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