Bedeutung der pulmonalen Rehabilitation
Die pulmologische Rehabilitation (PR) hat sich in über 25 Jahren Forschung als wirksam bei COPD erwiesen. Zu den wichtigsten Effekten zählen die Steigerung der Belastungstoleranz, die Reduktion der Kurzatmigkeit und die Steigerung der Lebensqualität des Patienten. Zudem verbessert die PR die körperliche Aktivität, das Überleben, die Körperzusammensetzung und die Krankheitsbewältigung. Sie vermindert darüber hinaus Gebrechlichkeit, psychologische Symptome, kardiovaskuläres Risiko und Hospitalisierungen.
Training als Herausforderung
Ein wichtiger Teil der PR bei COPD ist das körperliche Training, das die Leistungsfähigkeit und Ausdauer fördert, dem Muskelabbau entgegenwirkt und die Muskelfunktionen trainiert. Für Patienten mit fortgeschrittener COPD stellt das Training jedoch eine große Herausforderung dar, da sie häufig unter Kachexie, Muskelatrophie, mentalen Problemen und weiteren Begleiterkrankungen leiden. Darüber hinaus haben sie eine ausgeprägte Dyspnoe und geraten bei Anstrengung rasch in eine Sauerstoffuntersättigung. Bei diesen Patienten muss das Trainingsprogramm daher besonders sorgfältig angepasst werden.
Prof. Dr. Frits M. E. Franzen von der Universität Maastricht präsentierte in seinem Vortrag „Pulmonary rehabilitation in severe and very severe COPD“ auf dem internationalen ERS-Congress in Mailand wichtige Studienergebnisse zum effektiven körperlichen Training bei Patienten mit schwerer oder sehr schwerer COPD [1].
Die Rolle von zusätzlichem Sauerstoff
Einige COPD-Patienten erleben während des Trainings eine Sauerstoffuntersättigung. Eine Studie von Alison et al. aus dem Jahr 2019 zeigt, dass sowohl die Verabreichung von zusätzlichem Sauerstoff als auch medizinischer Luft während des Trainings die Leistungsfähigkeit und Lebensqualität der Patienten verbesserten.
Training bei Hyperinflation
Eine retrospektive Studie zeigt, dass auch Patienten mit einer statischen Hyperinflation der Lungen von einem progressiven Training im Rahmen einer PR profitieren und ihren 6-Minuten-Gehtest sowie ihren St. George's Respiratory Questionnaire (SGRQ) Score verbessern konnten [3].
Im Vergleich zu keiner Beatmung erzielten nicht-invasive Ventilations (NIV)-Systeme während des Trainings bei COPD-Patienten mit dynamischer Hyperinflation bessere Ergebnisse bei Ausdauer und die inspiratorische Kapazität (Isotime). Dabei erreichten ein individuell titriertes druckkontrollierte Beatmungssystems (T-EPAP) und standardisiertes S-EPAP (5 cm H2O) ähnlich gute Ergebnisse [4].
Neuromuskuläre elektrische Stimulation
Für COPD-Patienten, die Schwierigkeiten beim körperlichen Training haben, kann die neuromuskuläre elektrische Stimulation (NMES) eine Alternative sein. Studien haben gezeigt, dass NMES ebenso effektiv sein kann wie traditionelles Krafttraining [5].
Unter Supervision wird besser trainiert
Eine Studie von Kovelis et al. zeigte, dass betreutes Training zu Hause bei Patienten mit COPD, die auf Langzeit-Sauerstofftherapie angewiesen sind, effektiver ist als unbetreutes Training [6].
Patienten mit schwerer COPD profitieren am meisten von PR
In seinen Schlussworten hob Franzen die Bedeutung der PR bei COPD hervor. Gerade Patienten mit schwerer oder sehr COPD profitierten von einer PR. Dabei müsse das körperliche Training an die Bedürfnisse des individuellen Patienten angepasst werden. Auf keinen Fall dürfe die PR-Patienten mit schwerer oder sehr schwerer COPD vorenthalten werden.








