Hannover. Die große Mehrheit der Versicherten in Deutschland sucht mindestens einmal pro Jahr eine Arztpraxis auf. Der Durchschnitt für das Jahr 2024 liegt bei neun Arztbesuchen. Das zeigt eine Analyse der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) auf Basis von Abrechnungsdaten. Demnach hatten rund 90 Prozent der KKH-Versicherten Kontakt zu einer ambulanten Arztpraxis. Knapp jeder zehnte Versicherte blieb hingegen ohne Arztkontakt. Besonders häufig betraf dies Männer im Alter zwischen 20 und 49 Jahren.
Nach Angaben der KKH kommt fast die Hälfte der Versicherten (48,5 Prozent) auf fünf bis acht Arztbesuche. Diese Gruppe bildet damit den größten Anteil unter den Versicherten. 2014 lag der Anteil der Versicherten mit dieser Besuchsfrequenz noch deutlich höher, nämlich bei 56 Prozent.
Mehr als zehn Praxisbesuche pro Jahr: Anteil der sogenannten Vielgeher gestiegen
Parallel dazu ist laut KKH der Anteil der Versicherten gestiegen, die besonders häufig eine Arztpraxis aufsuchen. Als Vielgeher gelten in der KKH-Analyse Versicherte mit mindestens elf Arztkontakten pro Jahr. Ihr Anteil lag 2024 bei rund 37 Prozent. Zehn Jahre zuvor (2014) hatte dieser Anteil noch bei knapp 29 Prozent gelegen.
Diese Entwicklung zeigt nach Angaben der Krankenkasse, dass ein wachsender Teil der Versicherten ambulante medizinische Leistungen häufiger in Anspruch nimmt. Gleichzeitig bleibe ein Teil der Versicherten deutlich seltener in Kontakt mit Arztpraxen.
Frauen häufiger beim Arzt als Männer – Ältere öfter als Junge
Die Auswertung zeigt zudem Unterschiede in der Nutzung medizinischer Versorgung zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen. So gehen Männer in jüngeren Altersgruppen deutlich seltener zum Arzt als Frauen gleichen Alters.
Nach Angaben der KKH hatten insbesondere Männer bis zum Alter von 39 Jahren weniger Arztkontakte. Während Männer dieser Altersgruppe im Durchschnitt etwa fünf Arztbesuche pro Jahr aufwiesen, lag die Zahl bei Frauen im selben Alter bei etwa acht bis neun Kontakten jährlich.
Mit zunehmendem Alter verringern sich die Unterschiede zwischen Männern und Frauen wieder. Gleichzeitig steigt die Zahl der Arztkontakte insgesamt an. In höheren Altersgruppen kann sie laut KKH auf bis zu 14 Arztkontakte pro Jahr ansteigen.
Die Krankenkasse führt diesen Anstieg unter anderem auf eine intensivere medizinische Versorgung im höheren Lebensalter zurück.
„Versicherte künftig besser durch den Versorgungsdschungel lotsen“
Die Veröffentlichung der Daten erfolgt vor dem Hintergrund gesundheitspolitischer Diskussionen über eine stärkere Steuerung von Patientenströmen im Gesundheitswesen. Die Analyse der KKH wird in diesem Zusammenhang als Beitrag zur Frage verstanden, wie häufig Versicherte tatsächlich ambulante medizinische Leistungen in Anspruch nehmen.
KKH-Vorstand Wolfgang Matz erklärte laut Mitteilung der Krankenkasse, die Ergebnisse zeigten, dass Versicherte künftig besser durch das Gesundheitssystem geführt werden müssten. Wörtlich sagte er: „Wir müssen Versicherte künftig besser durch den Versorgungsdschungel lotsen.“
KKH: Behandlungen durch strukturiertes Primärversorgungssystem besser koordinieren
Nach Angaben der Krankenkasse könne ein stärker strukturiertes Primärversorgungssystem dazu beitragen, Behandlungen besser zu koordinieren. Dabei würden Hausarztpraxen als erste Anlaufstelle fungieren und die weitere Behandlung steuern.
In diesem Zusammenhang verweist die KKH auf eine eigene Umfrage vom Dezember 2025. Demnach recherchieren 32 Prozent der Befragten im Netz zu medizinischen Fragen, um sich einen Arztbesuch zu ersparen. Als Gründe würden vor allem volle Arztpraxen und lange Wartezeiten auf einen Termin genannt. Die ganze Meldung dazu: Jüngere setzen bei Gesundheitsfragen häufiger auf „Dr. Google“.
Datengrundlage der Analyse: Die KKH betreut bundesweit etwa 1,5 Millionen Versicherte. Für die Auswertung der Arztbesuche hat sie Daten aus den Jahren 2014, 2019 und 2024 analysiert. Einbezogen wurden ärztliche Beratungen und Behandlungen, ausgestellte Rezepte sowie Überweisungen und telefonische Kontakte, sofern diese abgerechnet wurden. Zahnarztbesuche wurden nicht berücksichtigt.









