Berlin. Der Spitzenverband Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands (SpiFa) hat seine klare Haltung gegen ein mögliches Primärarztsystem erneuert. Ein hausärztliches Gatekeeping sei „mit der Fachärzteschaft genauso wenig zu machen, wie die Öffnung der Krankenhäuser für die ambulante Regelversorgung“, schreibt der Verband in einer Pressemitteilung. Ein verpflichtender Hausarzt-Vorabkontakt sowie die Ausweitung der ambulanten Versorgung in die Krankenhäuser sind nach Ansicht der Fachärzte unvereinbar mit einer bedarfsgerechten Patientenversorgung. Niemand brauche „Hausärzte als Türsteher für den Zugang zu Prävention, Vorsorge, Diagnostik und Behandlung“, so der SpiFa-Vorstandsvorsitzende Dr. med. Dirk Heinrich. Ein solches System führe nicht zu besserer Versorgung, sondern zu mehr Bürokratie, unnötigen Arzt-Patienten-Kontakten und letztlich zu höheren Kosten.
Stattdessen fordert der SpiFa eine stärkere und strukturierte Zusammenarbeit zwischen Haus- und Fachärzten. Das Ziel müsse sein, Patienten direkt und ohne Umwege die medizinische Versorgung zu bieten, die sie tatsächlich benötigen. Besonders bei chronisch kranken Menschen, die regelmäßig fachärztlich betreut werden, sei eine hausärztliche Überweisungspflicht realitätsfern und kontraproduktiv.
Kritik an Vorschlägen zur Notfallversorgung
Auch im Bereich der Notfall- und Akutversorgung äußert der SpiFa massive Bedenken. SpiFa-Vorstandsmitglied Jan Henniger: „Patienten mit gebrochenen und verstauchten Armen und Beinen haben weder etwas in der Hausarztpraxis noch in der Notaufnahme zu suchen.“ Gerade in den Wintermonaten könne ein solcher Umweg fatale Folgen haben, etwa wenn gestürzte Patienten beim Hausarzt erst eine Überweisung benötigen und sich dabei möglicherweise mit Grippeviren aus überfüllten Wartezimmern infizieren. „Das kann doch keiner ernsthaft wollen“, so Henniger. Stattdessen brauche es direkte Wege in die spezialisierten fachärztlichen Praxen, etwa für Orthopädie oder Chirurgie.
Ablehnung der Öffnung von Krankenhäusern für ambulante Regelversorgung
Ein weiterer Kritikpunkt des SpiFa: Der Vorschlag, Krankenhäuser stärker in die ambulante Regelversorgung einzubinden, wenn Patienten in der Facharztpraxis keinen schnellen Termin bekommen. Für den Verband ist das der falsche Weg. Er sehe darin keine echte Strukturreform, sondern vielmehr eine Gefährdung des gesamten Systems.
„Die Politik darf nicht der Versuchung erliegen, Krankenhäuser als Ausweichstruktur zu nutzen, nur weil die ambulante Versorgung unterfinanziert und überreguliert ist“, so Heinrich. Die Gefahr bestehe, dass Kliniken diesen Weg nutzen, um ihre stationäre Bettenauslastung zu sichern. Das schade der Versorgungsqualität und führe zu unnötigen Kosten.
SpiFa fordert mutige Strukturreformen und Abschaffung der Budgets
Stattdessen fordert der SpiFa Strukturreformen, die niedergelassene Fachärztinnen und Fachärzte stärken. Eine zentrale Maßnahme sei, die „völlig aus dem Ruder“ gelaufene Budgetierung abzuschaffen. „Wer schnelle Termine und eine gute ambulante Versorgung wirklich will, muss endlich die ambulante Fachärzteschaft stärken, statt sie immer weiter zu schwächen“, so Heinrich. Gerade mit Blick auf die geplante Notfallreform könne die Politik jetzt zeigen, ob sie zu echten Veränderungen bereit sei.
Über SpiFa: Der Verband repräsentiert nach eigenen Angaben mehr 150.000 Fachärztinnen und Fachärzte in Klinik und Praxis. Er verfolgt das Ziel, die Interessen der Fachärzteschaft gegenüber Politik, Selbstverwaltung und anderen Verbänden zu adressieren und auf Bundes- sowie Landesebene durchzusetzen.










