Keine Verbindung zwischen SARS-CoV-2 und Asthma bei Kindern

Im Gegensatz zu Rhino- und RS-Viren scheint SARS-CoV-2 das Asthmarisiko von Kindern nicht zu erhöhen. In einer US-Kinderklinik wurden nach einer SARS-CoV-2-Infektion sogar tendenziell seltener Asthmaerkrankungen beobachtet.

Junge mit Asthmaspray

Virusinfektionen der Atemwege im Kindesalter sind potenzielle Risikofaktoren für Asthma. Verschiedene Studien haben über Zusammenhänge zwischen akuten „Wheezing“-Attacken im Säuglingsalter, die auf eine Infektion mit Rhinoviren oder respiratorischen Synzytialviren (RSV) zurückzuführen sind, und der späteren Entwicklung von Asthma im Kindes- und Jugendalter berichtet. Darüber hinaus wurden CoV-Stämme wie OC43 und 229E aus nasopharyngealen Aspiraten von Säuglingen und Kindern isoliert, die während akuter Episoden von Atembeschwerden oder Asthmaexazerbationen auftraten. Obwohl virale Infektionen mit dem Auftreten von Asthma assoziiert sind, ist das Verständnis für die Auswirkungen von Coronaviren auf die Entwicklung von Asthma bei Kindern begrenzt. Eine kürzlich in 'Pediatrics' veröffentlichte Studie untersuchte, ob eine Infektion mit SARS-CoV-2 das Risiko für Asthma bei Kindern beeinflusst [1].

Datenerhebung und Methodik

Die Studie basiert auf Daten aus den elektronischen Gesundheitsakten von Kindern im Alter zwischen eins und 16 Jahren, die im Rahmen des Versorgungsnetzes des Children’s Hospital of Philadelphia (CHOP) betreut wurden. Die Analysen beschränkten sich auf diejenigen, die zwischen März 2020 und Februar 2021 einen SARS-CoV-2-Polymerase-Kettenreaktionstest (PCR) erhalten hatten. Die Probanden mussten im Jahr vor dem PCR-Test mindestens einmal ambulant untersucht worden sein und innerhalb von 18 Monaten nach dem Test eine Nachuntersuchung erhalten. Die Nachbeobachtung begann 30 Tage nach dem PCR-Test. Asthma wurde definiert als Vorliegen von mindestens einem ICD-Code für Asthma und einer Verschreibung für Asthma-spezifische Arzneimittel.

Verringerte Asthmadiagnosen nach SARS-CoV-2-Infektion

Die Studie umfasste insgesamt 27.423 Kinder, von denen 11,5% positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden. Innerhalb der folgenden 18 Monate erhielten 57 (1,81%) der SARS-CoV-2-positiven Probanden eine Asthmadiagnose. In der negativ auf SARS-CoV-2- getesteten Vergleichsgruppe von 24.276 Kindern erkrankten 516 (2,13%) an Asthma. Dies deutet auf eine verringerte Inzidenz neuer Asthmadiagnosen bei Personen mit positivem SARS-CoV-2-Test hin.

Im Gegensatz zu Rhino- und RS-Viren scheint SARS-CoV-2 nicht mit der Entstehung von Asthma in Verbindung zu stehen. Die Hazard Ratio (HR) von 0,96 (95%-Konfidenzintervall [95%-KI] 0,73–1,27) während der 18-monatigen Nachbeobachtungszeit weist auf eine neutrale Wirkung hin.

In einer Sensitivitätsanalyse mit Kindern, bei denen mindestens zweimal eine Asthmadiagnose gestellt wurde, betrug die HR 0,80 (95%-KI 0,56–1,13). Dies deutet sogar auf eine protektive Wirkung hin, wenngleich das 95%-KI einen leichten Anstieg nicht sicher ausschließt.

Verständnis der asthmaprotektiven Wirkung von SARS-CoV-2

Immunologische Untersuchungen könnten eine potenzielle Erklärung für die asthmaprotektive Wirkung von SARS-CoV-2 liefern. Während die Infektion mit dem Coronavirus eine Immunreaktion vom Typ I vermittelt, die möglicherweise dazu beiträgt, das Asthmarisiko zu reduzieren, lösen RS- und Rhinoviren eine Immunreaktion vom Typ II aus, die allergische Reaktionen begünstigen kann. Darüber hinaus ist bekannt, dass Covid-19 mit einer Eosinopenie einhergeht, einem Mangel an eosinophilen Granulozyten, die eine entscheidende Rolle bei der Regulation allergischer Reaktionen spielen.

Autor:
Stand:
29.04.2024
Quelle:

Senter, J. P. et al. (2024): COVID-19 and Asthma Onset in Children. Pediatrics, DOI: 10.1542/peds.2023-064615.

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