Schon länger gibt es epidemiologische Daten, die darauf hinweisen, dass präkonzeptionelle Faktoren die Gesundheit beeinflussen. Das betrifft explizit nicht nur Frauen vor der Mutterschaft, sondern auch die zukünftigen Väter, wie Professor Dr. Cecilie Svanes von der Universität Bergen in Norwegen berichtete.
Keimzellentwicklung relevant
Die Keimzellentwicklung unterscheidet sich deutlich zwischen den Geschlechtern. Die Oogenese ist vor der Geburt bereits weitestgehend erfolgt, die Spermatogenese läuft nach der Geburt mit zahlreichen Mitosen fort, die Meiose beginnt erst mit der Reifung in der Pubertät. Entsprechend könnten sich Umweltbedingungen von jungen Frauen und Männern unterschiedlich auf die nächste Generation auswirken. Während der Pubertät scheinen Faktoren wie Rauchen oder Adipositas bei zukünftigen Vätern besonders relevant zu sein.
Frühes Rauchen und Asthma
In der populationsbasierten Studie RHINE in Norwegen war das Risiko für ein Asthma des Kindes, wenn der Vater irgendwann vor der Konzeption geraucht hatte, adjustiert für andere Faktoren um 40 % erhöht (adjustierte Odds Ratio [aOR] 1,4). Bei Rauchen zehn Jahre vor Konzeption war die Risikoerhöhung ähnlich hoch (aOR 1,5). Am größten war sie, wenn der spätere Vater bereits vor dem 15. Geburtstag mit dem Rauchen begonnen hatte (aOR 3,2), berichtete Svanes. Für die Mütter ergab sich bei ausschließlich präkonzeptionellem Rauchen kein erhöhtes Asthmarisiko für das Kind (aOR 1,1), bei Rauchen rund um die Schwangerschaft lag die Risikoerhöhung bei 50 % (aOR 1,5).
Andere Studien bestätigten die Bedeutung des frühen Rauchbeginns des Vaters vor einem Alter von 15 Jahren, während bei Frauen nur das Rauchen in der Schwangerschaft ein relevantes Asthmarisiko fürs Kind bedeutet. Im Vergleich zu Gleichaltrigen ohne früh rauchende Väter ging in der RHINE-Studie frühes Rauchen auch mit einer verringerten Einsekundenkapazität (FEV1) und forcierten Vitalkapazität (FVC) einher. In einer anderen Kohorte erhöhte sich das Risiko für eine beeinträchtigte Lungenfunktion der Kinder auch, wenn der Vater vor dem 15. Lebensjahr Passivrauch ausgesetzt war. Nicht nur die inhalative Noxe ist relevant: Auch der frühe Beginn des Konsums des schwedischen Oraltabaks SNUS vor dem 15. Lebensjahr erhöht das Asthmarisiko des Kindes, ergänzte Svanes.
Frühes Übergewicht und Asthma
Auch Übergewicht in der Pubertät beim Vater erhöht das Asthmarisiko des Nachwuchses. In der RHINESSA-Kohortenstudie war frühes Übergewicht des Vaters mit einem um den Faktor 2,3 erhöhten Asthmarisiko für das Kind assoziiert. Ein Übergewicht der Mutter in der Pubertät zeigte keinen Zusammenhang mit dem Asthmarisiko. Eine andere Studie belegte die Assoziation von Übergewicht des Vaters im Alter von fünf, zehn und 15 Jahren mit einem um 70 % erhöhten Asthmarisiko für den späteren Nachwuchs. Das Übergewicht in der Pubertät des Vaters ist auch mit verschlechterten Lungenfunktionsparametern der Kinder assoziiert. In einer Mediationsanalyse ergab sich eine um 262 ml verringerte FVC, wobei das frühe väterliche Übergewicht neben der Körpergröße einen wesentlichen Einflussfaktor darstellte.
Korrespondierende epigenetische Veränderungen gefunden
In genomweiten Analysen wurden 19 DNA-Methylierungsstellenn auf 14 Genen identifiziert, die verändert waren, wenn der Vater vor dem 15. Jahr bereits geraucht hatte. Dabei waren andere Gene beeinflusst als beim Rauchen des Nachwuchses selbst oder bei mütterlichem Rauchen. Auch das Übergewicht in der Pubertät fand seine Entsprechung in differenziellen Veränderungen der DNA-Methylierung. Dabei waren 119 der betroffenen DNA-Abschnitte mit Asthma assoziiert, 178 mit der Lungenfunktion und 291 mit Übergewicht.
Epigenetisch beeinflusste Alterung
Der Effekt des frühen Rauchens des Vaters geht weit über die Lungengesundheit hinaus. Eine auf dem ERS 2025 vorgestellte Auswertung der RHINESSA-Kohorte ergab, dass ein früher Rauchbeginn des Vaters auch mit einer akzelerierten Alterung der Töchter assoziiert ist. Auch hier gab es keinen vergleichbaren Effekt, wenn die Mutter präkonzeptionell früh geraucht hatte.









