Leichte Aufhellung der Ärzte-Stimmung im 1. Quartal 2025

Das Stimmungsbarometer der Stiftung Gesundheit für das 1. Quartal 2025 zeigt eine leichte Verbesserung der Stimmung unter niedergelassenen Ärzten. Dennoch bleibt der Index negativ. Die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) in den Modellregionen beurteilen befragte Teilnehmer mit „schlechter als erwartet“.

Stimmungsbarometer

Die Stimmung unter den niedergelassenen Ärzten in Deutschland hat sich im ersten Quartal 2025 leicht verbessert. Laut aktuellem Stimmungsbarometer der Stiftung Gesundheit für das 1. Quartal stieg der Index um 1,3 Punkte auf nun minus 24,3 Punkte. Die aktuelle wirtschaftliche Lage bewerten die Teilnehmenden schlechter (minus 2,5 Punkte, von minus 5,2 auf minus 7,7), der Ausblick auf die kommenden sechs Monate steigt gleichzeitig um 4,5 Punkte – von minus 43,9 auf minus 39,4.

Bei Betrachtung der Fachgruppen zeigen sich unterschiedliche Entwicklungen: 

  • Hausärzte: Die Stimmung unter den Hausärzten verbesserte sich um 5,8 Punkte und liegt nun bei minus 28,6 Punkten. Damit verlassen sie nach einem Jahr den letzten Platz unter den ärztlichen Fachgruppen. Hier dürfte ein Zusammenhang zur Endbudgetierung der hausärztlichen Leistungen bestehen. Die verbesserte Stimmung der Hausärzte ist außerdem der entscheidende Faktor für den leichten Anstieg der Gesamtzufriedenheit.
  • Fachärzte: Im Gegensatz dazu sank die Stimmung bei den Fachärzten um 3,2 Punkte auf minus 29 Punkte., Damit stehen die Fachärzte am Ende dieser Tabelle.
  • Zahnärzte: Hier gab es einen geringfügigen Anstieg um 0,4 Punkte. Die Stimmung unter den Zahnärzten liegt damit bei minus 28,9 Punkten und ist nur marginal besser als bei den Fachärzten.
  • Psychologische Psychotherapeuten: Als einzige Gruppe verbleiben sie im positiven Bereich mit einem unveränderten Wert von 1,0 Punkten. 
    Für das Stimmungsbarometer schreibt die Stiftung Gesundheit quartalsweise rund 10.000 niedergelassene Ärzte und Heilberufler im ambulanten Sektor des Gesundheitswesens an. Mit einer Rücklaufquote von acht Prozent gilt die Studie nach Angaben der Stiftung als repräsentativ.

Ärzte erleben vor allem politische Vorgaben und ePA-Einführung als negativ

Stimmung und Erwartung der Befragten sind wesentlich von der politischen Diskussion über Reformen des Gesundheitswesens und der Digitalisierung geprägt:

  • Entscheidungen und Vorgaben von Politik und Selbstverwaltung sorgen bei vielen Ärzten nach wie vor für den größten Verdruss. Zwei Drittel (66,4 Prozent) sehen ihre Arbeit dadurch negativ beeinflusst. Der Einfluss dieses Faktors hat im Vergleich zum Vorquartal allerdings um fast acht Prozentpunkte nachgegeben.
  • Digitalisierung: 61,7 Prozent der Ärzte gaben an, dass die Digitalisierung negative Auswirkungen auf ihre Arbeitssituation hat.
  • Praxis-Administration: Der Anteil der Ärzte, die sich durch administrative Aufgaben beeinträchtigt fühlen, stieg leicht auf 53,6 Prozent.
    Fast drei Viertel der Ärzte bewerten ePA „schlechter als erwartet“

An der Testphase zur Einführung der elektronischen Patientenakte beteiligen sich rund 230 Praxen aus Hamburg, Franken und Teilen von Nordrhein-Westfalen. Eine Befragung der Stiftung Gesundheit mit 41 teilnehmenden Praxen im Februar und März 2025 ergab, dass 71,8 Prozent der Ärzte die Arbeit mit der ePA bislang als schlechter als erwartet bewerten. 12,8 Prozent sehen ihre Erwartungen bestätigt, während 15,4 Prozent positiv überrascht sind.

Die Ärzte identifizierten mehrere Bereiche mit Nachbesserungsbedarf:

  • Software: 61 Prozent der Befragten sehen Verbesserungsbedarf bei der Software. Kritisiert werden Aspekte wie fehlende Bereitstellung, hoher Zeitaufwand sowie fehlerhafte oder nicht vorhandene Funktionen.
  • Patienteninformation: 53,7 Prozent der Ärzte bemängeln eine unzureichende Information der Patienten, beispielsweise durch Krankenversicherer. Viele Patienten seien nicht ausreichend über die ePA informiert und erwarteten Unterstützung von den Praxen.
  • Datensicherheit: Ebenso viele Ärzte äußerten Bedenken hinsichtlich der Datensicherheit der ePA. Dabei geht es nicht nur um potenzielle Hackerangriffe, sondern auch um den Schutz sensibler Daten, beispielsweise von Jugendlichen in psychotherapeutischer Behandlung.

Ärzte kritisieren vor allem hohen Implementierungsaufwand in den Praxen

Die Einführung der ePA brachte laut Befragung der Stiftung Gesundheit für die Praxen einen erheblichen Aufwand mit sich:

  • Zeit bis zur Einsatzbereitschaft: Mehr als die Hälfte der befragten Ärzte benötigte bis zu drei Tage, um die ePA einsatzbereit zu machen. Einige Praxen gaben an, dass dieser Prozess einen Monat oder länger dauerte. Im Durchschnitt vergingen 8,8 Tage bis zur vollständigen Einsatzbereitschaft.
  • Gesamtaufwand: Über 70 Prozent der Ärzte bewerteten den Gesamtaufwand für die Einführung der ePA als hoch (50,0 Prozent) oder eher hoch (21,2 Prozent).
  • Erklärungsbedarf: Mehr als 80 Prozent der Ärzte sehen einen hohen (55,3 Prozent) oder eher hohen (26,3 Prozent) Erklärungsbedarf gegenüber Patienten. Auch für das Praxisteam wird der Erklärungsbedarf von rund zwei Dritteln der Ärzte als hoch (40,5 Prozent) oder eher hoch (24,3 Prozent) eingeschätzt.
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