Unikliniken: Deutlich mehr Oberärztinnen und kaum mehr Direktorinnen

Der Anteil von Oberärztinnen in der Universitätsmedizin steigt. In Spitzenpositionen wie etwa Klinikdirektorinnen sind Frauen aber weiterhin deutlich unterrepräsentiert. So zwei der wichtigsten Befunde aus der Studie „Medical Women on Top – Update 2024“ des Deutschen Ärztinnenbundes.

Chefärztin

Berlin. Der Deutsche Ärztinnenbund (DÄB) hat im März 2025 die vierte Ausgabe seiner Studie "Medical Women on Top" (MWoT) veröffentlicht. Die Studie untersucht seit 2016 die Geschlechterverteilung in Führungspositionen an 36 staatlichen Universitätskliniken Deutschlands. 

Oberärztinnen: In einigen Fachbereichen Parität erreicht oder übertroffen

Die Studie zeigt einen deutlichen Anstieg des Frauenanteils in Oberarztpositionen. Demnach besetzen Frauen mittlerweile 41 Prozent der Oberarztstellen an den untersuchten Universitätskliniken. 2022 waren es lediglich 37 Prozent. In einigen klinischen Fachbereichen ist sogar die Parität erreicht oder überschritten:

  • Dermatologie und Frauenheilkunde: In diesen Fächern sind mehr als 60 Prozent der Oberarztpositionen mit Frauen besetzt. 
  • Pathologie und Kinderheilkunde: Hier liegt der Anteil der Oberärztinnen bei mehr als 50 Prozent

Kaum Fortschritte bei der Besetzung mit Frauen in Spitzenpositionen

Trotz des Anstiegs bei den Oberärztinnen bleibt die Situation in den höchsten Führungspositionen nahezu unverändert. Der Anteil von Frauen in Spitzenpositionen wie Klinikdirektorinnen ist seit der Erhebung 2022 nur minimal von 13 auf 14 Prozent gestiegen. Die Unterschiede zwischen einzelnen Standorten sind aber erheblich: In Dresden etwa sind 29 Prozent der Klinikdirektorien mit Frauen besetzt, in Frankfurt am Main nur fünf Prozent.

Arbeitszeitmodelle und alte männliche Hierarchien bremsen Frauen aus

Die Studie identifiziert vor allem drei Faktoren, die den Aufstieg von Frauen in Spitzenpositionen negativ beeinflussen:

  • Familienunfreundliche Arbeitszeitmodelle: Die Arbeitszeiten und Arbeitszeitmodelle (Bereitschaft, Nacht- und Wochenenddienste, Vollzeitstellen) in der Krankenhaus-Medizin sind nach wie vor nicht familienfreundlich. Das wirkt sich insbesondere auf Ärztinnen aus, weil Frauen neben der beruflichen Tätigkeit öfter Care-Arbeit wie die Kinderbetreuung oder die Pflege von Angehörigen übernehmen. 
  • Teilzeit und Facharztqualifikation: Ärztinnen arbeiten deutlich häufiger in Teilzeit, sobald sie Kinder haben. Mit einer halben Stelle beispielsweise verdoppelt sich aber die Weiterbildungszeit bis zur Facharztqualifikation. Diese Ärztinnen gehen – wenn überhaupt – erst Jahre später ins Rennen um Führungspositionen.
  • Alte Hierarchien: Die oberste Führungsebene der untersuchten Uni-Kliniken ist nach wie vor sehr stark von Männern geprägt. Die gläserne Decke in der Medizin sei immer noch vorhanden, so Studienleiterin Prof. Dr. med. Gabriele Kaczmarczyk in einem, Interview mit dem Deutschen Ärzteblatt. Zudem setze sich die meinungsbildende Gruppe der Professoren in den Berufungskommissionen in der Regel auch in ansonsten paritätisch besetzten Kommissionen durch.

Empfehlungen zur Förderung von Frauen in Führungspositionen

Um den Anteil von Frauen in Spitzenpositionen der Universitätsmedizin zu erhöhen, gibt die MWoT-Studie folgende Empfehlungen:#

  1. Jobsharing: Bei der Besetzung von Führungspositionen sollte die Möglichkeit angeboten werden, den neuen Aufgaben als Doppelspitze zu stellen. Auf diese Weise entstehen flexiblere Führungs- und Arbeitszeitmodelle, die insbesondere Ärztinnen zugutekommen. 
  2. Parität in Berufungskommissionen: In Berufungskommissionen, die einen wesentlichen Einfluss auf die Besetzung von Führungspositionen haben, sollte Parität herrschen. 
  3. Integration der Gleichstellungsbeauftragten: Gleichstellungsbeauftragte sollten mehr Mitwirkungsrechte und Entscheidungsbefugnisse im Rahmen ihrer Beteiligung an Berufungskommissionen haben. 
  4. Familienfreundlichere Strukturen: Flexible Arbeitszeiten und niederschwellige Kinderbetreuungsangebote sind nur zwei Aspekte, die eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern können.
  5. Anpassung der Auswahlkriterien: Statt ausschließlich Publikationen für den Nachweis klinischer Exzellenz heranzuziehen, sollten auch weichere Faktoren wie Kommunikations- und Teamfähigkeit oder Konfliktmanagement berücksichtigt werden. 

Über die Studie „Medical Women on Top“

Die Studie „Medical Women on Top“ untersucht die Geschlechterverteilung in Führungspositionen an 36 staatlichen Universitätskliniken Deutschlands. Das aktuelle Update folgt auf die Basisuntersuchung von 2016 sowie die Updates von 2019 und 2022.  Auftraggeber der Studie ist der Deutsche Ärztinnenbund (DÄB). Für die Studie wurden Daten von 36 staatlichen Universitätskliniken in Deutschland erhoben und analysiert.

Autor:
Stand:
19.03.2025
Quelle:
  1. Deutscher Ärztinnenbund (DÄB): Mehr Oberärztinnen, aber kaum mehr Klinikdirektorinnen: Neue Studie des Deutschen Ärztinnenbundes zeigt Licht und Schatten, DÄB-Pressemeldung vom 13. März, zuletzt abgerufen am 18. März 2025.
  2. Deutscher Ärztinnenbund: Medical Woman on Top – Update 2024 (PDF), zuletzt abgerufen am 18. März 2025.
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