Hamburg. Die wirtschaftliche Stimmung der niedergelassenen Ärzte hat sich im 2. Quartal 2025 deutlich aufgehellt. Der Stimmungsindex der Stiftung Gesundheit stieg um 7,1 Punkte nach oben und liegt nun bei minus 17,1. Im Vergleich mit dem ifo-Geschäftsklima legt der Ärzte-Index also gut doppelt so stark zu. Laut Stiftung Gesundheit bewerten alle Fachgruppen sowohl die aktuelle Lage (plus 5,5 Punkte) als auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate (plus 8,5 Punkte) deutlich optimistischer.
Hausärzte verzeichnen das stärkste Plus - Psychotherapeuten mit positivem Gesamtwert
Die Erhebung zeigt, dass sich vor allem die Hausärzte deutlich optimistischer zeigen. Mit einem Anstieg von 10,4 Punkten verzeichnet diese Gruppe das stärkste Plus. Auch Zahnärztinnen und Zahnärzte sowie Fachärztinnen und Fachärzte melden eine Aufhellung der Stimmung. Besonders auffällig ist zudem, dass die psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten weiterhin als einzige Fachgruppe einen positiven Indexwert aufweisen.
• Hausärzte: plus 10,4 Punkte, aktueller Gesamtwert: minus 18,3
• Zahnärzte: plus 7,7 (minus 21,1)
• Fachärzte: plus 3,4 (minus 25,6)
• Psychologische Psychotherapeuten: plus 4,0 (aktueller Indexwert: 4,9).
Insgesamt bessert sich die Stimmung bereits seit Ende 2023 kontinuierlich. Auch im ersten Quartal 2025 war bereits ein leichter Aufwärtstrend erkennbar.
Digitalisierung löst politische Vorgaben als Hauptärgernis ab
Doch trotz der positiven Entwicklung ist die Lage in den Praxen weiterhin angespannt. Die größte Belastung bleibt die Digitalisierung. Mit 65,2 Prozent wurde sie von den Befragten häufiger als jeder andere Faktor genannt. Damit löst sie erstmals die politischen Vorgaben als Hauptärgernis ab. Fehlende Interoperabilität, unausgereifte Telematikinfrastruktur und nicht praxisgerechte Anwendungen erschweren vielen Ärzten die Arbeit. Auf Platz zwei der Belastungsfaktoren folgen die politischen Rahmenbedingungen, die von 62,1 Prozent als problematisch bewertet werden. In einer Studie der Bertelsmann-Stiftung gibt ein Viertel der befragten Ärzte an, „dass Software-Probleme die Praxis- und Behandlungsabläufe ein- oder mehrmals am Tag beeinträchtigen“. Auch administrative Aufgaben und Praxisorganisation bleiben ein Dauerthema.
Positive Reaktion als Vorschusslorbeeren für neue Gesundheitsministerin?
Der Stimmungsaufschwung fällt zeitlich zusammen mit dem Amtsantritt der neuen Bundesgesundheitsministerin Nina Warken. Die Stiftung Gesundheit wertet den Stimmungsanstieg als Vertrauensvorschuss gegenüber der neuen Ressortchefin. Diese hatte zum Amtsantritt angekündigt, Reformprozesse verstärkt gemeinsam mit den Ärzten und weiteren Akteuren des Gesundheitswesens gestalten zu wollen. Insbesondere von einer Entlastung bei der Digitalisierung und einer klareren Finanzierungsperspektive erhoffen sich viele Praxen eine Verbesserung ihres Arbeitsalltags.
Über das Stimmungsbarometer der Stiftung Gesundheit:
Die Methodik der Umfrage lehnt sich an das Modell des ifo-Instituts an. Grundlage ist eine repräsentative Online-Befragung von rund 750 Ärzten und Psychotherapeuten. Dabei werden sowohl die aktuelle wirtschaftliche Lage als auch die Erwartungen für die kommenden sechs Monate erhoben. Aus den Salden dieser Einschätzungen ergibt sich der Indexwert.









