Genetische Veranlagung beeinflusst Verlauf von Covid-19

Der Verlauf einer Covid-19-Erkrankung ist individuell verschieden. Forschende identifizierten nun miRNAs, die mit einer geschwächten Immunantwort und einer Aufnahme auf die Intensivstation assoziiert waren.

Corona Impfstoff-Forschung

Hintergrund

Ein Forscherteam der New York University (NYU) Abu Dhabi hat eine Verbindung zwischen Micro-RNAs (miRNAs), einer Klasse von kleinen Regulator-Molekülen der Genexpression, und der Schwere von Covid-19 entschlüsselt. Die Regulierung der Genexpression ist ein wichtiger Mechanismus bei der Immunantwort des Wirts und kann den Verlauf der Krankheit beeinflussen. Die Forschenden identifizierten Veränderungen in miRNAs zu Beginn der Erkrankung, die mit bestimmten Bluteigenschaften und dem Absterben von Immunzellen in Verbindung stehen. Dadurch kann SARS-CoV-2 dem Immunsystem entkommen und sich vermehren. Die Studie wurde im Journal „Human Genomics“ publiziert [1].

Verbindung zwischen miRNA-Expression und Covid-19-Verlauf

Um zu verstehen, wie die miRNA-Expression die Krankheitsschwere nach einer SARS-CoV-2-Infektion beeinflusst, untersuchten die Forschenden Vollblutproben von 259 ungeimpften Covid-19-PatientInnen aus den Regionen Naher Osten, Nordafrika und Südasien – eine Bevölkerung, die in der Genomforschung konsequent unterrepräsentiert ist, so das Autorenteam.

Unter der Leitung von Youssef Idaghdour, Assistenzprofessor für Biologie an der NYU Abu Dhabi, analysierten sie 62 klinische Variablen und Expressionsniveaus von 632 miRNAs, die bei der Krankenhauseinweisung (und nach einem positiven SARS-CoV-2-Test) gemessen wurden. Im Ergebnis waren 97 miRNAs mit acht Blutphänotypen assoziiert und signifikant mit einer Aufnahme auf die Intensivstation verbunden.

miRNAs als potenzielle Biomarker und Zielmoleküle für Covid-19-Therapie

Die Studie zeigt, dass die genetische Veranlagung eines Menschen die Immunfunktion und Schwere der Covid-19-Krankheit beeinflusst. Dies eröffnet neue Erkenntnisse, um die Prognose und Behandlung nach einer SARS-CoV-2-Infektion zu verbessern.

So könnten miRNAs als Biomarker für den Covid-19-Verlauf dienen und potenzielle Zielmoleküle für therapeutische Eingriffe sein. Angesichts der Vielfalt der Stichprobe seien die Studienergebnisse auf etwa 30% der Weltbevölkerung übertragbar, die in der MENA-Region (Nahost und Nordafrika) und in Südasien leben, heißt es in der Studie.

Einschränkungen der Studie

Einschränkend muss erwähnt werden, dass die Studie ausschließlich Teilnehmende aus zwei geografischen Regionen einschloss, den MENA-Ländern und Südasien. Weiterhin fehlen angepasste Kontrollen, das heißt von nicht mit SARS-CoV-2 infizierten Personen. Aus diesem Grund sei nicht feststellbar, ob die ermittelten miRNAs nur bei einer SARS-CoV-2-Infektion induziert werden, schreibt das Autorenteam.

Autor:
Stand:
15.06.2023
Quelle:

Gjorgjieva, T. et al. (2023): Systems genetics identifies miRNA-mediated regulation of host response in COVID-19. Human Genomics, DOI: 10.1186/s40246-023-00494-4.

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