Lungenkrebsscreening: Einfluss der Adhärenz auf Diagnose und Stadium

Das Screening von Lungenkrebs mittels LDCT gilt als wirksame Maßnahme zur Senkung der Mortalität bei Hochrisikopatienten. Eine aktuelle Studie aus den USA zeigt nun, dass nicht nur das Screening selbst, sondern auch die regelmäßige Teilnahme entscheidend für den Erfolg ist.

CT

Das Lungenkrebs-Screening mit Niedrigdosis-Computertomographie (LDCT [Low-Dose-CT]) trägt zur Senkung der Lungenkrebsmortalität bei, indem Karzinome häufiger in frühen, potenziell heilbaren Stadien entdeckt werden. Die US Preventive Services Task Force (USPSTF) empfiehlt daher seit 2013 ein jährliches LDCT-Screening für Personen mit hohem Risiko - insbesondere für langjährige Raucher im Alter von 55 bis 80 Jahren.

Während randomisierte Studien diese Empfehlung unterstützen, zeigen Versorgungsdaten, dass die kontinuierliche Teilnahme in der Praxis häufig abnimmt. Eine aktuelle US-amerikanische Multicenterstudie liefert nun erstmals belastbare Daten zum Zusammenhang zwischen jährlicher Adhärenz und onkologischem Outcome.

Studie mit praxisnaher Definition von Adhärenz

Im Rahmen des PROSPR-Lung Konsortiums wurden die Daten von 10.170 Personen ausgewertet, die zwischen 2015 und 2018 ein Basis-LDCT erhalten hatten. Eingeschlossen wurden ehemalige oder aktuelle Raucher im Alter von 55 bis 75 Jahren, die nach dem Screening mindestens 36 Monate in ärztlicher Behandlung waren.

Die jährliche Adhärenz wurde praxisnah und differenziert nach dem Ausgangsbefund gemäß dem Lung-RADS-System (Lung Imaging Reporting and Data System) definiert: Bei unauffälligem Befund (Lung-RADS 1-2) galt eine Kontrolluntersuchung nach 10-18 Monaten (erste Nachuntersuchung, T1) bzw. 22-30 Monaten (zweite Nachuntersuchung, T2) als regelhaft. Bei auffälligem Befund (Lung-RADS 3-4) wurden erweiterte Zeitfenster von 11-21 Monaten (T1) bzw. 28-36 Monaten (T2) berücksichtigt, um weitere diagnostische Abklärungen angemessen zu berücksichtigen.

Adhärenz nimmt im Zeitverlauf ab

Von den 10.033 Personen, die für das erste jährliche Kontrollscreening (T1) infrage kamen, nahmen 61 % innerhalb des empfohlenen Zeitraums teil. Beim zweiten Screeningintervall (T2) sank dieser Anteil auf 50,5 %. Teilnehmende, die am ersten Follow-up-Screening teilgenommen hatten, nahmen mit signifikant höherer Wahrscheinlichkeit auch am zweiten Follow-up-Screening teil. Der Ausgangsbefund im Basisscreening (Lung-RADS 1-4) hatte dagegen keinen Einfluss auf die spätere Adhärenz.

Diese Ergebnisse zeigen: Die Teilnahmerate nimmt bereits im zweiten Jahr nach dem Baseline-Screening deutlich ab. Die langfristige Sicherung der Adhärenz stellt daher eine zentrale Herausforderung für strukturierte Lungenkrebsprogramme dar.

Regelmäßiges Screening erhöht die Detektionsrate

Insgesamt wurden im Beobachtungszeitraum 279 Lungenkarzinome diagnostiziert, was einer Inzidenz von 2,7 % entspricht. Dabei war die Detektionsrate unter Patienten mit positivem Ausgangsbefund erwartungsgemäß deutlich höher. Auffällig war jedoch der Einfluss der Adhärenz: In T1 wurden bei adhärenten Personen fünfmal so viele Karzinome entdeckt wie bei Nicht-Adhärenten.

In T2 war das Verhältnis sogar sechsmal so hoch. Multivariate Analysen bestätigten diesen Zusammenhang unabhängig von Alter, Komorbidität oder Sozioökonomie. Hervorzuheben ist, dass die höhere Diagnosehäufigkeit bei regelmäßig gescreenten Personen nicht auf ein höheres Risiko zurückzuführen ist, sondern auf die verbesserte Detektionsmöglichkeit durch wiederholte LDCT-Untersuchungen.

Adhärenz beeinflusst das Tumorstadium

Während es in T1 keine signifikanten Unterschiede in der Stadienverteilung zwischen Adhärenten und Nicht-Adhärenten gab, war der Einfluss in T2 deutlich: 73 % der bei T2-Adhärenten diagnostizierten Tumoren befanden sich im Frühstadium (Stadium 0-II), bei Nicht-Adhärenten waren es nur 25 %. Gleichzeitig traten fortgeschrittene Tumorstadien (III-IV) bei Nicht-Adhärenten fast dreimal so häufig auf. Damit konnte erstmals im realen Versorgungskontext ein direkter Zusammenhang zwischen Adhärenz und prognostisch günstiger Stadienverteilung nachgewiesen werden.

Adhärenz als Qualitätsindikator etablieren

Die Daten zeigen, dass die jährliche Teilnahme am Lungenkrebs-Screening entscheidend für die Früherkennung ist und einen signifikanten Einfluss auf das Tumorstadium bei Diagnose hat - insbesondere im zweiten Screeningjahr. Der Rückgang der Adhärenz unterstreicht die Notwendigkeit, Patienten gezielt an Folgeuntersuchungen zu erinnern und strukturell zu reaktivieren. Screening-Programme sollten daher die jährliche Adhärenz als zentralen Qualitätsindikator etablieren. So kann das Potenzial des Lungenkrebs-Screenings langfristig realisiert und die Mortalität effektiv gesenkt werden.

Autor:
Stand:
13.05.2025
Quelle:

Kim et al. (2025): Adherence to Annual Lung Cancer Screening and Rates of Cancer Diagnosis. JAMA Network OpenDOI: 10.1001/jamanetworkopen.2025.0942

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